nachhaltig  leben
Die neue Herausforderung mit grossen Chancen für uns alle 

Website gestartet 2018

English Language 

Die Website richtet sich an Menschen in den reichen Ländern der Welt, die unseren heutigen Lebensstil überdenken wollen. 

Hier versuche ich - in einem kurzen Überblick - verständlich zu machen, warum wir alle aufgerufen sind, nachhaltig zu leben. 

Die Umwelt und das Klima müssen umfassend geschützt werden. Das gelingt nur dann, wenn wir uns zu einem nachhaltigen Leben aufmachen.


Wenn ich die notwendigen Massnahmen zum Schutz der Umwelt und des Klimas nicht im grösseren Zusammenhang sehe, dann unterschätze ich bei weitem, wie dringend es ist, dass auch ich aktiv werde.

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Das Wachstum unserer Wirtschaft aufgeben, bedeutet das Risiko eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs. Das Wachstum behalten, bedeutet das Risiko der Zerstörung globaler Ökosysteme, die unsere Lebensgrundlage sind. 

In Anlehnung an eine Aussage von Tim Jackson in seinem Buch Wohlstand ohne Wachstum - Das Update. Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft. 2017

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© Kai19 | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Unsere Erde hat sich durch Technologie und Industrialisierung radikal verändert.

Der Mensch aber in seinem Verhalten, Denken und Hoffen ist der Gleiche geblieben.

Wir handeln und leben, als wären wir immer noch so wenige Menschen auf der Welt wie vor zweihundert Jahren.

Die grosse Verheissung unbegrenzten Fortschritts ... das war es, was die Hoffnung und die Zuversicht von Generationen seit Beginn des Industriezeitalters aufrechterhielt.

Erich Fromm, Psychoanalytiker und SozialpsychologeHaben oder Sein? 1976

Das 'Prinzip Verantwortung' muss heute in erster Linie dafür eingesetzt werden, zu bremsen, zu schützen, zu bewahren und so eine Entwicklung zu verhindern, die zum Untergang der Menschheit führen könnte.

Hans Jonas, Philosoph. Das Prinzip Verantwortung. 1979 

Wir stehen an der Schwelle einer Veränderung, die mit den gewohnten Fortschritten und Wandlungen nichts mehr gemein hat. Grund sind die nicht beabsichtigten Nebenfolgen des technischen Fortschritts. Diese sind jetzt zu zentralen Risiken geworden, deren Bewältigung uns fundamental überfordert.

Ulrich Beck, Soziologe. Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne. 1986

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Wir stehen einer Sprachlosigkeit gegenüber und wissen nicht, wie sie überwinden, um die Realität begreifbar zu machen, den Ernst der Lage angemessen zu beschreiben.

George Marshall, Kommunikator und Schriftsteller. Don't Even Think About It  - Why Our Brains Are Wired to Ignore Climate Change. 2014

Wir müssen den menschlichen Aktivitäten ökologische Grenzen setzen.

Tim Jackson, Ökonom. Wohlstand ohne Wachstum - Das Update. Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft. 2017

Heute verfügen wir über genügend neues Wissen für die erforderlichen Veränderungen zum Erhalt unserer Welt.

Ernst Ulrich von Weizsäcker u.a. BiologeWir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. 2017

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Bei globalen ökologischen Problemen geht es längst nicht mehr nur darum, effizienter zu produzieren. Für eine ganzheitliche ökologische und soziale Nachhaltigkeit braucht es darüber hinaus Konsumreduktion. Es geht um individuelle und kollektive Verhaltensänderung - und damit um Psychologie.

Hamann, Karen u.a. Psychologin. Psychologie im Umweltschutz  - Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. 2016

Eine Ausrichtung der globalen digitalen Revolution an den Nachhaltigkeitszielen [..] ist kaum zu beobachten, auch wenn viele Akteure betonen, sie handelten zum Wohle der Menschheit. 

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Deutschland - Globale Umweltveränderungen.  Digitalisierung: Worüber wir reden müssen. 2018

Und wir Menschen...

It's so easy to do nothing, when you are busy night and day.

Aus dem Lied Desperation, Steppenwolf 1968


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Wenn wir die Natur besiegt haben, werden wir uns auf der Verliererseite wiederfinden.
Zitat von Konrad Lorenz, Biologe und Nobelpreisträger 


Die Menschheit geht kaum demnächst unter, wie uns viele Untergangspropheten weismachen wollen.

Es stellt sich uns aber die bange Frage:  
Haben die Menschen nach uns die Chance, ein menschenwürdiges Leben auf der von uns hinterlassenen Erde zu leben?


Nachhaltigkeit ist der vielversprechende Weg, der uns aus der heutigen - ökologischen und sozialen - globalen Krise in die Zukunft führt.

Nachhaltig leben bedeutet neue Herausforderungen, kreative Änderungen und ganz neue Möglichkeiten im Leben.

 © Monster Ztudio | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, aber oft nur vage verstanden. Zwei Definitionen:

Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. 
Brundtland-Bericht - Our Common Future, Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987

Nachhaltigkeit [Ökologie] ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. 
Duden

Nachhaltig leben heisst für uns Menschen in den reichen Ländern auch, 

1. vorsorgen für die zukünftigen Menschen auf unserer Erde und

2. solidarisch sein mit den anderen Menschen auf der Welt.

Vorsorgen heisst, ich kümmere mich um die Zukunft und ergreife Massnahmen,

  • auch wenn noch nicht feststeht, wie genau etwas schief laufen könnte.
  • auch wenn ich vorerst nur ahne, dass etwas in die falsche Richtung geht.
  • auch wenn die Wissenschaft noch keine exakten Beweise hat, was und wie sich etwas ereignen wird.

© Arthimedes | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die Zeit drängt, aber die Bedeutung von Vorsorge und Solidarität für die Zukunft von uns Menschen wird [noch] weit unterschätzt.


Sorgen wir heute vor? - Wohl kaum.
Wenn es ums Handeln geht, ist der Umwelt- und Klimaschutz bei der ganz grossen Mehrheit von uns noch nicht angekommen.

Sind wir heute solidarisch? - Wohl kaum.
Wenige 15 % der Weltbevölkerung, hauptsächlich in den reichen Ländern, haben einen Anteil von rund 80 % am gesamten globalen Ressourcen-Verbrauch.

Die Illustration zeigt die Grössenordnung, exakte Daten dazu gibt es nicht.


Zum Beispiel die Schweiz und ihr ökologischer Fussabdruck.

Wenn alle Menschen auf der Welt leben würden wie wir Schweizer, dann bräuchten wir drei Planeten so gross wie unsere Erde.

Quelle: Global Footprint Network
© Filip Bjorkman | Shutterstock, Inc. [US] 2018

© freesoulproduction | Shutterstock, Inc. [US] 2018 


Kritische Entwicklungen in unserer Umwelt sind gleichermassen kritische Entwicklungen für uns Menschen. Denn ohne ausreichend natürlichen Lebensraum gibt es kein menschenwürdiges Leben auf Erden.

Zur Veranschaulichung Beispiele aus einer langen Liste:

  • In nur 200 Jahren wuchs die Weltbevölkerung von 900 Millionen auf fast 8'000 Millionen Menschen.
    Im Jahr 2100 sollen geschätzte 10 - 12 Milliarden Menschen auf unserer Erde leben. 

© Arthimedes | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

  • Das globale Wirtschaftssystem mit kaum noch kontrollierbarer Eigendynamik und ungebremstem Wachstum gefährdet die natürliche Lebensgrundlage und unser Zusammenleben auf der Erde.
    Die Grenzen des globalen Wachstums werden immer deutlicher. Die heutigen Anreize fördern noch immer einseitig die Ausbeutung von Natur und Mensch. 

© smatch | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

  • Die Ausbeutung wertvoller Bodenschätze schreitet ungebremst voran, ohne Rücksicht auf den berechtigten Bedarf kommender Generationen.
    Die Gewinnung der Rohstoffe verursacht zudem grosse Umweltverschmutzungen.
  • In den vergangenen 150 Jahren ist fast die Hälfte des fruchtbaren Bodens auf der Erde verschwunden.

Verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche

Quelle: UN - World Prospects: The 2015 Revision

  • Jeden Tag sterben auf unserer Erde etwa 100 Arten von Lebewesen aus.
    Sie sind unwiederbringlich für immer verloren.
  • Abfälle wie Plastik, pharmazeutische Produkte, Pestizide u.v.a. breiten sich weltweit in der Natur aus und gelangen zunehmend in die Nahrung auch von uns Menschen.
    Tausende von neuen Substanzen werden jährlich synthetisiert und viele davon gelangen in die Umwelt, mit meist unbekannter Wirkung auf Pflanzen, Tiere und Mensch.

© Roman Mikhailiuk | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

  • Wir verschmutzen das Trinkwasser weltweit mit schweren Folgen für Millionen von Menschen.
  • Unser Schutzschild gegen schädigende Sonnenstrahlung - die Ozonschicht - ist bereits geschwächt.
  • Wir sind daran das Klima zu verändern, mit ungewissen Folgen für uns Menschen und die Natur.
  • Global ist der Anteil der Nutztiere auf 65 % und der von uns Menschen auf 32 % angestiegen. Der Anteil aller Wildtiere hingegen ist auf 3 % gesunken.
    [Prozentualer Anteil der Biomasse aller Wirbeltiere].
    Würde man den globalen Nutztier-Bestand an alle Menschen auf der Welt verteilen, dann hätte jeder einzelne von uns in etwa 8 Hühner, Gänse oder Enten und 2 Rinder, Schafe oder Ziegen bei sich zu Hause. Fünf Menschen würden sich ein Schwein teilen.

© Peter Hermes Furian | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Ein vieldiskutiertes Konzept in der Wissenschaft benennt 9 Planetary Boundaries - 9 rote Linien.

  • Überschreiten wir diese roten Linien, könnten abrupte oder irreversible Umweltveränderungen eintreten.
  • Überschreiten wir sie nicht, kann sich die Menschheit weiterentwickeln und gut gedeihen über Generationen hinweg.  

Quelle: Stockholm Resilience Centre [Steffen et al. 2015]    

Vier der 9 roten Linien haben wir bereits überschritten - [rot markiert]

  1. Klimawandel
  2. Veränderung der Integrität von Biosphären [Verlust an Biodiversität und Artensterben]
  3. Abbau der Ozonschicht
  4. Versauerung der Meere
  5. Biogeochemische Kreisläufe [Phosphor- und Stickstoff]
  6. Veränderung von Ökosystemen [z.B. Abholzung]
  7. Nutzung von Süsswasser
  8. Belastung der Atmosphäre mit mikroskopisch kleinen Teilchen [Aerosole, beeinflussen Klima + Lebewesen]
  9. Eintrag neuartiger Substanzen in die Umwelt [organische Schadstoffe, radioaktive Stoffe, Nanoteilchen und Mikroplastik]

Wir wissen zudem nicht, ob die durch unsere Umweltverschmutzung verursachten Veränderungen auf der Erde weiterhin allmählich voranschreiten oder ob einzelne Systeme wie z.B. das Klima oder der Golfstrom im Atlantik plötzlich und unvorhergesehen kippen


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Erstens

Das globale Wirtschaftssystem mit ungebremstem Wachstum und einer von uns Menschen kaum noch kontrollierbaren Eigendynamik gefährdet zunehmend unsere natürliche Lebensgrundlage und das Zusammenleben auf der Erde.

Wir müssen den Weg hin zu nachhaltigem Wirtschaften einschlagen und unser zukünftiges Wirtschaften auf einer mit Menschen vollen Erde neu denken.
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Green Economy, Zukunftsstadt, Energiewende sind zentrale Systeme menschlichen Zusammenlebens, deren Transformationen von fundamentaler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise sind.

Forschung für Nachhaltige Entwicklung FONA, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschland.

Nachhaltige Wirtschaft  - Nationales Forschungsprogramm, Schweiz

Wirtschaft nachhaltig ausrichten

© Quick Shot | Shutterstock, Inc. [US] 2018


Zweitens

Wir müssen Denkmuster entwickeln, wie wir das grosse Ungleichgewicht zwischen den reichen und den armen Ländern verkleinern können. 

Erst dann, wenn die Menschen in den ärmeren Ländern auch einen guten Lebensstandard erreichen, kann das grosse Bevölkerungswachstum gestoppt werden.

Menschen brauchen ausreichend Nahrung, genügend Wohnraum, Möglichkeit zur Bildung, Arbeit zum Geldverdienen, Altersvorsorge und vieles mehr. 
Es gilt die notwendige materielle Basis für ein menschenwürdiges Leben zu schaffen. 


Ungleichgewicht zwischen armen und reichen Ländern verkleinern

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D
rittens
  

In wenigen Jahrzehnten werden wir schätzungsweise 10 bis 12'000 Millionen Menschen auf unserer Erde sein. Vor zweihundert Jahren waren es noch 900 Millionen Menschen.

Hätte sich die Anzahl Menschen seit 1800 nur verdoppelt und nicht um das 8-fache vergrössert, wir würden die Begriffe Umweltschutz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht einmal kennen.


Wachstum der globalen Bevölkerung stoppen

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Viertens

Immer mehr Menschen in den reichen Ländern realisieren, wie unverantwortlich und egoistisch wir uns verhalten und welch grosse, unbezahlte Rechnung wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen. 

  • Ältere Menschen staunen, wie rasch und umwälzend sich die Welt seit ihrer Kindheit verändert hat und dies nicht nur zum Guten. 
  • Jüngere Menschen staunen, welch hohen Preis wir für unseren wachstumsorientierten Lebensstil bereits bezahlt haben und noch zu zahlen haben, sollte es unverändert so weitergehen.

Der überbordende Konsum ist möglich, weil wir den Preis dafür nur zu einem kleinen Teil selber zahlen.

Der Hauptanteil geht auf Kosten der Natur, ein weiterer Teil zahlen Menschen in andern Regionen der Welt und zukünftig zahlen unsere Kinder und Enkelkinder dafür.
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Der stetig wachsende Konsum von uns allen ist der Motor, der das stetige Wachstum unserer Wirtschaft antreibt. Der damit verbundene grosse Verschleiss der Natur bedroht jetzt aber die Lebensgrundlage von uns Menschen auf der Erde. Das bedeutet, wir müssen so rasch als möglich den: 

Konsum zurückfahren

© Ljupco Smokovski | Shutterstock, Inc. [US] 2018


Fünftens

Veraltete, umweltschädliche und ineffiziente Produktionen müssen rasch mit neuen Technologien ersetzt werden.

Wir unterliegen aber einem grossen Trugschluss, wenn wir denken, mit zunehmender technologischer Effizienzsteigerung unseren gewohnten Lebensstil unverändert weiterführen zu können. 

Denn die grossen Auswirkungen auf unsere Umwelt durch unseren überbordenden Konsum und das rasante Bevölkerungswachstum können nur teilweise mit technologischen Verbesserungen kompensiert werden. 


Saubere und effiziente Technologie anwenden

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Sechstens

Es ist zu befürchten, dass mit der digitalen Technologie vorerst Natur und Mensch noch effizienter ausgebeutet werden - jedenfalls solange die Politik im Abseits steht.

Es fehlen bisher - bildlich gesprochen - ein 'Algorithmus zum Wohl von uns Menschen' und ein 'Algorithmus zum Schutz der Natur'.

Der Schulterschluss von digitalem Fortschritt und kapitalistischer Ideologie in einer durchmonetarisierten Gesellschaft führt offensichtlich zu einer Konzentration von Macht bei einigen wenigen, meist privaten, Akteuren [..].

Zur Lösung der richtig grossen Probleme [..] hat die Digitalisierung aber so viel wie noch nichts beigetragen. Weil normalerweise nur Ideen auf den Markt kommen, die auch zu Geld gemacht werden können. Die meisten dringlichen Probleme aber sind Probleme, die die Armen betreffen.
Jonas Lüscher, Schriftsteller - Interview Tages-Anzeiger, 2017


Digitalisierung in den Dienst der globalen Nachhaltigkeit stellen


Wir müssen rasch handeln, dabei aber einen kühlen Kopf bewahren. Wir brauchen eine besonnene Umweltpolitik, ohne Untergangsszenarien, ohne Ideologien und ohne Einzelinteressen


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Es eilt sehr. Ein Systemkollaps ist eine reale Gefahr. [..] Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen bedingt durch das rasante Bevölkerungswachstum, die Übernutzung der Ressourcen und die damit einhergehende Verschmutzung, den Verlust der Biodiversität, und insgesamt erleben wir einen schleichenden Verlust der Lebensgrundlagen.
Ernst Ulrich von Weizsäcker u.a. Wir sind dran. 2017

Der Bericht Grenzen des Wachstums an den Club of Rome von 1972 befasste sich mit der Zukunft der Weltwirtschaft und äusserte damals die düstere Prognose, wonach 

die absolute Wachstumsgrenze auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht wird, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält. 

© Tashatuvango | Shutterstock, [US] 2018

Wir haben lange Zeit

  • die Auswirkungen des technologischen Fortschritts nicht beachtet.
  • die Folgen des stetigen Wachstums ausgeblendet.
  • die Anweisung 'mehret euch und macht euch die Welt untertan' befolgt.
  • das 'Haben' vor das 'Sein' gestellt.
  • das Denken beibehalten, als lebten immer noch so wenige Menschen auf unserer Erde wie vor 200 Jahren.

© ittipon | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Einige Verwerfungen auf unserer Erde nehmen ein bedrohliches Ausmass an. 
Und dies nicht nur für uns heutige und alle zukünftigen Menschen, sondern auch für den Planeten Erde insgesamt.

Der neueste Bericht an den Club of Rome Wir sind dran von 2017 beschreibt den Status quo und ist gleichsam eine Agenda für gesellschaftlich relevante und mögliche Schritte der nächsten Jahre.

Es wird davon ausgegangen, dass wir heute genügend neues Wissen für die erforderlichen Veränderungen zum Erhalt unserer Welt haben.

Wir hören immer wieder den Einwand: 'Alles halb so schlimm. Die Natur wird es richten und eine wie auch immer geartete 'Sintflut' über die Menschheit bringen und damit das Problem der grossen Weltbevölkerung erledigen.'

Auch wenn ein solches Szenario nicht auszuschliessen ist, diese Haltung ist lediglich ein kläglicher Versuch, sich aus der heutigen Verantwortung zu stehlen.

Die Zeit drängt.

Erst dann vermutlich, wenn der Druck von unten - von uns Bürgern und Bürgerinnen - auf die Politik und Entscheidungsträger wächst, wird sich wirklich etwas ändern.


1. Konsum zurückfahren 

in den reichen Ländern

© Ljupco Smokovski | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und den masslosen Konsum zurückfahren. Der Verschleiss der Natur durch unsere konsumorientierte Lebensweise ist zu gross und gefährdet unsere Lebensgrundlage. 

Sehr oft konsumieren wir gar nicht, was wir wirklich brauchen: 

Vier von fünf Menschen richten den Konsum weniger nach ihren eigenen Bedürfnissen aus, sondern kaufen vielmehr, was ihre Freunde, Verwandten, Nachbarn oder Arbeitskollegen haben. 

In Europa hat sich schon früh in der Geschichte eine Konsumkultur herausgebildet, die den Lebensstil mit dem größten Naturverbrauch gesellschaftlich am meisten honoriert.

Drei mächtige Statussymbole bestimmen noch immer unser Konsumverhalten.

© Thomas Soellner | Shutterstock, Inc. [US] 2018

  • Grosses Auto
    Seit jeher gilt ein grosses Vehikel als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Kutschen von wenigen, dann der Rolls-Royce von einigen, der amerikanische Chevrolet von vielen und heute ein immer grösseres Auto von fast allen Leuten.

    In der Schweiz z.B. fahren immer mehr Leute sogar in den Städten mit einem grossen Geländewagen [Sport Utilitiy Vehicle SUV] zur Arbeit und zum Einkaufen - mit grossem Mehrverbrauch an Benzin.


  • Grosser Fleischkonsum
    Seit jeher gilt grosser Fleischkonsum als mächtiges Statussymbol. Zuerst waren es die Gelage in den Palästen von wenigen [vor 200 Jahren hatten in Europa über 90 % aller Menschen in der Regel kein Fleisch zum Essen], dann das Viel-Fleisch-Essen in teuren Restaurants von vielen und heute das tägliche Fleischessen von fast allen Leuten. 

    Zudem essen wir jetzt fast nur noch die besseren Stücke der geschlachteten Tiere, der andere Teil landet im Abfall.

    Für 1 kg Rindfleisch braucht es rund 33 Quadratmeter landwirtschaftliche Bodenfläche, für 1 kg Kartoffeln dagegen nur 0.3 Quadratmeter. 
  • Grosser Wohnraum
    Seit jeher gilt grosser Wohnraum als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Schlösser von wenigen, dann die grossen Villen von einigen, das Eigenheim von vielen und heute die grossen Wohnungen von fast allen Leuten.

    Die Wohnfläche pro Einwohner z.B. in Deutschland hat sich in weniger als 50 Jahren von 26 auf 46 Quadratmeter im Jahr 2014 fast verdoppelt.

    Das bedeutet eine grosse Zunahme an Energieverbrauch beim Heizen und ein grosser Folgekonsum wie dem Kauf von Möbeln und vielen zusätzlichen Wohnungseinrichtungen.


© Dariusz Jarzabek | Shutterstock, Inc. [US] 2018   © puhhha | Shutterstock, Inc. [US] 2018   © Jenny Sturm | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Alle drei Statussymbole haben grosse Auswirkungen auf unsere Umwelt.


2. Saubere und effiziente Technologien einsetzen 

weltweit

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Die Auswirkungen durch unseren stetig wachsenden Konsum und das Wachstum der Weltbevölkerung können nur teilweise mit technologischen Lösungen kompensiert werden.

Wir brauchen jetzt beides: die rasche Umsetzung von sauberer Technologie und die nachhaltige Lebensweise von uns in den reichen Ländern. Nur so, können wir die Schieflage unseres Planeten korrigieren.


Die Politik ist (fast) machtlos

Sie muss aber die Rahmenbedingungen für die zukünftige nachhaltige Wirtschaft sehr bald festlegen und durchsetzen.

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Die Politik kann ihre Verantwortung kaum noch wahrnehmen, da sie den immer rascheren technologischen Entwicklungen wie z.B. der Digitalisierung und der Eigendynamik der Wirtschaft mit dem immer mächtigeren Finanzsektor weit hinterher hinkt.

Zudem sind noch viele Politiker der Ansicht, der freie Wettbewerb und der freie Markt seien die besten Instrumente für die Wirtschaft und zur Lösung der grossen Probleme unserer weltweiten - ökologischen und sozialen - Krise.

Das massive Lobbying von mächtigen Wirtschaftsvertretern mit ihren Einzelinteressen in unseren Parlamenten verhindert noch allzu oft, Massnahmen für ein nachhaltiges Wirtschaften einzuleiten. Es wird dann auf Freiwilligkeit der Akteure gesetzt und damit viel wertvolle Zeit verloren - denn die Zeit drängt.

Es dürfen zudem umweltschädliche Aktivitäten unserer Wirtschaft nicht mehr länger mit dem Argument der Arbeitsplatzerhaltung am Leben erhalten bleiben.


Aus freien Stücken nachhaltig leben, ist neu für uns Menschen. 

In der Vergangenheit lebten fast alle Menschen nachhaltig. Und auch heute lebt ein grosser Teil der Menschheit nachhaltig. Aber sie taten und tun dies nicht freiwillig. Sie sind ganz einfach durch äussere Lebensumstände dazu gezwungen. Es besteht für diese Menschen keine Wahlfreiheit

Wir Menschen in den reichen Ländern hingegen können und müssen uns entscheiden: 
Wollen wir weitermachen wie bisher oder wollen wir unseren überbordenden Konsum drosseln?

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Es braucht jetzt verantwortungsvolle und engagierte Menschen, die aus freien Stücken anfangen nachhaltig zu leben. Sie zeigen uns Anderen wie ein nachhaltiges Leben - ganz ohne Lebensqualität einzubüssen - auch in der modernen Gesellschaft möglich ist.

Die Zeit wird knapp

Wir können nicht einfach zuwarten, bis wir in der Mehrheit unser Verhalten geändert haben. Das dauert zu lange angesichts der bedrohten Lebensgrundlage von uns Menschen. 

Die Politik muss jetzt Rahmenbedingungen festlegen, damit unser Wirtschaftssystem sich von der reinen Wachstumsstrategie verabschiedet und prioritär auf eine Nachhaltigkeitsstrategie setzt.

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Keine Subventionen mehr für Ressourcenverbrauch und das Verursacherprinzip generell anwenden. 

Die fossilen Brennstoffe werden weltweit mit dem unvorstellbaren Betrag in der Höhe von 6.5 % des globalen Bruttoinlandprodukts BIP [= gesamte globale Wirtschaftsleistung] subventioniert.
Quelle: Internationaler Währungsfond IWF, Studie 2015


Auch wenn es [noch] ein Tabu ist, auch wenn wir die Augen davor verschliessen, wir können es drehen und wenden wie wir wollen, es führt kein Weg an einer Konsumreduktion vorbei. 

Die bisherigen Bemühungen reichen bei weitem nicht aus.

Beispiel 1

Der Konsum von Menschen mit hohem Umweltbewusstsein und guter Bildung ist in der Regel überdurchschnittlich hoch. Der Grund liegt wohl im meist hohen Einkommen. 

Beispiel 2

Wie sieht es aus beim aktuellen Klimaschutz - bei der angestrebten globalen Reduktion des CO2-Ausstosses zur Verhinderung einer grossen Erderwärmung? 

Eine Reduktion findet [noch] nicht statt, die globalen Treibhausgas-Emissionen steigen weiter an.

Auch in der Europäischen Union ist der Treibhausgas-Ausstoss aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas das dritte Jahr in Folge gestiegen - 2017 um 1.8 Prozent.

Quelle: International Energy Agency/Global Carbon Project 2018 

Beispiel 3

Wir wohlhabenden Menschen leben gerne nach dem Motto:

Bio-Gemüse kaufen und um die Welt jetten. 

Wir tun ein paar gute Dinge zur Beruhigung unseres Gewissen und konsumieren dann mit gutem Gefühl unverändert weiter. Hier zwei von vielen Beispielen:

  • Wir kaufen ein «umweltfreundliches» Auto, das weniger Benzin verbraucht. Das ist gut so! Aber: Mit dem Kauf eines immer grösseren Autos und dem vermehrten Autofahren wird der gute Effekt für unsere Natur gleich wieder zunichte gemacht.
  • Wir recyceln gut 50 Prozent unseres Abfalls. Das ist gut so! Aber: Gleichzeitig ist der gesamte Abfall [der rezyklierte und in die Müllverbrennung/Deponie gelangende Abfall] aus dem Haushalt von uns allen stetig angestiegen.

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Die ersten beiden Zielsetzungen, nämlich Abfall vermeiden und die Dinge wiederverwenden sind wir bisher kaum angegangen. 

Denn nur die drittbeste Massnahme - das Recycling - erlaubt uns, wie bisher und ungebremst weiter zu konsumieren.


Wir müssen unser Leben nicht völlig umkrempeln, aber unseren Lebensstil geschickt den neuen Umständen anpassen und auch liebgewonnene Verhaltensweisen überdenken.

Wir werden beim Umwelt- und Klimaschutz oft nicht aktiv, weil wir folgende Tatsache weit unterschätzen:

Mein ganz persönlicher Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, und sei er noch so klein, erzielt zusammen mit dem Beitrag aller anderen aktiven Menschen eine grosse Wirkung.

Wenn beispielsweise jeder Schweizer und jede Schweizerin [ = 8 Millionen Menschen] an einem Tag pro Woche kein Fleisch essen, müssen im Jahr mindestens 300'000 Schweine, 8'000'000 Hühner und 25'000 Rinder weniger gemästet und geschlachtet werden.

Wenn jeder Haushalt in Grossbritannien nur eine einzige alte Glühbirne durch eine LED ersetzt, dann kann ein Kohlekraftwerk stillgelegt werden.  

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Jeder von uns kann sofort vier Massnahmen ergreifen und leistet damit einen hoch wirksamen Beitrag zum Schutze der Umwelt.


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1. Nur das und nur so viel konsumieren, wie ich wirklich brauche. 


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2. Weniger ins Auto und ins Flugzeug sitzen.



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3. Weniger Fleisch essen.


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4. Weniger heizen und weniger Wohnraum beanspruchen.

Weniger konsumieren, weniger Autofahren, weniger Fliegen, weniger Fleisch essen und weniger Heizen - damit können wir schon heute anfangen, nur unseren Wohnraum können wir in der Regel nicht sofort anpassen. 

Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt übrigens, dass wir einen Drittel des von uns beanspruchten Wohnraums kaum oder gar nicht nutzen.


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Erstens

Nehmen wir uns immer mal wieder ein paar Minuten Zeit und überdenken unseren Konsum im Alltag, auf Reisen, in den Ferien und in der Freizeit. 

Fangen wir an - zusätzlich zu unserem täglichen Grundbedarf - nur das zu konsumieren, was uns einen echten Mehrwert bringt. 

Stellen wir uns in diesem Zusammenhang die hochaktuelle Frage: 

Im gleichnamigen Buch beschreibt Erich Fromm die Voraussetzungen für einen fundamentalen Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um die gegenwärtige Krise zu überwinden und von einer Orientierung am Haben zu einer am Sein zu gelangen. Erich Fromm. Haben oder Sein? 1976. 


Zweitens 

Wir sind auf dem Weg zu einem nachhaltigen Leben, wenn wir unseren Lebensstil auf eine gute Balance zwischen Qualität und Quantität ausrichten. 

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Der konsumorientierte Lebensstil in den reichen Ländern wird zwar von sehr vielen Menschen weltweit angestrebt, ist vermutlich aber doch keine attraktive Option für unsere Kinder und Enkelkinder:

  • ersten, weil wir dadurch der Natur grosse und teilweise irreversible Schäden zufügen und davon viele Menschen in andern Regionen der Welt zuallererst betroffen sind. 
  • zweitens, weil der Preis, den wir in unserem Leben dafür zahlen, im Vergleich zum gewonnenen Nutzen unverhältnismässig hoch ist, was sich am Leiden so vieler Menschen in den Industrieländern zunehmend bemerkbar macht. 

Drittens

Umwelt jetzt schützen

Zum Beispiel mit


Viertens

Nachhaltig leben bringt uns einen dreifachen Nutzen. 

1. Wir richten das Leben besser auf unseren täglichen Bedarf aus.
2. Wir belasten unsere Umwelt weniger.
3. Wir sparen Geld und gewinnen Zeit zum Leben.


Ganz Allgemein

Es herrscht die weit verbreitete Meinung, nachhaltig leben bedeute bitterer Verzicht und Verlust an Lebensfreude. Das Gegenteil trifft zu.

Wir brauchen keine Kultur des Verzichts, wir brauchen wieder eine Kultur des Geniessens. 
[mit weniger Konsum]
Gabriela Simon: Mehr Genuss! Mehr Faulheit! Mehr Schlendrian! in Die Zeit Nr. 42/1992.

Nachhaltig leben heisst nicht, dass ich mir jeden Tag und überall Gedanken über Umweltprobleme mache.

Nachhaltig leben ist ein Lernprozess, der all unsere Kreativität fordert und uns neue Chancen eröffnet.

Unsere Kinder und Enkelkinder sind dankbar, wenn wir ihnen eine intakte Welt hinterlassen, damit auch sie ihr Leben eigenverantwortlich und frei gestalten können.

© Sunny studio | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Zuletzt und nicht ganz ernst gemeint

Erst wenn der letzte Baum gerodet, 
der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,
werden wir merken, dass man Geld nicht essen kann.
Quelle: Unbekannt

Schliesslich und endlich