Kurzfassung

Die neue Herausforderung mit grossen Chancen für uns alle.

Die Umwelt und das Klima müssen umfassend geschützt werden. Das gelingt nur dann, wenn wir uns zu einem nachhaltigen Leben aufmachen.


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Wir haben lange Zeit

  • die Auswirkungen des technologischen Fortschritts nicht beachtet,
  • die Folgen des stetigen Wachstums ausgeblendet,
  • die Anweisung «mehret euch und macht euch die Welt untertan» befolgt,
  • das «Haben» vor das «Sein» gestellt,
  • das Denken beibehalten, als lebten immer noch so wenige Menschen auf unserer Erde wie vor 200 Jahren. 

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«Die menschliche Fähigkeit, zu handeln, hat die Fähigkeit, zu verstehen, weit übertroffen. 
Daraus erwachsen für die Zivilisation reihenweise Probleme, ausgelöst durch Überbevölkerung, Überkonsum der Reichen, Einsatz umweltschädlicher Technologien und schlimme Ungleichheiten
Blue Planet Prize Laureates, Gro Harlem Brundtland u.a. - Environment and Development Challenges:
The Imperative to Act. 2012

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Wir werden in wenigen Jahrzehnten 10 bis 12'000 Millionen Menschen auf der Erde sein.

Vor 200 Jahren waren es gerade mal 900 Millionen Menschen.

Wir handeln und leben, als wären wir immer noch so wenige Menschen auf der Welt wie vor zweihundert Jahren.

Wir konsumieren und plündern die Erde, als gäbe es keine Menschen nach uns.

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Wir stossen mit unserem stetig wachsenden Konsum, dem Ressourcenverbrauch und dem globalen Bevölkerungswachstum an die ökologischen Grenzen der Erde und gefährden unsere Lebensgrundlage.

«Wenn wir die Natur besiegt haben, werden wir uns auf der Verliererseite wiederfinden.» 
Zitat von Konrad Lorenz, Biologe und Nobelpreisträger.

Vergessen wir in diesem Zusammenhang nicht: Nur 15 - 20 % der Weltbevölkerung, hauptsächlich in den reichen Ländern, haben einen Anteil von rund 80 % am gesamten globalen Ressourcenverbrauch.

Und die reichsten 10 Prozent verursachen die Hälfte aller weltweit klimaschädigenden CO2-Emissionen.

Die Illustration zeigt die Grössenordnung, exakte Daten dazu gibt es nicht.

Die Industriestaaten haben damit auch den Grossteil der globalen Umweltbelastungen in den letzten Jahrzehnten zu verantworten.

Die Fakten zeigen klar,

  • wir Menschen leben heute auf Kosten kommender Generationen,
  • die Nachkommen werden einen grossen Preis für unsere verantwortungslose und kurzsichtige Übernutzung des Planeten Erde zu zahlen haben, 
  • sie werden mit gravierenden Einschränkungen zu leben haben.

Unsere heutige Lebensweise in den reichen Ländern ist nicht nachhaltig und deshalb auch keine Option mehr für die zukünftigen Menschen auf unserer Erde. 

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Die weltweite Umweltverschmutzung nimmt ein bedrohliches Ausmass an.

Wir erleben überall auf der Welt einen schleichenden Verlust unserer Lebensgrundlagen.

Wir wissen zudem nicht, ob die durch unsere Umweltverschmutzung verursachten Veränderungen auf der Erde weiterhin allmählich voranschreiten oder ob einzelne Systeme wie z.B. das Klima oder der Golfstrom im Atlantik plötzlich und unvorhergesehen kippen. 

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«Notsituation» Klima

30 Jahre lang haben wir die Forschungsergebnisse der Wissenschaft und ihre Prognosen zum Klimawandel ignoriert.

Jetzt haben wir die Gewissheit, dass der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auch auf uns Menschen nicht mehr aufzuhalten ist.

Wenn wir heute handeln und bis 2050 den CO- Ausstoss durch fossile Brennstoffe weltweit gegen null reduzieren, können wir das Schlimmste noch verhindern.

Voraussichtlich schon bald werden wir mit einem feindlichen Klima konfrontiert sein. Millionen von Menschen weltweit werden ihre Heimat verlassen müssen, weil diese überflutet oder durch lang andauernde Trockenheit nicht mehr bewohnbar ist.

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Die Menschheit geht wohl kaum demnächst unter, wie uns so viele Schwarzmaler weismachen wollen. Es drängt sich uns aber die Frage auf:

Haben die Menschen nach uns noch eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben in einer Welt, wie wir sie ihnen hinterlassen?

Ein menschenwürdiges Leben bedeutet in keiner Weise ein Leben in stetig wachsendem, materiellem Wohlstand wie heute in den reichen Ländern.  

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Die Basis für ein menschenwürdiges Leben sind aber ausreichend Nahrung, genügend Wohnraum, Möglichkeiten zur Bildung, eine sinnvolle Arbeit, medizinische Versorgung, Altersvorsorge und ausreichend natürlicher Lebensraum.

Denken wir daran: In etwa so viele Menschen auf der Welt wie dreimal die gesamte Bevölkerung Europas haben gegenwärtig keine Aussicht auf ein wirklich menschenwürdiges Leben.


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Wir müssen Umwelt und Klima umfassend schützen.

Wir verursachen gegenwärtig - was die Umwelt betrifft - wahrscheinlich mehr neue Probleme, als wir bestehende Probleme zu lösen vermögen.

Ein vieldiskutiertes Konzept in der Wissenschaft benennt neun Planetary Boundaries - neun rote Linien.

Überschreiten wir diese roten Linien, könnten abrupte oder irreversible Umweltveränderungen eintreten.

Überschreiten wir sie nicht, kann sich die Menschheit weiterentwickeln und gut gedeihen über Generationen hinweg.

Vier der neun roten Linien haben wir bereits überschritten - [rot markiert]

  1. Klimawandel
  2. Veränderung der Integrität von Biosphären [Verlust an Biodiversität und Artensterben]
  3. Abbau der Ozonschicht
  4. Versauerung der Meere
  5. Biogeochemische Kreisläufe [Phosphor- und Stickstoff]
  6. Veränderung von Ökosystemen [z.B. Abholzung]
  7. Nutzung von Süsswasser
  8. Belastung der Atmosphäre mit mikroskopisch kleinen Teilchen [Aerosole, beeinflussen Klima + Lebewesen]
  9. Eintrag neuartiger Substanzen in die Umwelt [organische Schadstoffe, radioaktive Stoffe, Nanoteilchen und Mikroplastik]

Quelle: Stockholm Resilience Centre  
 

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Unser Dilemma

Unser Dilemma ist, dass wir in einer endlichen Welt leben, uns aber verhalten, als wäre sie unerschöpflich.

Mit Blick auf unser Konsumverhalten und eine nachhaltige Entwicklung sind die reichen Länder der Welt heute gleichsam «Entwicklungsländer».

Der stetig ansteigende Konsum von uns allen ist der Motor, der das Wachstum der Wirtschaft antreibt. 

Dies wiederum hat weltweit grosse Umweltbelastungen mit teils irreversiblen Schäden zur Folge.


Wir müssen deshalb 
das Wachstumsdilemma anpacken,
das da lautet:

Das Wachstum unserer heutigen Wirtschaft aufgeben bedeutet das Risiko eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs.

Das Wachstum beibehalten bedeutet das Risiko der Zerstörung globaler Ökosysteme, die unsere Lebensgrundlage sind.

Es ist klar, dass es darauf keine einfachen Antworten gibt - keine Antwort, die vorgeschlagen werden könnte, ohne gleichzeitig eine umfassende Änderung der Art und Weise, wie wir denken, arbeiten und unser Leben ausrichten, vorzuschlagen.
 

1. Tim Jackson. Wohlstand ohne Wachstum - Das Update. Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft. 2016.
 2. David Fleming. Surviving the Future: Culture, Carnival and Capital in the Aftermath of the Market Economy. 2016.

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Die konventionelle Reaktion auf das Wachstumsdilemma ist
der
Ruf nach Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch, also auch von den Umweltauswirkungen.

Erreicht werden soll die Entkopplung mit effizienteren Produktionsprozessen, «nachhaltigen Gütern und Dienstleistungen», «Intelligentem Wachstum», «Grünem Wachstum» und «Nachhaltigem Wachstum».

Unsere derzeitigen Anstrengungen zur Entkopplung bewirken zwar einen leicht kleineren Anstieg des Ressourcenverbrauchs beim heutigen Wirtschaftswachstum [relative Entkopplung].

Was wir aber mittelfristig brauchen, wenn wir das Wirtschaftswachstum beibehalten, ist mindestens kein weiterer Anstieg des Ressourcenverbrauchs bei fortgesetztem Wirtschaftswachstum [absolute Entkopplung]. 

Die bisherigen Ergebnisse lassen kaum Optimismus aufkommen, denn der Ressourcenverbrauch steigt weiter sehr stark an.

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Deshalb braucht es eine doppelte Entkopplung: 
Die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch und die Entkopplung der Lebensqualität vom Wirtschaftswachstum.

«Es müssen zwei unterschiedliche Entkopplungsaufgaben verfolgt werden:
Entkopplung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen von nicht nachhaltigem Naturverbrauch und Entkopplung der Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse vom Imperativ zu immer mehr Konsum».

Maja Göpel. 2016. The Great Mindshift.  

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Wir stehen heute also vor der Herkulesaufgabe
die grundlegenden Bedürfnisse von bald 10 Milliarden Menschen weltweit zu befriedigen 
und gleichzeitig die ökologischen Grenzen unserer Erde einzuhalten. 

Der grosse Trugschluss der Umweltdebatte in den letzten 30 Jahren war die Hoffnung, dass sich eine ökologische Wende im Wesentlichen mit einem technologischen Innovationsprogramm in der bestehenden Wirtschaftsordnung umsetzen lässt.

Die anhaltende beeindruckende Wohlstandsentwicklung hat weder die Klimabelastung noch die Ressourcenverbräuche oder den Verlust der Biodiversität bremsen können - im Gegenteil, all diese Belastungen haben sich massiv verschäft.
Uwe Schneidewind. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

Als gesichert gilt, dass die gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweisen einen umfassenden und tiefen Eingriff in verschiedene Ökosysteme darstellen.

Zukünftigen Generationen und anderen Lebewesen drohen daher drastische und irreversible Nachteile.

Der bisherigen Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik ist es bisher bei weitem nicht gelungen, eine hinreichend starke Reduktion der ökologischen Belastungen zu erreichen.
Gesellschaftliches Wohlergehen innerhalb planetaren Grenzen, Texte 89/2018 im Auftrag des Umweltbundesamt. 

Wir brauchen dringend eine klare Vision, eine mutige Politik und eine wirklich robuste Strategie, um den Ausweg aus dem Wachstumsdilemma zu finden. 

© Avivi Aharon | Shutterstock, Inc. [US] 2018 
 

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Wir alle sind aufgerufen, uns auf den Weg zu einem nachhaltigen Leben aufzumachen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, aber oft nur vage verstanden.

Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.
Brundtland-Bericht - Our Common Future, Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987

Nachhaltigkeit ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.
Duden

Nachhaltigkeit bedeutet - auf eine prägnante Formel gebracht - gutes Leben für rund zehn Milliarden Menschen innerhalb der ökologischen Grenzen auf unserem Planeten.
Uwe Schneidewind. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

So einfach diese Definitionen auch lauten, so schwer ist es, ein einheitliches, gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit zu erlangen. 

Ohne ein solches gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit ist aber die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft kaum zu bewältigen.

Eine nachhaltige Entwicklung ist der vielversprechende Weg, der uns aus der heutigen - ökologischen und sozialen - globalen Krise in die Zukunft führt.

Einen Masterplan, wie wir die Transformation unserer heutigen Gesellschaft mit ihrer immerwährenden Expansion hin zu einer nachhaltigen Entwicklung schaffen, gibt es nicht.

Und wie eine zukünftige und nachhaltige Gesellschaft aussehen wird, wissen wir auch nicht.

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Nachhaltige Entwicklung
Was können wir tun?

  • Wirtschaft nachhaltig ausrichten.
  • Ungleichgewicht zwischen armen und reichen Ländern verkleinern.
  • Wachstum der globalen Bevölkerung stoppen.
  • Konsum zurückfahren.
  • Saubere und effiziente Technologie anwenden..
  • Digitalisierung in den Dienst der globalen Nachhaltigkeit stellen.

© Dirk Ercken | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Die konkreten Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung sind zur Hauptsache folgende Neuausrichtungen, die alle eng miteinander verknüpft sind:
Quelle: Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschafter. Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

  • Wohlstands- und Konsumwende
    Die Frage ist, wie Suffizienz - eine «Kultur des Genug» - möglich ist und wie die Ausbildung einer solchen Kultur mit Rahmenbedingen von der Politik unterstützt werden kann
  • Energiewende
    Das Ziel der Energiewende ist nur dann zu erreichen, wenn die Umstellung auf erneuerbare Energie zusammengeht mit einer Energiesuffizienz und einer Energieeffizienz.
  • Ressourcenwende
    Nur wenn der Ressourcenverbrauch pro Kopf um den Faktor 4 bis 5 reduziert wird, bleibt die Menschheit langfristig innerhalb der planetaren Grenzen.
  • Mobilitätswende
    Die Mobilitätswende ist eng mit der Energiewende und der Ressourcenwende verknüpft und braucht damit mehr als nur technologische Entwicklungen. 
  • Ernährungswende
    Die heutige Nahrungsmittelproduktion ist für einen wichtigen Anteil der globalen Ressourcen- und CO2 - Belastungen verantwortlich. 30 % der konsumbedingten Umweltbelastungen in Europa werden durch unser Essverhalten verursacht. Der Konsum von Fleisch und Fisch muss markant reduziert werden. 
  • Urbane Wende
    Mitte dieses Jahrhunderts werden rund 80 % aller Menschen weltweit in Städten leben. Für die nachhaltige Entwicklung insgesamt ist die Art und Weise der Stadtentwicklung deshalb von zentraler Bedeutung. 
  • Industrielle Wende
    Zwei Ziele sind hier vorrangig: Die Decarbonisierung [CO2 - Ausstoss stoppen] und die Kreislaufwirtschaft. Dazu braucht es technologische Innovation, Kooperation und eine innovative politische Rahmensetzung.

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Nachhaltig leben
Wie mache ich den ersten entscheidenden Schritt?
 

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  • Zusätzlich zu meinem täglichen Grundbedarf nur das konsumieren, was mir einen echten Mehrwert bringt.
  • Weniger ins Auto und ins Flugzeug sitzen.
  • Weniger Fleisch essen.
  • Weniger heizen und weniger Wohnraum beanspruchen.
  • Meinen Lebensstil auf eine gute Balance zwischen Qualität und Quantität ausrichten.
  • Mir die hochaktuelle Frage stellen: Haben oder Sein?
  • Mehr auf die Umwelt achten:
Zum Beispiel mit
Klimatipps von myblueplanet 
Green eco tips for a sustainable lifestyle Global Stewards 
Umwelttipps von Umwelt Bundesamt Deutschland 
Umwelttipps von WWF Schweiz 
Green tips for a cleaner environment WWF 

Mein ganz persönlicher Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, und sei er noch so klein, erzielt zusammen mit dem Beitrag aller anderen aktiven Menschen eine grosse Wirkung.

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Nachhaltig leben
Mein dreifacher Nutzen.

1. Ich richte das Leben besser auf meinen Bedarf aus.
2. Ich belaste unsere Umwelt weniger.
3.Ich spare Geld und gewinne Zeit zu leben.

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Nachhaltig leben
wofür? 

Für unsere Kinder und Enkelkinder und alle zukünftigen Menschen.

Am Ende des Jahrhunderts könnten auch unsere Kinder und Enkelkinder mit einem feindlichen Klima konfrontiert sein, mit erschöpften Ressourcen, zerstörten Lebensräumen, grossem Artensterben, Nahrungsmittelknappheit, Massenmigration und - fast unausweichlich - mit Krieg.

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Also stehen wir wohl fraglos in der Pflicht, unseren Lebensstil jetzt zu ändern.


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