Nachhaltig leben

7. Drei Massnahmen sofort umsetzen

1. CO2 - Ausstoss stoppen
Umbau des globalen Energiesektors
Sofortiger Schutz des Klimas 

© Ranglen | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die Erderwärmung und damit der Klimawandel schreiten sehr schnell voran.

Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2  °C erfordert eine rapide Dekarbonisierung der Weltwirtschaft. Scheitert dieses Vorhaben, hat das schwerwiegende Folgen für die zukünftigen Generationen.

Es ist Zeit, endlich der jungen Generation und der Wissenschaft zuzuhören und zu handeln.

Die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und gleichzeitig steigen die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen weiter an.

Bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens muss Klimagerechtigkeit eine zentrale Rolle spielen. 

Die Emissionen in Europa aber auch in den USA, in Kanada, in Australien und in Japan müssen schneller als in andern Ländern reduziert werden.

Es müssen Massnahmen in allen emittierenden Sektoren dieser Gesellschaften umgesetzt werden. In der EU beträgt der prozentuale Anteil der Treibhausgas - Emissionen:

  • 30 % im Stromsektor
  • 27 % im Verkehrssektor
  • 19 % im Industriesektor
  • 12 % im Gebäudesektor
  • 12 % im Landwirtschaftssektor

Neben der Realwirtschaft spielt auch die Finanzwirtschaft als flankierender Rahmen für die Transformation eine zentrale Rolle. Die EU muss daher die Hebelwirkung öffentlicher Investitionen und des privaten Finanzwesens zunehmend stärker nutzen und in den Fokus rücken.

Positionspapier für Politik und Entscheidungsträger der Klima Allianz Deutschland. Zeit für eine wirksame europäische Klimapolitik - Europa zur Klimaunion machen. Juni 2019

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Diskussionspapier mit 23 Schlüsselmassnahmen für die Schweiz

Beat Ringger. 2019. Denknetz 


2. Überkonsum zurückfahren

© Ljupco Smokovski | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und den masslosen Konsum zurückfahren. 

Der Verschleiss der Natur durch unsere konsumorientierte Lebensweise ist zu gross und gefährdet unsere Lebensgrundlage. 

Sehr oft konsumieren wir gar nicht, was wir wirklich brauchen. Vier von fünf Menschen richten den Konsum weniger nach ihren eigenen Bedürfnissen aus, sondern kaufen vielmehr, was ihre Freunde, Verwandten, Nachbarn oder Arbeitskollegen haben. 

Drei mächtige Statussymbole bestimmen noch immer unser Konsumverhalten. 

© Thomas Soellner | Shutterstock, Inc. [US] 2018

  • Grosses Auto
    Seit jeher gilt ein grosses Vehikel als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Kutschen von wenigen, dann der Rolls-Royce von einigen, der amerikanische Chevrolet von vielen und heute die immer grösseren Auto von fast allen Leuten. 

    Seit 1980 hat sich das durchschnittliche Gewicht eines Autos verdoppelt.

  • Grosser Konsum von Fleisch und Fisch
    Seit jeher gilt grosser Fleischkonsum als mächtiges Statussymbol. Zuerst waren es die Gelage in den Palästen von wenigen [vor 200 Jahren hatten in Europa über 90 % aller Menschen in der Regel kein Fleisch zum Essen], dann das häufige Fleischessen in teuren Restaurants von vielen und heute das tägliche Fleischessen von fast allen Leuten.

    Zudem essen wir heute fast nur noch die besseren Stücke der geschlachteten Tiere, der andere Teil wird weggeworfen.
    Für 1 kg Rindfleisch braucht es rund 33 Quadratmeter landwirtschaftliche Bodenfläche, für 1 kg Kartoffeln dagegen nur 0.3 Quadratmeter.

    Der Fischkonsum pro Kopf hat sich weltweit seit 1960 verdoppelt. 

    Fleischatlas - Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique. 2018.

  • Grosser Wohnraum
    Seit jeher gilt grosser Wohnraum als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Schlösser von wenigen, dann die grossen Villen von einigen, das Eigenheim von vielen und heute die grossen Wohnungen von fast allen Leuten.

    Die Wohnfläche pro Einwohner z.B. in Deutschland hat sich in weniger als 50 Jahren von 26 auf 46 Quadratmeter im Jahr 2014 fast verdoppelt [ähnliche Entwicklungen gibt es auch in andern Ländern]. Und dabei wird rund ein Drittel des beanspruchten Wohnraums nicht oder kaum genutzt.

    Das bedeutet eine grosse Zunahme an Energieverbrauch beim Heizen und ein grosser Folgekonsum wie dem Kauf von Möbeln und vielen zusätzlichen Wohnungseinrichtungen.

Alle drei Statussymbole haben grosse Auswirkungen auf unsere Umwelt.

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3. Saubere und effiziente Technologien einsetzen

© art4all | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Die Auswirkungen durch unseren stetig wachsenden Konsum und das Bevölkerungswachstum können nur teilweise mit technologischen Lösungen kompensiert werden.

Wir brauchen jetzt beides: 

  • die rasche Umsetzung von sauberer Technologie
  • und die nachhaltige Lebensweise von uns in den reichen Ländern. 

Nur so können wir die Schieflage unseres Planeten korrigieren.

© Macrovector | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Die Politik ist gefordert. Sie muss die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft festlegen und durchsetzen.

Die Politik kann aber ihre Verantwortung oft kaum noch wahrnehmen, da sie den immer rascheren technologischen Entwicklungen wie z.B. der Digitalisierung und der Eigendynamik der Wirtschaft mit dem immer mächtigeren globalen Finanzsektor weit hinterher hinkt.

Zudem sind noch viele Politiker der Ansicht, der freie Wettbewerb und der freie Markt seien die besten Instrumente für die Wirtschaft und zur Lösung der grossen Probleme unserer weltweiten - ökologischen und sozialen - Krise.

Das massive Lobbying von mächtigen Wirtschaftsvertretern mit ihren Einzelinteressen in unseren Parlamenten verhindert noch allzu oft, Massnahmen für ein nachhaltiges Wirtschaften einzuleiten. Es wird dann auf Freiwilligkeit der Akteure gesetzt und damit viel wertvolle Zeit verloren. 

Es dürfen zudem umweltschädliche Aktivitäten unserer Wirtschaft nicht mehr länger mit dem Argument der Arbeitsplatzerhaltung am Leben erhalten bleiben.

© Castlesk | Shutterstock, Inc. [US] 2019 

Unser Entscheid

Wir Menschen in den reichen Ländern können und müssen uns entscheiden: 

  • wollen wir weitermachen wie bisher oder
  • wollen wir unseren überbordenden Konsum drosseln?

Es braucht jetzt verantwortungsvolle und engagierte Menschen, die aus freien Stücken anfangen nachhaltig zu leben. Sie zeigen uns Anderen wie ein nachhaltiges Leben - ganz ohne Lebensqualität einzubüssen - auch in der modernen Gesellschaft möglich ist. 

Wir können allerdings nicht einfach zuwarten, bis wir in der Mehrheit unser Verhalten freiwillig ändern. Das dauert zu lange angesichts der bedrohten Lebensgrundlage von uns Menschen. 

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Die Politik muss Rahmenbedingungen festlegen, 

  • damit unser Wirtschaftssystem sich von der reinen Wachstumsstrategie verabschiedet und prioritär auf eine Nachhaltigkeitsstrategie setzt und
  • damit nachhaltig leben für uns alle im täglichen Alltag praktisch, einfach und bequem wird.

Die Politik muss Sofortmassnahmen ergreifen wie z.B.:

  • griffige Gesetze erlassen, damit der CO2 - Ausstoss bis im Jahr 2050 gegen Null reduziert wird.
  • staatliche Subventionen für Ressourcenverbrauch stoppen.
    Die fossilen Brennstoffe z.B. werden weltweit mit dem unvorstellbaren Betrag in der Höhe von 6.5 % des globalen Bruttoinlandprodukts BIP [= gesamte globale Wirtschaftsleistung] subventioniert. 

    Quelle: Internationaler Währungsfond IWF, Studie 2015  

    Der Preis für Kerosin z.B. wird in vielen Ländern mit Subventionen in Milliardenhöhe künstlich verbilligt. Ohne diese und weitere Subventionen wäre aber kaum eine Fluggesellschaft auf der Welt - nach rein ökonomischen Kriterien bemessen - überlebensfähig.
  • das Verursacherprinzip generell anwenden. 
    Das Verursacherprinzip ist ein umweltrechtlicher Grundsatz, welcher besagt, dass die Kosten von Massnahmen zum Schutz der Umwelt von den Verursachern zu tragen sind. Wer der Umwelt Schaden zuführt, muss dafür aufkommen. 

  © Lisa S. | Shutterstock, Inc. [US] 2018 
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