Nachhaltig leben

Wann, wenn nicht jetzt?

6. Was können wir tun?

CO2 - Ausstoss stoppen - Wirtschaft nachhaltig ausrichten - Überkonsum zurückfahren - Saubere und effiiziente Technologie anwenden - Digitalisierung in den Dienst der Nachhaltigkeit stellen - Nahrungssystem neu ausrichten - Bausteine für eine nachhalige Entwicklung -  Wie dringend ist es?


CO2 - Ausstoss stoppen


© Ranglen | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Der Klimawandel sollte allen ein Anliegen sein, die sich um die Gesundheit kümmern, die sich um wirtschaftliche Stabilität und Investitionswerte sorgen und denen die Gerechtigkeit zwischen den Generationen am Herzen liegt - und das sollte jeder von uns sein. 
Übersetzt von: Christiana Figueres and Tom Rivett-Carnac. 2020. The Future We Choose - Surviving the Climate Crisis.

Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2  °C erfordert eine rapide Dekarbonisierung der Weltwirtschaft. Scheitert dieses Vorhaben, hat das schwerwiegende Folgen für die zukünftigen Generationen.

Die vergangenen Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und gleichzeitig steigen die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen weiter an.

Es ist Zeit, endlich der jungen Generation und der Wissenschaft zuzuhören und zu handeln.

Wirtschaft nachhaltig ausrichten


© Quick Shot | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Das globale Wirtschaftssystem mit ungebremstem Wachstum und einer von uns Menschen kaum noch kontrollierbaren Eigendynamik gefährdet zunehmend unsere natürliche Lebensgrundlage und das Zusammenleben auf der Erde.

Wir müssen den Weg hin zu nachhaltigem Wirtschaften einschlagen und unser zukünftiges Wirtschaften auf einer mit Menschen vollen Erde neu denken.

Green Economy, Zukunftsstadt, Energiewende sind zentrale Systeme menschlichen Zusammenlebens, deren Transformationen von fundamentaler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise sind. 
Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschland.  

Eine Nachhaltige Entwicklung ist ohne eine konsequente Kreislaufwirtschaft und dem gleichzeitigen Zurückfahren des Überkonsums kaum vorstellbar. Doch die Abkehr von einer überwiegend linearen Wirtschaftsweise erfordert viele politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Weichenstellungen.

Überkonsum zurückfahren 


© Ljupco Smokovski | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Immer mehr Menschen in den reichen Ländern realisieren, wie unverantwortlich und egoistisch wir uns verhalten und welch grosse, unbezahlte Rechnung wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen.  

Der Verschleiss der Natur durch die konsumorientierte Lebensweise ist zu gross und gefährdet unsere Lebensgrundlage. Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und den masslosen Konsum zurückfahren. 

Mächtige Statussymbole bestimmen unser Konsumverhalten. 

© Thomas Soellner | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Grosses Auto

Seit jeher gilt ein grosses Vehikel als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Kutschen von wenigen, dann der Rolls-Royce von einigen, der amerikanische Chevrolet von vielen und heute die immer grösseren Auto von fast allen Leuten. Seit 1980 hat sich das durchschnittliche Gewicht eines Autos verdoppelt.

Grosser Konsum von Fleisch und Fisch 

Seit jeher gilt grosser Fleischkonsum als mächtiges Statussymbol. Zuerst waren es die Gelage in den Palästen von wenigen [vor 200 Jahren hatten in Europa über 90 % aller Menschen in der Regel kein Fleisch zum Essen], dann das häufige Fleischessen in teuren Restaurants von vielen und heute das tägliche Fleischessen von fast allen Leuten. 

Auch der Fischkonsum pro Kopf hat sich weltweit seit 1960 verdoppelt. 

Für 1 kg Rindfleisch braucht es rund 33 Quadratmeter landwirtschaftliche Bodenfläche, für 1 kg Kartoffeln dagegen nur 0.3 Quadratmeter. Für kein anderes Konsumgut der Welt wird so viel Land benötigt wie für die Herstellung von Fleisch und Milch. Obwohl nur 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tieren stammt, benötigen sie 77 Prozent des globalen Agrarlands. 
Fleischatlas - Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique. 2018.


Grosser Wohnraum

Seit jeher gilt grosser Wohnraum als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Schlösser von wenigen, dann die grossen Villen von einigen, das Eigenheim von vielen und heute die grossen Wohnungen von fast allen Leuten.

In der Schweiz z.B. beansprucht jeder Einwohner im Durchschnitt eine Wohnfläche von 42 Quadratmeter - doppelt so viel wie noch 1965.

Das bedeutet ein grosser Ressourcenverbrauch beim Bau des Wohnraums, eine grosse Zunahme an Energieverbrauch beim Heizen und ein grosser Folgekonsum wie dem Kauf von Möbeln und vielen zusätzlichen Wohnungseinrichtungen. 

Alle drei Statussymbole haben grosse Auswirkungen auf unsere Umwelt und das Klima.

© Dariusz Jarzabek | Shutterstock, Inc. [US] 2018   © puhhha | Shutterstock, Inc. [US] 2018   © Jenny Sturm | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Saubere und effiziente Technologie anwenden 


© art4all | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Veraltete, umweltschädliche und ineffiziente Produktionen müssen rasch mit neuen Technologien ersetzt werden.

Wir unterliegen aber einem grossen Trugschluss, wenn wir denken, mit zunehmender technologischer Effizienzsteigerung unseren gewohnten Lebensstil unverändert weiterführen zu können. 

Denn die grossen Auswirkungen auf unsere Umwelt durch unseren überbordenden Konsum und das rasante Bevölkerungswachstum können nur teilweise mit technologischen Verbesserungen kompensiert werden. 

Es dürfen zudem umweltschädliche Aktivitäten nicht mehr länger mit dem Argument der Arbeitsplatzerhaltung am Leben erhalten bleiben. 

Digitalisierung in den Dienst der globalen Nachhaltigkeit stellen


© Mopic | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Es fehlen bisher - bildlich gesprochen - ein Algorithmus zum Wohl von uns Menschen und ein Algorithmus zum Schutz der Natur.

Der Schulterschluss von digitalem Fortschritt und kapitalistischer Ideologie in einer durchmonetarisierten Gesellschaft führt offensichtlich zu einer Konzentration von Macht bei einigen wenigen, meist privaten, Akteuren [..].

Zur Lösung der richtig grossen Probleme [..] hat die Digitalisierung aber so viel wie noch nichts beigetragen. Weil normalerweise nur Ideen auf den Markt kommen, die auch zu Geld gemacht werden können. Die meisten dringlichen Probleme aber sind Probleme, die die Armen betreffen. 
Jonas Lüscher, Schriftsteller - Interview Tages-Anzeiger, 06.01.2018 

Im Großen wirken Digitalisierungsprozesse heute eher als Brandbeschleuniger bestehender nicht nachhaltiger Trends, also der Übernutzung natürlicher Ressourcen und wachsender sozialer Ungleichheit in vielen Ländern. 
Unsere gemeinsame digitale Zukunft. 2019. WBGU Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung - Globale Umweltveränderungen 

Nahrungssystem neu ausrichten


© Pavel K | Shutterstock, Inc. [US] 2020      © Peter Hermes Furian | Shutterstock, Inc. [US] 2018    

Die Biodiversität erlebt weltweit ein dramatisches, durch den Menschen verursachtes Massenaussterben [...] Damit nimmt auch die Kapazität der Ökosysteme erheblich ab, zu Klimaregulierung und Ernährungssicherung beizutragen.

Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend ändert, können die Klimaschutzziele erreicht, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ernährungssystem nachhaltig gestaltet werden.

WBGU Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. 2020. Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration.

Es gilt also:

  • Ernährungsgewohnheiten ändern
    Die globale Ernährung muss auf mehr pflanzliche Ernährung umgestellt werden.
  • Land für die biologische Vielfalt reservieren
    Mehr Land muss geschützt und für die Natur reserviert werden. Dies ist der effektivste Weg, um die biologische Vielfalt zu erhalten.
  • Art und Weise wie wir Land bewirtschaften ändern
    Die Landwirtschaft muss naturfreundlicher und biodiversitätsfördernder ausgerichtet werden.
    Gemäss: Tim G. Benton, etal. Food system impacts on biodiversity loss. Three levers for food system transformation in support of nature. 2021.

Wir müssen rasch handeln, dabei aber einen kühlen Kopf bewahren. Wir brauchen eine besonnene Politik ohne Untergangsszenarien, ohne Ideologien und ohne Einzelinteressen


Bausteine für eine nachhalige Entwicklung


© Dirk Ercken | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Die Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung sind zur Hauptsache folgende Neuausrichtungen, die alle eng miteinander verknüpft sind: 
Quelle: Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschafter. Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

  • Wohlstands- und Konsumwende
    Die Frage ist, wie Suffizienz - eine «Kultur des Genug» - möglich ist und wie die Ausbildung einer solchen Kultur mit Rahmenbedingen von der Politik unterstützt werden kann.
  • Energiewende
    Das Ziel der Energiewende ist nur dann zu erreichen, wenn die Umstellung auf erneuerbare Energie zusammengeht mit einer Energiesuffizienz und einer Energieeffizienz. 
  • Ressourcenwende
    Nur wenn der Ressourcenverbrauch pro Kopf um den Faktor 4 bis 5 reduziert wird, bleibt die Menschheit langfristig innerhalb der planetaren Grenzen.
  • Mobilitätswende
    Die Mobilitätswende ist eng mit der Energiewende und der Ressourcenwende verknüpft und braucht damit mehr als nur technologische Entwicklungen.
  • Ernährungswende
    Die heutige Nahrungsmittelproduktion ist für einen wichtigen Anteil der globalen Ressourcen- und CO2 - Belastungen verantwortlich. 30 % der konsumbedingten Umweltbelastungen in Europa werden durch unser Essverhalten verursacht. 
    Der Konsum von Fleisch und Fisch muss markant reduziert werden.
  • Urbane Wende 
    Mitte dieses Jahrhunderts werden rund 80 % aller Menschen weltweit in Städten leben. Für die nachhaltige Entwicklung insgesamt ist die Art und Weise der Stadtentwicklung deshalb von zentraler Bedeutung.
  • Industrielle Wende
    Zwei Ziele sind hier vorrangig: Die Decarbonisierung [CO2 - Ausstoss stoppen] und die Kreislaufwirtschaft. Dazu braucht es technologische Innovation, Kooperation und eine innovative politische Rahmensetzung.

Wie dringend ist es?


© ittipon | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Es eilt sehr. Ein Systemkollaps ist eine reale Gefahr. [..] Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen bedingt durch das rasante Bevölkerungswachstum, die Übernutzung der Ressourcen und die damit einhergehende Verschmutzung, den Verlust der Biodiversität, und insgesamt erleben wir einen schleichenden Verlust der Lebensgrundlagen.
Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman - 
Wir sind dran. 2017

Der Bericht Grenzen des Wachstums an den Club of Rome befasste sich bereits 1972 mit der Zukunft der Weltwirtschaft und äusserte damals die düstere Prognose, wonach 

die absolute Wachstumsgrenze auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht wird, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält. 

Die Zeit drängt

Aber erst dann vermutlich, wenn der Druck von unten - von uns Bürgern und Bürgerinnen - auf die Politik und Entscheidungsträger wächst, wird der Umwelt- und Klimaschutz den Durchbruch schaffen.


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