Nachhaltig leben

8. Machen wir uns nichts vor

© Sasin Paraksa | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Wir wohlhabenden Menschen leben gerne nach dem Motto: 

Bio-Gemüse kaufen und um die Welt jetten. 

«Wenn im Mittelpunkt des Reisens kulturelle Begegnungen stehen, sollen alle Menschen gerne reisen. Dann aber in anderer Form. Länger am Ort bleiben, um wirklich mit einer Kultur in Kontakt zu kommen. 

Das Schlimme ist der kurze Flug für einen Tag nach Paris, dann drei Wochen nach Thailand. Das sind in erster Linie Konsumerlebnisse und damit Teile einer wirtschaftlichen und nicht einer kulturellen Globalisierung. 

Diese Konsumreisen werden wir uns aus ökologischen Gründen auf Dauer nicht leisten können...» 
Aus dem Interview mit Umweltpsychologe Marcel Hunecke. Tages-Anzeiger, 05.02.2019.


Beispiel 1
Ressourcenverbrauch

Der Ressourcenverbrauch von Menschen mit hohem Umweltbewusstsein und guter Bildung liegt oft weit über dem Durchschnitt. Der Grund ist wohl ein meist höheres Einkommen. 
Repräsentative Erhebung von Pro-Kopf-Verbräuchen natürlicher Ressourcen in Deutschland. Umweltbundesamt, 2016.


Beispiel 2
CO2 - Ausstoss global

Wie sieht es aus beim aktuellen Klimaschutz - bei der angestrebten globalen Reduktion des CO2-Ausstosses zur Verhinderung einer grossen Erderwärmung? 

Eine Reduktion findet [noch] nicht statt, die globalen Treibhausgas-Emissionen steigen weiter an. Der globale CO2-Ausstoss erreichte 2018 ein Rekordhoch.

Welche Kräfte sind aktuell im Spiel? 
Die Heuchelei der fossilen Industrie. 2018

Quelle: International Energy Agency/Global Carbon Project 2018 

Beispiel 3
CO2 - Ausstoss der Schweiz

Der CO2 - Ausstoss in der Schweiz beträgt 4.5 Tonnen pro Kopf und Jahr. Wird aber der im Ausland verursachte CO2 - Ausstoss dazugerechnet, sind es dreimal mehr, nämlich 14 Tonnen pro Kopf und Jahr. 

© Daniilantiq | Shutterstock, Inc. [US] 2019   

Das Schweizerische Bundesamtes für Umwelt zeigte in «Kohlenstoffrisiken: Erste Studie für den Finanzplatz Schweiz» [2015] auf, dass der Schweizer Aktienfondsmarkt Emissionen von gut 52 Millionen Tonnen CO2 - Äquivalente im Ausland finanziert. Dies entspricht in etwa dem gesamten CO2 - Ausstoss in der Schweiz von einem Jahr.


Beispiel 4
Autoverkehr

Wir kaufen ein «umweltfreundliches» Auto, das weniger Benzin verbraucht. Das ist gut so! Aber: Mit dem Kauf eines immer grösseren Autos und dem vermehrten Autofahren wird der gute Effekt für unsere Natur gleich wieder zunichte gemacht. 

© Grisha Bruev | Shutterstock, Inc. [US] 2019  


Beispiel 5

Flugverkehr

Wir steigen immer mehr ins Flugzeug. Global betrachtet war das Jahr 2017 ein Rekordjahr. Erstmals sind über 4 Milliarden Passagiere transportiert worden. Tendenz steigend. In nur 10 Jahren - seit 2006 - hat sich die Anzahl Flugpassagiere damit beinahe verdoppelt. 

Die Prognosen der Europäischen Union gehen davon aus, dass der internationale Flugverkehr bis ins Jahr 2050 ums Siebenfache zunehmen wird und die Emissionen sollen um den Faktor 4 ansteigen.

Vergessen wir aber nicht:
Mehr als 90 Prozent aller Menschen auf der Welt sind noch nie in ein Flugzeug gestiegen.

© Pixabay 2018

Faustregel: 

Fliegen Sie nur, wenn Sie pro Flugstunde mindestens eine Woche am Zielort verbringen.

Beispiel 6 
Abfall 

Wir in der Schweiz z.B. recyceln gut 50 Prozent unseres Abfalls. Das ist gut so! Aber: Gleichzeitig ist der gesamte Abfall [der rezyklierte und in die Müllverbrennung/Deponie gelangende Abfall] aus dem Haushalt von uns allen stetig angestiegen.

© Paperboat | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die ersten beiden Zielsetzungen, nämlich Abfall vermeiden und die Dinge wiederverwenden sind wir bisher kaum angegangen. 

Denn nur die drittbeste Massnahme - das Recycling - erlaubt uns, wie bisher und ungebremst weiter zu konsumieren.

Nicht der Abfall, sondern unser Konsumverhalten ist das Hauptproblem.


Beispiel 7
Landwirtschaft

Die Bauern in der Schweiz zum Beispiel - ursprünglich naturnah wirtschaftend - setzen heute mit der intensiven, industriellen Produktionsweise die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und 
die Fruchtbarkeit der Ackerböden 
mittelfristig und leichtfertig aufs Spiel. Einher geht in den vergangenen Jahren ein rasanter 
Abbau der Artenvielfalt.

© oticki | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Nicht genug: Um den riesigen Viehbestand in der Schweiz mästen zu können, wird im Ausland für den Import von Futtermitteln zusätzlich eine Ackerfläche 2/3 mal so gross wie die Ackerfläche im Inland beansprucht! 

Greenpeace Schweiz - Vision für die Schweizer Landwirtschaft.

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