Nachhaltig leben

4. Was bedeutet Nachhaltigkeit?

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Nachhaltigkeit ist in aller Munde, aber oft nur vage verstanden. 

Definition

Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. 
Brundtland-Bericht - Our Common Future, Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987

Nachhaltigkeit [Ökologie] ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. 
Duden

Nachhaltigkeit bedeutet - auf eine prägnante Formel gebracht - gutes Leben für rund zehn Milliarden Menschen innerhalb der ökologischen Grenzen auf unserem Planeten.

Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung ist eine systematische Erweiterung der Menschenrechte, indem sie allen Menschen auf diesem Planeten sowie auch zukünftigen Generationen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen möchte.
Uwe Schneidewind. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

So einfach diese Definitionen auch lauten, so schwer ist es, ein einheitliches, gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit zu erlangen. 

Ohne ein solches gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit ist aber die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft kaum zu bewältigen. 

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Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung wird unweigerlich mit einem Strukturwandel verbunden sein, der Gewinner und zumindest übergangsweise auch Verlierer kennt.

Insofern gilt es neben der Wirksamkeit und Effizienz umweltpolitischer Maßnahmen auch die damit verbundenen Verteilungseffekte zu berücksichtigen. Fragen der Gerechtigkeit sind damit als dritter zentraler Maßstab für umweltpolitische Maßnahmen ernst zu nehmen, um deren Legitimität und Zustimmung zu sichern.
Konrad Adenauer Stiftung Nr. 310/August 2018: Verantwortliche Umweltpolitik - ökologisch wirksam und sozial gerecht.

Nachhaltig wirtschaften

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Schon vorher an nachher denken. 

Die Kreislaufwirtschaft ist eines der zielführenden, aber heute noch viel zu wenig umgesetzten Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens. 

In der Kreislaufwirtschaft werden der Ressourceneinsatz, die Abfallproduktion, die Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schliessen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert. 

Die Produkte sollten von Anfang an so entwickelt werden, dass nach Gebrauch die Rohstoffe ohne Qualitätsverlust extrahiert und weiterverwendet oder ohne schädliche Wirkung auf Mensch und Umwelt in den biologischen Kreislauf zurückgespeist werden können.

Diese Art zu wirtschaften hat herausragende Bedeutung für unsere Zukunft, angesichts der derzeitigen Übernutzung und Verschwendung von Material- und Energieressourcen weltweit. 

«Die globale Nutzung von Materialien beschleunigt sich. Sie hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht. Die Weltwirtschaft ist aktuell aber nur zu 9 % zirkulär. Nur 9 % der 92,8 Milliarden Tonnen Material, die in die Wirtschaft gelangen, werden jährlich wiederverwendet». 
The Circularity Gap Report 2019   

Eine Nachhaltige Entwicklung ist ohne eine konsequente Kreislaufwirtschaft kaum vorstellbar. Doch die Abkehr von der überwiegend linearen Wirtschaftsweise erfordert viele politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Weichenstellungen.

Leitsätze einer Kreislaufwirtschaft 
Umweltbundesamt  Deutschland 2020 

Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft 
Europäische Kommission 2020


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Kritische Entwicklungen frühzeitig wahrnehmen. 

Das Vorsorgeprinzip ist wohl eine der effektivsten Art und Weise, unsere Umwelt nachhaltig zu schützen. 

Kritische Entwicklungen werden dabei frühzeitig korrigiert, d.h. es werden bereits in einer frühen Phase erste Massnahmen gegen mögliche, kritische Entwicklungen ergriffen, auch wenn die Wissenschaft noch keine definitiven Beweise hat, was genau und wann sich etwas ereignen wird. 

Dem Vorsorgeprinzip kommt eine immer grössere Bedeutung zu, da wir heute - was die Umwelt betrifft - wahrscheinlich mehr neue Probleme verursachen, als wir bestehende Probleme zu lösen vermögen. 

Das Vorsorgeprinzip 
Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments 2015

Vorsorgen und solidarisch sein


Nachhaltig leben heisst für uns Menschen in den reichen Ländern unter anderem,

1. Vorsorgen für die zukünftigen Menschen auf unserer Erde. 

2. Solidarisch sein mit den anderen Menschen auf der Welt.

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Sorgen wir heute vor? - Wohl kaum.
Wenn es ums Handeln geht, ist der Umwelt- und Klimaschutz bei der ganz grossen Mehrheit von uns noch nicht angekommen.

Sind wir heute solidarisch? - Wohl kaum.
Rund 20 % der Weltbevölkerung, hauptsächlich in den reichen Ländern, haben einen Anteil von rund 80 % am gesamten globalen Ressourcen-Verbrauch.

Die Illustration zeigt die Grössenordnung, exakte Daten dazu gibt es nicht.

Auch der Energieverbrauch pro Kopf zeigt weltweit grosse Unterschiede.


Die führenden Industrie- und Schwellenländer der G-20 sind für rund 80 Prozent des Treibhausgas-Ausstosses verantwortlich.  

Diese Länder haben auch den Grossteil der globalen Umweltbelastungen in den letzten Jahrzehnten zu verantworten.

Zum Beispiel die Schweiz und ihr ökologischer Fussabdruck 

Die Schweizer Bevölkerung hat bereits am 8. Mai mehr natürliche Ressourcen verbraucht, als ihr für das ganze Jahr 2020 zustehen. 

Wenn alle Menschen auf der Welt leben würden wie wir Schweizer, dann bräuchten wir drei Planeten so gross wie unsere Erde. 
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Earth Overshoot Day

Dieser Tag markiert das Datum, an dem wir - die gesamte Menschheit - mehr von der Natur gebraucht haben, als unser Planet im ganzen Jahr erneuern kann.

2019: 29. Juli
2000: 23. September 
1985: 04. November
1970: 
29. Dezember
Quelle: Earth Overshoot Day

Die 8-Tonnen-Gesellschaft

Der durchschnittliche Ressourcen-Verbrauch pro Kopf und Jahr liegt heute z.B. in Deutschland bei rund 33 - 40 Tonnen. Für einen wirklich nachhaltigen Lebensstil müsste der Ressourcenverbrauch aber auf 8 Tonnen reduziert werden.

Meinen eigenen Ressourcen-Verbrauch berechnen:

© Aleutie | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die Fakten zeigen klar,

  • wir Menschen leben heute auf Kosten kommender Generationen,
  • die Nachkommen werden vermutlich einen grossen Preis für unsere Übernutzung und Verschmutzung des Planeten Erde zu zahlen haben, 
  • sie werden allenfalls mit gravierenden Einschränkungen zu leben haben.

Unsere heutige Lebensweise in den reichen Ländern ist nicht nachhaltig und deshalb auch keine Option mehr für die zukünftigen Menschen.

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Nachhaltigkeit global

Das Jahr 2015 - Meilenstein für eine globale Nachhaltigkeit?


  1. Päpstliche Enzyklika Laudato Sì
    Juni 2015
    Papst Franziskus verkündet seine Sicht der Welt. Im Zentrum steht die Verwundbarkeit der Schöpfung.

    Laudato Si' von Papst Franziskus - Über die Sorge für das gemeinsame Haus.


  2. Agenda 2030 der UNO
    September 2015
    169 Staaten unterzeichnen 17 Nachhaltigkeitsziele, die der Weltpolitik die Richtung für eine nachhaltige Entwicklung geben sollen.
    UNO - Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

  3. Klimaschutzabkommen von Paris
    Dezember 2015
    196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der UNO vereinbaren das Ziel, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.
    UNO - 
    Übereinkommen von Paris

Transformation unserer Welt - die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele sollen der Weltpolitik die Richtung für eine nachhaltige Entwicklung geben.

Das heisst, dass alle Staaten gleichermassen aufgefordert sind, die drängenden Herausforderungen der Welt gemeinsam zu lösen. 

Die Menschen sollen bis 2030 - überall auf der Welt - über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung verfügen.


Die 17 Ziele

Konrad Adenauer Stiftung, 2019

Die Ziele stehen also fest. Wir wissen aber aktuell nicht, unter welchen  Bedingungen es der Menschheit gelingen kann, die Massnahmen zur Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele global auch wirklich umzusetzen.

Auch heute noch sind wir mutmasslich deutlich besser darin, die sozialen Folgen des Klimawandels zu verstehen als die sozialen Bedingungen dafür, ihn zu begrenzen. 
Christian Berg. 2020. Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln.

Nachhaltige Entwicklung ist mehr als Umwelt- und Klimaschutz. Nachhaltige Entwicklung begreift Umwelt, Wirtschaft und Soziales als gleichwertig und vernetzt.

© Dusit | Shutterstock, Inc. [US] 2019 

Das Ideal einer Welt, in der jede und jeder prosperieren kann, ohne dies auf Kosten anderer, auf Kosten der Natur oder auf Kosten der Zukunft zu tun, dieses Ideal - für mich der Kerngedanke der Nachhaltigkeit - braucht es mehr denn je.  
Christian Berg. 2020. Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln.

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