Nachhaltig leben

Wann, wenn nicht jetzt?

Die Grosse Transformation

© Yeti studio | Shutterstock, Inc. [US] 2021 

1. Definition   2. Die Grosse Transformation   3. Fakten zur Nicht-Nachhaltigkeit   4. Vorsorge und Solidarität   5. Nachhaltig wirtschaften   6. Nachhaltigkeit global
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1. Definition


Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. 
Brundtland-Bericht - Our Common Future, Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987

Nachhaltigkeit [Ökologie] ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. 
Duden

Nachhaltigkeit bedeutet - auf eine prägnante Formel gebracht - gutes Leben für rund zehn Milliarden Menschen innerhalb der ökologischen Grenzen auf unserem Planeten.
Uwe Schneidewind. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

So einfach diese Definitionen auch lauten, so schwer ist es, ein einheitliches, gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit zu erlangen. Ohne ein solches gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit ist aber die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft kaum zu bewältigen.  

Nachhaltigkeit ist gleichsam ein Synonym für Widerstandsfähigkeit und Krisenresistenz, also Resilienz.

2. Die Grosse Transformation


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What are Pathways to Sustainability?
Animation Video on Youtube
steps-centre.org

Wir müssen uns zu einem nachhaltigen Leben aufmachen, auch wenn es keinen Masterplan gibt, wie wir die Transformation unserer heutigen Gesellschaft - mit ihrer immerwährenden Expansion - hin zu einer nachhaltigen Entwicklung schaffen.

Eine nachhaltige Entwicklung ist kaum vorstellbar ohne 1) die Abkehr von der überwiegend linearen Wirtschaft hin zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft, 2) dem gleichzeitigen Zurückfahren des Überkonsums und 3) der raschen Reduktion der CO2 - Emissionen

Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung wird unweigerlich mit einem Strukturwandel verbunden sein, der Gewinner und zumindest übergangsweise auch Verlierer kennt.

Insofern gilt es neben der Wirksamkeit und Effizienz umweltpolitischer Maßnahmen auch die damit verbundenen Verteilungseffekte zu berücksichtigen. Fragen der Gerechtigkeit sind damit als dritter zentraler Maßstab für umweltpolitische Maßnahmen ernst zu nehmen, um deren Legitimität und Zustimmung zu sichern. 
Konrad Adenauer Stiftung Nr. 310/August 2018: Verantwortliche Umweltpolitik - ökologisch wirksam und sozial gerecht.

Der Weltklimarat [IPCC] und der Weltbiodiversitätsrat [IPBES] sind sich unabhängig voneinander darin einig, dass es sowohl aus dem Blickwinkel des Klimas als auch der Biodiversität eine tiefgreifende und umfassende gesellschaftliche Transformation braucht, um den Verlust der biologischen Vielfalt und die globale Erwärmung aufzuhalten.

Dieser Wandel hat eine nachhaltige Entwicklung zum Ziel und betrifft alle Sektoren, darunter die Energiewirtschaft [Abkehr von fossilen Brennstoffen zugunsten von erneuerbaren Energien], die Landnutzung [vor allem eine umweltfreundlichere landwirtschaftliche Produktion] und die Forstwirtschaft [Schutz und nachhaltige Nutzung der Wälder].
Forum Biodiversität S
chweiz. Akademie der Naturwissenschaften. Hotspot 43/2021

Änderungen des Pro-Kopf-Verbrauchs, eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und Fortschritte bei der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen, einschließlich der Reduzierung von Nachernte-Abfällen, könnten einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Biodiversitätskrise, zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel leisten.
Übersetzt von: IPBES-IPCC co-sponsored workshop report on biodiversity and climate change. 2021

Nicht zuletzt hat unsere ressourcenintensive Lebensweise mit ihrem immensen Ausstoss von Treibhausgasen, der Vernichtung natürlicher Lebensräume und der zunehmenden Verschmutzung an Land und im Meer zu einer planetarischen Krise geführt. Sie bedroht die Lebensgrundlagen auf der Erde und damit die Gesundheit aller Menschen.

Weil die zunehmenden Umwelt- und Gesundheitsprobleme vielfach gemeinsame Wurzeln haben, können Synergien bei den Lösungsansätzen gefunden werden. Wir stehen an einem Scheidepunkt. 

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik müssen Verantwortung übernehmen und eine umfassende Transformation in die Wege leiten, die zu einem gesunden menschlichen Leben auf einem gesunden Planeten führt.
Planetare Gesundheit: Worüber wir jetzt reden müssen. WBGU Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. 2021

3. Fakten zur Nicht-Nachhaltigkeit



Earth Overshoot Day

An diesem Tag - auch Erdüberlastungstag genannt - hat die Menschheit alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres wiederherstellen und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann.


Beispiel Schweiz und ihr ökologischer Fussabdruck

Die Schweizer Bevölkerung verbrauchte bereits am 13. Mai 2022 mehr natürliche Ressourcen, als ihr für das ganze Jahr zustand.

Wenn alle Menschen auf der Welt leben würden wie wir Schweizer, dann bräuchten wir drei Planeten so gross wie unsere Erde.

© freesoulproduction | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die gesamte Menschheit verbraucht jedes Jahr Waren und Dienstleistungen, die der jährlichen Regenerationskraft von 1,7 Planeten entsprechen.

Die 8-Tonnen-Gesellschaft

Für einen wirklich nachhaltigen Lebensstil sollte z.B. Deutschland den Ressourcen-Verbrauch von heute rund 30 Tonnen pro Kopf und Jahr längerfristig um den Faktor 4 auf rund 8 Tonnen reduzieren.

Ausserdem soll zur Eindämmung des Klimawandels der Treibhausgas-Ausstoss von heute rund 8 Tonnen pro Person und Jahr um den Faktor 4 auf 2 Tonnen rasch gesenkt werden. 
Gemäss Uwe Schneidewind. 2018. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels.


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Konsumwachstum

Die USA haben eine um 60% grössere Bevölkerung als 1970, aber die Konsumausgaben sind um 400% (inflationsbereinigt) gestiegen - und anderen reichen Nationen geht es nicht viel besser.
Gemäss Jamie Waters. Overconsumption and the environment: Should we all stop shopping? The Observer. 30. May. 2021


Innerhalb der Lebenszeit einer einzigen Generation...

... nahm die Weltbevölkerung, der globale CO2 - Ausstoss, der Ressourcen- und Energieverbrauch in beispiellosem Tempo zu:


4. Vorsorge und Solidarität


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Nachhaltig leben heisst für uns Menschen in den reichen Ländern unter anderem:

Vorsorgen für die zukünftigen Menschen auf unserer Erde.

Solidarisch sein mit den anderen Menschen auf der Welt.

Sorgen wir heute vor? 
Wenn es ums Handeln geht, ist der Umwelt- und Klimaschutz noch nicht bei der Mehrheit von uns angekommen.

«Fast alle sind für Klimaschutz, aber im Grunde ist die Umsetzung der wirklich notwendigen Massnahmen für das 1.5 Grad Ziel nicht mal ansatzweise mehrheitsfähig.»
Maurice Conrad. Keine Kehrtwende in der Klimapolitik? Was Fridays for Future stattdessen erreicht haben. Perspective Daily. 22. April 2022

Sind wir heute solidarisch?
Rund 20 % der Weltbevölkerung, hauptsächlich Menschen in den reichen Ländern, aber auch die Reichen weltweit, haben einen Anteil von rund 80 % am gesamten globalen Ressourcen-Verbrauch.

Die Fakten zeigen klar: Wir leben heute auf Kosten kommender Generationen. Sie werden einen grossen Preis für unsere Übernutzung und Verschmutzung des Planeten Erde zahlen und mit gravierenden Einschränkungen zu leben haben.

Unsere Lebensweise ist nicht nachhaltig und deshalb auch keine Option mehr für kommende Generationen.


5. Nachhaltig wirtschaften


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Schon vorher an nachher denken. 

Die Kreislaufwirtschaft ist eines der zielführenden, aber heute noch viel zu wenig umgesetzten Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens. 

In der Kreislaufwirtschaft werden der Ressourceneinsatz, die Abfallproduktion, die Emissionen und Energieverschwendung durch das Schliessen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert. 

Die Produkte sollten von Anfang an so entwickelt werden, dass nach Gebrauch die Rohstoffe ohne Qualitätsverlust extrahiert und weiterverwendet oder ohne schädliche Wirkung auf Mensch und Umwelt in den biologischen Kreislauf zurückgespeist werden können.

«Die Weltwirtschaft ist aktuell nur zu 9 % zirkulär. Nur 9 % der 92,8 Milliarden Tonnen Material, die in die Wirtschaft gelangen, werden jährlich wiederverwendet». 
The Circularity Gap Report 2019  

© sasirin pamai | Shutterstock, Inc. [US] 2018    

Kritische Entwicklungen frühzeitig wahrnehmen. 

Das Vorsorgeprinzip ist wohl eine der effektivsten Art und Weise, unsere Umwelt nachhaltig zu schützen. 

Erste Massnahmen gegen mögliche, kritische Entwicklungen werden in einer frühen Phase ergriffen. 

Das Vorsorgeprinzip gilt, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse unzureichend oder ungewiss sind und vorläufige Gutachten auf potenziell gefährliche Auswirkungen auf Umwelt, Mensch, Tiere oder Pflanzenwelt hinweisen.

Dem Vorsorgeprinzip kommt eine immer grössere Bedeutung zu, da wir heute - was die Umwelt betrifft - wahrscheinlich mehr neue Probleme verursachen, als wir bestehende Probleme zu lösen vermögen. 

6. Nachhaltigkeit global


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Das Jahr 2015
Meilenstein für eine globale Nachhaltigkeit?

  • Agenda 2030 der UNO
    September 2015
    169 Staaten unterzeichnen 17 Nachhaltigkeitsziele, die der Weltpolitik die Richtung für eine nachhaltige Entwicklung geben sollen.
    UNO - Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
  • Klimaschutzabkommen von Paris
    Dezember 2015
    196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der UNO vereinbaren das Ziel, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.
    UNO - 
    Übereinkommen von Paris
  • Päpstliche Enzyklika Laudato Sì
    Juni 2015
    Papst Franziskus verkündet seine Sicht der Welt. Im Zentrum steht die Verwundbarkeit der Schöpfung.
    Laudato Si' von Papst Franziskus - Über die Sorge für das gemeinsame Haus.

Transformation unserer Welt

Die 17 Nachhaltigkeitsziele sollen der Weltpolitik die Richtung für eine nachhaltige Entwicklung geben.

Das heisst, dass alle Staaten aufgefordert sind, die drängenden Herausforderungen der Welt gemeinsam zu lösen.

Die Menschen sollen bis 2030 - überall auf der Welt - über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung verfügen.

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung
Die Ziele für nachhaltige Entwicklung mit ihren 169 Unterzielen sind das Kernstück der Agenda 2030.

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung zeigt einen neuen Weg des Gleichgewichts für die Menschheit und den Planeten auf. Die 17 Ziele sind eng miteinander verflochten. 

Neuere Studien zu den Wechselwirkungen zwischen den Nachhaltigkeitszielen haben den Erhalt der Biodiversität als einen der stärksten Hebel zur Erreichung von Nachhaltigkeit identifiziert.
Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Mit Biodiversität die SDGs erreichen. 2021

© Romolo Tavani | Shutterstock, Inc. [US] 2021

«Eine nicht-nachhaltige Entwicklung führt zu einer raschen Verschlechterung der Kapazität der Erde, das menschliche Wohlergehen zu erhalten». 
Making Peace with Nature. UN environment programme. 2021

Eine nachhaltige Entwicklung ist die neue Herausforderung mit grossen Chancen für uns alle, ein Lernprozess, der all unsere Kreativität fordert.


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