Klimaschutz jetzt! – aber Klimaschutz allein reicht nicht aus

10.11.2019

Nicht erst mit Greta Thunberg oder den Fridays for Future ist klar: Wir müssen die Grenzen unseres Planeten respektieren. Nachhaltige Entwicklung ist mehr als Umwelt- und Klimaschutz. Sie ist Gestaltungsprinzip unserer Welt und begreift Umwelt, Wirtschaft und Soziales als gleichwertig und vernetzt.

2015 haben 196 Staaten mit dem Klimaschutzabkommen von Paris vereinbart, die durchschnittliche globale Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, wobei ein maximaler Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius angestrebt wird.

Im gleichen Jahr unterzeichneten 169 Staaten mit der Agenda 2030 17 Nachhaltigkeitsziele, die der Weltpolitik die Richtung für eine nachhaltige Entwicklung geben sollen.

Doch obwohl bereits fast ein Drittel der Zeit für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele bis 2030 verstrichen ist, kennen diese nur wenige Leute. Lediglich zehn Prozent der Bevölkerung können mit dem Begriff Nachhaltigkeit etwas anfangen.

Noch sind wir nicht auf einen nachhaltigen Weg eingeschwenkt. Auch «Blaming and Shaming» täuschen nicht darüber hinweg, dass z.B. Fluggesellschaften in aller Welt heute so viele Menschen wie nie befördern - über 4 Milliarden Passagiere pro Jahr. In diesem Zusammenhang ist zu erinnern, dass mehr als 90 Prozent aller Menschen auf der Welt noch nie in ein Flugzeug gestiegen sind.

Auch der Flughafen Zürich hat im vergangenen Jahr einen neuen Passagierrekord erzielt. Über 31 Millionen Passagiere und damit fast 6 % mehr als im Vorjahr flogen 2018 über den Flughafen Zürich. Tendenz steigend.

Zwar ist das Hauptanliegen von uns Klimaschützer, die Reduzierung des CO2-Austoßes, richtig. Doch allein die Zahlen zum Flugverkehr legen nahe, dass für eine nachhaltige Entwicklung ein umfassenderer Ansatz nötig ist. Und somit ist es mit Klimaschutz allein nicht getan.

Immerhin fanden im Abschlusscommuniqué des diesjährigen G20-Gipfels die Agenda 2030 und das Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung Eingang. Für die Nachhaltigkeitswende wird allerdings mehr Einsatz nötig sein. Das unterstreicht die magere Zwischenbilanz beim diesjährigen UNO-Nachhaltigkeitsgipfel im September in New York.

Mit dem jetzigen Tempo werden es selbst die fortschrittlichsten Länder im Norden von Europa nicht schaffen, bis 2030 die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Vor allem das Konsumverhalten der reichen Industrieländer [SDG 12] ist Gegenstand der Kritik. Die UNO warnten, dass ohne eine bessere Performance der G20, die für 75 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich zeichnen, die Agenda scheitern werde.

Schätzungen, wonach die Weltbevölkerung bis 2050 von 7,1 auf 9,7 Milliarden ansteigt, werden die Menschen und den Planeten vor immense Herausforderungen stellen. Asiens Aufstieg wird zweifelsohne auch zu höherer Energienachfrage, mehr Konsum und Produktion führen. Dies könnte die bei uns erreichten Fortschritte beim Klimaschutz - global betrachtet - zunichtemachen.



Jetzt wurde ein «Green New Deal» gefordert, um die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. Für den Übergang zu einem ressourcen- und umweltschonenden Wirtschaftsmodell ist aber viel Kapital nötig. Deshalb geht es darum, den Finanzsektor insgesamt auf Nachhaltigkeit auszurichten. Dazu hat die Europäische Kommission kürzlich erste Rechtsvorschriften vorgelegt, die sich jetzt in der Abstimmung befinden. Es gilt, den Nachhaltigkeitszielen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn sie sind der Motor für Transformation und Innovation.

Dafür ist eine öffentliche Diskussion über einen breiten Ansatz von Nachhaltigkeit nötig. Das ist keine rückwärtsgewandte «Öko-Agenda», sondern es sind überfällige Reformen für wirtschaftliche Transformation, Klimaschutz und Innovation, damit wir weiterhin, aber künftig auch die anderen Menschen auf unserer Erde gut leben können.

Quellen u.a.: Sabina Wölkner. Agenda 2030: Mut zur Nachhaltigkeit! Konrad Adenauerstiftung. 16. September 2019

Ulrich Brunner www.sustainability-yes.ch November 2019