Nachhaltig leben
Die neue Herausforderung mit grossen Chancen für uns alle 

Website überarbeitet im Oktober 2018

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Die Website richtet sich an Menschen in den reichen Ländern der Welt, die unseren heutigen Lebensstil überdenken wollen. 

Die Umwelt und das Klima müssen umfassend geschützt werden. Das gelingt nur dann, wenn wir uns zu einem nachhaltigen Leben aufmachen.


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Wenn ich den Schutz der Umwelt und des Klimas nicht im grösseren Zusammenhang sehe,
dann unterschätze ich bei weitem, wie dringend es ist, dass auch ich aktiv werde.
 
 

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Unser Dilemma ist, dass wir in einer endlichen Welt leben, uns aber verhalten, als wäre sie unerschöpflich.

Wir haben lange Zeit

  • die Auswirkungen des technologischen Fortschritts nicht beachtet,
  • die Folgen des stetigen Wachstums ausgeblendet,
  • die Anweisung «mehret euch und macht euch die Welt untertan» befolgt,
  • das «Haben» vor das «Sein» gestellt,
  • das Denken beibehalten, als lebten immer noch so wenige Menschen auf unserer Erde wie vor 200 Jahren.

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Mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung und unser Konsumverhalten sind die reichen Länder der Welt heute gleichsam «Entwicklungsländer».

Der stetig ansteigende Konsum von uns allen ist der Motor, der das Wachstum der Wirtschaft antreibt. 

Dies wiederum hat weltweit grosse Umweltbelastungen zur Folge und gefährdet zunehmend unsere Lebensgrundlage und das Zusammenleben auf der Erde.

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Wir müssen deshalb
das Wachstumsdilemma
anpacken, das da lautet:

Das Wachstum unserer heutigen Wirtschaft aufgeben, bedeutet das Risiko eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs.

Das Wachstum beibehalten, bedeutet das Risiko der Zerstörung globaler Ökosysteme, die unsere Lebensgrundlage sind.

«Es ist klar, dass es darauf keine einfachen Antworten gibt - keine Antwort, die vorgeschlagen werden könnte, ohne gleichzeitig eine umfassende Änderung der Art und Weise, wie wir denken, arbeiten und unser Leben ausrichten, vorzuschlagen».
1. Tim Jackson. Wohlstand ohne Wachstum - Das Update. Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft. 2016. 
2. David Fleming. Surviving the Future: Culture, Carnival and Capital in the Aftermath of the Market Economy. 2016.

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Die konventionelle Reaktion auf das Wachstumsdilemma ist der Ruf nach Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch und damit von den schädlichen Umweltauswirkungen. 

Erreicht werden soll die Entkopplung mit effizienteren Produktionsprozessen, «nachhaltigen Gütern und Dienstleistungen», «Intelligentem Wachstum», «Grünem Wachstum» und «Nachhaltigem Wachstum».

Unsere derzeitigen Anstrengungen zur Entkopplung bewirken zwar einen leicht kleineren Anstieg des Ressourcenverbrauchs beim heutigen Wirtschaftswachstum [relative Entkopplung].  

Was wir aber mittelfristig brauchen, wenn wir das Wirtschaftswachstum beibehalten, ist mindestens kein weiterer Anstieg des Ressourcenverbrauchs bei fortgesetztem Wirtschaftswachstum [absolute Entkopplung].

Die bisherigen Ergebnisse lassen kaum Optimismus aufkommen, denn der Ressourcenverbrauch steigt weiter sehr stark an.

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Deshalb braucht es eine doppelte Entkopplung: 
Die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch und 
die Entkopplung der Lebensqualität vom Wirtschaftswachstum.
 

«Es müssen zwei unterschiedliche Entkopplungsaufgaben verfolgt werden:
Entkopplung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen von nicht-nachhaltigem Naturverbrauch und Entkopplung der Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse vom Imperativ zu immer mehr Konsum».

Maja Göpel. 2016. The Great Mindshift.

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Wir stehen heute also vor der Herkulesaufgabe, 
die grundlegenden Bedürfnisse von bald 10 Milliarden Menschen weltweit zu befriedigen und gleichzeitig die ökologischen Grenzen unserer Erde einzuhalten. 

Der grosse Trugschluss der Umweltdebatte in den letzten 30 Jahren war die Hoffnung, dass sich eine ökologische Wende im Wesentlichen mit einem technologischen Innovationsprogramm in der bestehenden Wirtschaftsordnung umsetzen lässt. 

Die anhaltende beeindruckende Wohlstandsentwicklung hat weder die Klimabelastung noch die Ressourcenverbräuche oder den Verlust der Biodiversität bremsen können - im Gegenteil, all diese Belastungen haben sich massiv verschärft.
Uwe Schneidewind. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

Als gesichert gilt, dass die gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweisen einen umfassenden und tiefen Eingriff in verschiedene Ökosysteme darstellen.

Zukünftigen Generationen und anderen Lebewesen drohen daher drastische und irreversible Nachteile.

Der bisherigen Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik ist es bisher bei weitem nicht gelungen, eine hinreichend starke Reduktion der ökologischen Belastungen zu erreichen.
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW): Gesellschaftliches Wohlergehen innerhalb planetaren Grenzen, Texte 89/2018 im Auftrag des Umweltbundesamt Deutschland. 2018.

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Wir brauchen somit dringend eine klare Vision, eine mutige Politik und eine wirklich robuste Strategie, um den Ausweg aus dem Wachstumsdilemma zu finden.

Vom normalen Politikbetrieb wird dieses Dilemma allerdings noch kaum wahrgenommen und in der öffentlichen Debatte allenfalls am Rande erwähnt.

«[Es sind] die Bedingungen einer künftigen Wirtschaft, die neu entwickelt werden müssen: Denn all die grossartigen Errungenschaften, auf die man zurückblicken kann, sind nur um den Preis zu haben gewesen, dass man weder auf die natürlichen Gegebenheiten noch auf die Lebenssituationen von Menschen in andern Teilen der Welt Rücksicht genommen hat.»

Harald Welzer. Alles könnte anders sein - Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen. 2019

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Kleiner Exkurs 
Unser Dilemma
als umweltbewusste Wohlstandsbürger

Wollen wir wohlhabenden Menschen uns für den Schutz der Umwelt einsetzen, müssen wir heute - so wird uns Konsumenten gesagt - bloss in den Supermarkt gehen. Dort gibt es jetzt überall nachhaltige und umweltfreundliche Produkte.

Wir können also scheinbar sorglos immer mehr konsumieren und damit der Umwelt sogar etwas Gutes tun - nur eben «nachhaltig» soll es sein. Das Bestechende ist die Vorstellung, wir können etwas ändern, ohne dass wir etwas ändern müssen.

Jetzt wird dieses Verhalten aber tagtäglich durch Meldungen über die Folgen unseres Tuns erschüttert. Was wir als nachhaltig konsumieren, hinterlässt so oft woanders auf der Welt trotzdem Armut und Zerstörung der Umwelt - und dabei hatten wir gerade so ein gutes Gefühl!

Gemäss Marcus Jauer. Das Dilemma des umweltbewussten Wohlstandsbürgers. Tages-Anzeiger 10.12.2018

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Wenn wir in sinnvollen ökologischen Grenzen leben wollen, müssten wir zu einem Lebensstil zurückkehren, wie wir ihn in den 1970er Jahre hatten, bevor der Konsum in den achtziger Jahren aus dem Ruder lief.
Naomi Klein. Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima. 2015

Die Menschheit steht vor nichts anderem als der Schaffung eines neuen Denkens und einer neuen Philosophie, da die alte Wachstumsphilosophie nachweislich falsch ist.

Das übergeordnete Ziel, so scheint es, kann nicht mehr nur Wachstum sein. Es muss eine wirklich nachhaltige Entwicklung werden. 
Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman. 2017. Wir sind dran. 

Wir brauchen dringend ein Wirtschaftssystem, das nicht Verschwendung, sondern Nachhaltigkeit belohnt.


Quellen: 

Tim Jackson. 2016. Wohlstand ohne Wachstum - Das Update. Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft.   Inhaltsverzeichnis, Vorwort und Leseprobe.


Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman. 2017. Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt.
Inhaltsverzeichnis und Auszüge aus dem Buch.


Uwe Schneidewind. 2018. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels.
Einführung ins Buch.


Maja Göpel. 2016. The Great Mindshift - How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations go Hand in Hand.
Deutsche Zusammenfassung oder Open access in English. 


Graeme Maxton. 2018. Change! - Warum wir eine radikale Wende brauchen.  
Siehe dazu: Graeme Maxton spricht im Schweizer Fernsehen über sein Buch.
 


David Fleming. 2016. Surviving the Future: Culture, Carnival and Capital in the Aftermath of the Market Economy. 


Naomi Klein. 2015. Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima. 
Leseprobe.  


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Unsere Erde hat sich durch Technologie und Industrialisierung radikal verändert.

Der Mensch in seinem Verhalten, Denken und Hoffen ist aber der Gleiche geblieben.

Wir handeln und leben, als wären wir immer noch so wenige Menschen auf der Welt wie vor zweihundert Jahren.

Wir konsumieren und plündern die Erde, als gäbe es keine Menschen nach uns. 

Die menschliche Fähigkeit, zu handeln, hat die Fähigkeit, zu verstehen, weit übertroffen. Daraus erwachsen für die Zivilisation reihenweise Probleme, ausgelöst durch Überbevölkerung, Überkonsum der Reichen, Einsatz umweltschädlicher Technologien und schlimme Ungleichheiten.
Blue Planet Prize Laureates, Gro Harlem Brundtland u.a. - Environment and Development Challenges: The Imperative to Act. 2012

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Gegen die Verwüstung des Lebensraumes werden allenthalben Massnahmen ergriffen, die zwar bei weitem nicht ausreichend sind, aber die Hoffnung erwecken, es bald zu werden. 
Konrad Lorenz, Biologe und Nobelpreisträger. Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit. 1973

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Die grosse Verheissung unbegrenzten Fortschritts - die  Aussicht auf Unterwerfung der Natur und auf materiellen Überfluss [..] - das war es, was die Hoffnung und die Zuversicht von Generationen seit Beginn des Industriezeitalters aufrechterhielt. 
Erich Fromm, Psychoanalytiker und SozialpsychologeHaben oder Sein? Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. 1976


Das Prinzip Verantwortung muss heute in erster Linie dafür eingesetzt werden, zu bremsen, zu schützen, zu bewahren und so eine Entwicklung zu verhindern, die zum Untergang der Menschheit führen könnte. 
Hans Jonas, Philosoph. Das Prinzip VerantwortungVersuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.1979 

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Wir stehen an der Schwelle einer Veränderung, die mit den gewohnten Fortschritten und Wandlungen nichts mehr gemein hat. Grund sind die nicht beabsichtigten Nebenfolgen des technischen Fortschritts. Diese sind jetzt zu zentralen Risiken geworden, deren Bewältigung uns fundamental überfordert.  
Ulrich Beck, Soziologe. Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne. 1986

© Sergey Nivens | Shutterstock, Inc. [US] 2019 

Wir stehen einer Sprachlosigkeit gegenüber und wissen nicht, wie sie überwinden, um die Realität begreifbar zu machen, den Ernst der Lage angemessen zu beschreiben. 
George Marshall, Kommunikator. Don't Even Think About It - Why Our Brains Are Wired to Ignore Climate Change. 2014

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Wir müssen den menschlichen Aktivitäten ökologische Grenzen setzen.  
Tim Jackson, Ökonom. Wohlstand ohne Wachstum - Das Update. Grundlage für eine zukunftsfähige Wirtschaft. 2017

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Heute verfügen wir über genügend neues Wissen für die erforderlichen Veränderungen zum Erhalt unserer Welt. 

Ernst Ulrich von Weizsäcker, Biologe und Anders Wijkman. Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. 2017

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Bei globalen ökologischen Problemen geht es längst nicht mehr nur darum, effizienter zu produzieren. Für eine ganzheitliche ökologische und soziale Nachhaltigkeit braucht es darüber hinaus Konsumreduktion. Es geht um individuelle und kollektive Verhaltensänderung - und damit um Psychologie. 
Karen Hamann u.a., Psychologin. Psychologie im Umweltschutz  - Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. 2016

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Eine Ausrichtung der globalen digitalen Revolution an den Nachhaltigkeitszielen [..] ist kaum zu beobachten, auch wenn viele Akteure betonen, sie handelten zum Wohle der Menschheit. 
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Deutschland - Globale Umweltveränderungen.  Digitalisierung: Worüber wir jetzt reden müssen. 2018

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Wir sind entschlossen, den Planeten vor Schädigung zu schützen, unter anderem durch nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion
Vereinte Nationen. 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung - Agenda 20302016



Und was tun wir in unserem Alltag?... 

...it's so easy to do nothing, when you are busy night and day. 
Aus dem Lied Desperation von Steppenwolf . 1968

Nur sehr wenige Menschen sind bereit, jetzt mit Blick auf die langfristige Zukunft zu handeln, und noch weniger Menschen ist überhaupt klar, was tatsächlich getan werden muss.

Der Grossteil der Menschheit steckt den Kopf weiter in den Sand. Wir müssen jedoch handeln, statt uns vor den Herausforderungen zu verstecken. 
Graeme Maxton. Change! - Warum wir eine radikale Wende brauchen. 2018.

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Auch wenn wir Menschen in den reichen Ländern es satt haben, immer und immer wieder daran erinnert zu werden, dass wir - mit unserer gegenwärtigen und lieb gewonnenen Lebensweise - die Chance auf ein gutes Leben unserer Nachkommen leichtfertig aufs Spiel setzen,

stehen wir doch fraglos in der Pflicht, unseren Lebensstil vorsorgend für unsere Kinder und Enkelkinder und alle zukünftigen Menschen jetzt zu ändern.


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Ich schau auf euren wunderschönen Planeten.
Video-Botschaft des Astronauten Alexander Gersts aus dem Weltall an die Enkelkinder. 2018


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Zwei immer noch viel gelesene Romane aus früheren Zeiten zur Frage: Wohin gehen wir?
Aldous Huxley. Schöne neue Welt. 1932

George Orwell. Neunzehnhundertvierundachtzig. 1948

Und zwei aktuelle Bücher: 
Steven Pinker. Aufklärung Jetzt - Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. 2018 

Buchumschlag S. Fischer 2018: «Eine leidenschaftliche Antithese zum üblichen Kulturpessimismus und ein engagierter Widerspruch zu dem weitverbreiteten Gefühl, dass die Moderne dem Untergang geweiht ist». 

Harald Welzer. Alles könnte anders sein. 2019
Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen


«Wenn wir die Natur besiegt haben, werden wir uns auf der Verliererseite wiederfinden». 
Zitat von Konrad Lorenz, Biologe und Nobelpreisträger  

Eins...?

Die Menschheit geht wohl kaum demnächst unter, wie uns so viele Schwarzmaler weismachen wollen.

Es drängt sich uns aber die Frage auf:  

Haben die Menschen nach uns noch eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben in einer Welt, wie wir sie ihnen hinterlassen?

Ein menschenwürdiges Leben bedeutet in keiner Weise ein Leben in stetig wachsendem materiellem Wohlstand wie heute in den reichen Ländern.

© HelenField | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Die Basis für ein menschenwürdiges Leben sind aber ausreichend Nahrung, genügend Wohnraum, Möglichkeiten zur Bildung, eine sinnvolle Arbeitmedizinische Versorgung, Altersvorsorge und ausreichend natürlicher Lebensraum.

Denken wir in diesem Zusammenhang daran: In etwa so viele Menschen auf der Welt wie dreimal die gesamte Bevölkerung Europas haben gegenwärtig keine Aussicht auf ein wirklich menschenwürdiges Leben.
Aus zahlreichen Quellen mit voneinander abweichenden Schätzungen

Machen wir einfach weiter wie bisher, dann stossen wir bald an die ökologischen Grenzen unserer Erde. 

Am Ende des Jahrhunderts könnten auch unsere Kinder und Enkelkinder mit einem feindlichen Klima konfrontiert sein, mit erschöpften Ressourcen, zerstörten Lebensräumen, grossem Artensterben, Nahrungsmittelknappheit, Massenmigration und - fast unausweichlich - mit Krieg. 


Zwei...?

Wir werden wohl den aussichtslosen Kampf um die verbleibenden Ressourcen weltweit drastisch intensivieren.

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Die Welt rüstet gegenwärtig militärisch auf wie noch nie in der Geschichte der Menschheit - auch mit effizienter, digitaler Technologie. 

Die USA z.B. rüsten zurzeit über 90 Länder weltweit militärisch auf. Der Anteil der USA an den weltweiten Waffenverkäufen liegt bei 57 %. 

Deutschland konnte als siebtgrösster Lieferant im Jahr 2017 bei den Kriegsmaterialverkäufen um 10 % zulegen. 
Quelle: SIPRI - Stockholm International Peace Research Institute, 2018

Die Regierung der Schweiz will die Exportbeschränkungen für Kriegsmaterial lockern, um noch mehr an diesem lukrativen [!] Geschäft teilzuhaben. Einzig der grosse Druck der Bevölkerung auf die Politiker verhinderte dies vorerst.

Ein atomarer Erstschlag ist eine reale Gefahr und wohl noch immer eine der grossen Bedrohungen für uns Menschen.


© Felix Schaad | Tages-Anzeiger 5.2.2019

Drei...?

Wir stehen vor gewaltigen Veränderungen in einer vollen Welt mit bald einmal 10 bis 12'000 Millionen Menschen - auf die eine oder andere Weise.

© Vladimir Sazonov | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Eine nachhaltige Entwicklung ist der vielversprechende Weg, der uns aus der heutigen - ökologischen und sozialen - globalen Krise in die Zukunft führt 

Der grosse gesellschaftliche Wandel, wie es der Übergang hin zu einer nachhaltigen Entwicklung erfordert, ist zuerst ein «Kampf» um die Herzen und Köpfe der Menschen und erst danach wird er in Gesetzgebung und Wirtschaftspolitik akzeptiert. 

Jede Änderung, die in Gesellschaften und Organisationen geschieht, braucht Einzelne, die sie anstossen. Umso erfreulicher ist es, dass sich überall in der Welt immer mehr Menschen dafür einsetzen. 

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Einen Masterplan, wie wir die Transformation unserer heutigen Gesellschaft mit ihrer immerwährenden Expansion hin zu einer nachhaltigen Entwicklung schaffen, gibt es nicht. 

Zudem denken die meisten Menschen und auch die Regierungen und Unternehmen kurzfristig. Es fehlt oft an entsprechendem Wissen und Instrumenten, um langfristige Transformationen anzugehen.

Und wenn die Öffentlichkeit über die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung und die nötigen Veränderungen schlecht informiert ist, können Angst und Verunsicherung sich dem Wandel generell widersetzen. 

Lösungsvorschläge für die Transformation unserer Gesellschaften hin zu einer nachhaltigen Entwicklung stehen uns heute vielfach zu Verfügung. Die Frage ist nur, wie können wir sie im normalen Politikbetrieb auch umsetzen.


 © Monster Ztudio | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, aber oft nur vage verstanden.

Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. 
Brundtland-Bericht - Our Common Future, Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987

Nachhaltigkeit [Ökologie] ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann. 
Duden

Nachhaltigkeit bedeutet - auf eine prägnante Formel gebracht - gutes Leben für rund zehn Milliarden Menschen innerhalb der ökologischen Grenzen auf unserem Planeten.

Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung ist eine systematische Erweiterung der Menschenrechte, indem sie allen Menschen auf diesem Planeten sowie auch zukünftigen Generationen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen möchte.
Uwe Schneidewind. Die Grosse Transformation - Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

So einfach diese Definitionen auch lauten, so schwer ist es, ein einheitliches, gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit zu erlangen. 

Ohne ein solches gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit ist aber die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft kaum zu bewältigen. 

Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung wird unweigerlich mit einem Strukturwandel verbunden sein, der Gewinner und zumindest übergangsweise auch Verlierer kennt.

Insofern gilt es neben der Wirksamkeit und Effizienz umweltpolitischer Maßnahmen auch die damit verbundenen Verteilungseffekte zu berücksichtigen. Fragen der Gerechtigkeit sind damit als dritter zentraler Maßstab für umweltpolitische Maßnahmen ernst zu nehmen, um deren Legitimität und Zustimmung zu sichern.

Konrad Adenauer Stiftung Nr. 310/August 2018: Verantwortliche Umweltpolitik - ökologisch wirksam und sozial gerecht.

© BsWei | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Schon vorher an nachher denken. 

Die Kreislaufwirtschaft ist eines der zielführenden Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens.

In der Kreislaufwirtschaft werden der Ressourceneinsatz, die Abfallproduktion, die Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schliessen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert. 

Die Produkte sollten von Anfang an so entwickelt werden, dass nach Gebrauch die Rohstoffe ohne Qualitätsverlust extrahiert und weiterverwendet oder ohne schädliche Wirkung auf Mensch und Umwelt in den biologischen Kreislauf zurückgespeist werden können.

Diese Art zu wirtschaften hat herausragende Bedeutung für unsere Zukunft, angesichts der derzeitigen Übernutzung und Verschwendung von Material- und Energieressourcen weltweit. 

Mehr lesen: 
Die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen verbessern - Akademien der Wissenschaften Schweiz 
To enable the global adoption of circular economy in every day consumption - Miniwizz 

© sasirin pamai  | Shutterstock, Inc. [US] 2018   


Kritische Entwicklungen frühzeitig wahrnehmen. 

Das Vorsorgeprinzip ist wohl eine der effektivsten Art und Weise, unsere Umwelt nachhaltig zu schützen. 

Kritische Entwicklungen werden dabei frühzeitig korrigiert, d.h. es werden bereits in einer frühen Phase erste Massnahmen gegen mögliche, kritische Entwicklungen ergriffen, auch wenn die Wissenschaft noch keine definitiven Beweise hat, was, wie genau und wann sich etwas ereignen wird. 

Dem Vorsorgeprinzip kommt eine immer grössere Bedeutung zu, da wir heute - was die Umwelt betrifft - wahrscheinlich mehr neue Probleme verursachen, als wir bestehende Probleme zu lösen vermögen.

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Nachhaltig leben heisst für uns Menschen in den reichen Ländern unter anderem,

1. Vorsorgen für die zukünftigen Menschen auf unserer Erde. 

2. Solidarisch sein mit den anderen Menschen auf der Welt.

© Arthimedes | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die Zeit drängt, aber die Bedeutung von Vorsorge und Solidarität für die Zukunft von uns Menschen wird [noch] weit unterschätzt.

Sorgen wir heute vor? - Wohl kaum.
Wenn es ums Handeln geht, ist der Umwelt- und Klimaschutz bei der ganz grossen Mehrheit von uns noch nicht angekommen.

Sind wir heute solidarisch? - Wohl kaum.
Nur 15 - 20 % der Weltbevölkerung, hauptsächlich in den reichen Ländern, haben einen Anteil von rund 80 % am gesamten globalen Ressourcen-Verbrauch.

Und die reichsten 10 Prozent verursachen die Hälfte aller weltweit klimaschädigenden CO2-Emissionen.

Extreme Carbon Inequality - Bericht von Oxfam Deutschland, 2015

Die Illustration zeigt die Grössenordnung, exakte Daten dazu gibt es nicht.

Die Industriestaaten haben damit auch den Grossteil der globalen Umweltbelastungen in den letzten Jahrzehnten zu verantworten.

Zum Beispiel die Schweiz und ihr ökologischer Fussabdruck.

Wenn alle Menschen auf der Welt leben würden wie wir Schweizer, dann bräuchten wir drei Planeten so gross wie unsere Erde. 
© Filip Bjorkman | Shutterstock, Inc. [US] 2018

© freesoulproduction | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Earth Overshoot Day

Dieser Tag markiert das Datum, an dem wir [die ganze Menschheit] mehr von der Natur verbraucht haben, als unser Planet im ganzen Jahr erneuern kann:

2018 fiel der Tag bereits auf den 1. August.
2000 fiel der Tag auf den 23. September.
1985 fiel der Tag auf den 4. November.
1970 fiel der Tag auf den 29. Dezember.
Quelle: Global Footprint Network

 

Die 8-Tonnen-Gesellschaft

Der durchschnittliche Ressourcen-Verbrauch pro Kopf und Jahr liegt heute z.B. in Deutschland bei rund 30 Tonnen. Für einen wirklich nachhaltigen Lebensstil müsste der Ressourcenverbrauch aber auf 8 Tonnen reduziert werden.

Meinen eigenen Ressourcen-Verbrauch berechnen:
www.ressourcen-rechner.de


Die Fakten zeigen klar,

  • wir Menschen leben heute auf Kosten kommender Generationen,
  • die Nachkommen werden einen grossen Preis für unsere verantwortungslose und kurzsichtige Übernutzung des Planeten Erde zu zahlen haben, 
  • sie werden mit gravierenden Einschränkungen zu leben haben.

Unsere heutige Lebensweise in den reichen Ländern ist nicht nachhaltig und deshalb auch keine Option mehr für die zukünftigen Menschen auf unserer Erde.


Was bedeutet Nachhaltigkeit für andere Menschen? - Gesichter der Nachhaltigkeit.


Das Jahr 2015 - Meilenstein für eine globale Nachhaltigkeit?


  1. Päpstliche Enzyklika Laudato Sì
    Juni 2015
    Papst Franziskus verkündet seine Sicht der Welt. Im Zentrum steht die Verwundbarkeit der Schöpfung.

  2. Agenda 2030 der UNO
    September 2015
    169 Staaten unterzeichnen 17 Nachhaltigkeitsziele, die der Weltpolitik die Richtung für eine nachhaltige Entwicklung geben sollen.

  3. Klimaschutzabkommen von Paris
    Dezember 2015
    196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der UNO vereinbaren das Ziel, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.



Transformation unserer Welt - die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Die Agenda wurde am 1. Januar 2016 in Kraft gesetzt. 

17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung sollen bis 2030 global und von allen UNO-Mitgliedstaaten erreicht werden. 

Das heisst, dass alle Staaten gleichermassen aufgefordert sind, die drängenden Herausforderungen der Welt gemeinsam zu lösen.

Die Menschen sollen bis 2030 - überall auf der Welt - über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung verfügen.

Die 17 Ziele


Die Nachhaltigkeitsziele betreffen alle Bereiche der Gesellschaft, das ist die grosse Herausforderung bei deren Umsetzung.

Sollte in den Ländern die Umsetzung der einzelnen Nachhaltigkeitsziele aber nicht aufeinander abgestimmt werden, könnte dies unbeabsichtigte und negative Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung zur Folge haben.

Es gilt zudem Folgendes zu überdenken:

Die 17 Ziele [...] forcieren die Anschauung, dass sich die Weltsicht der Menschheit nicht grundlegend verändern muss.

Sie zielen darauf ab, mittels Wirtschaftswachstum Armut und Hunger zu beenden, und verlangen gleichzeitig, das Leben auf der Erde zu schützen. Beides zugleich geht aber nicht.
Graeme Maxton. Change! - Warum wir eine radikale Wende brauchen. 2018.

Das Diskussionspapier von Wolfgang Sachs [2018]
Papst vs. UNO
Gegenüberstellung der Sustainable Development Goals und der Enzyklika Laudato sì 



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Kritische Entwicklungen in unserer Umwelt sind gleichermassen kritische Entwicklungen für uns Menschen. Denn ohne ausreichend natürlichen Lebensraum gibt es kein menschenwürdiges Leben auf Erden.

Zur Veranschaulichung Beispiele aus einer langen Liste:

  • In nur 200 Jahren wuchs die Weltbevölkerung von 900 Millionen auf fast 8'000 Millionen Menschen.
    Im Jahr 2100 sollen geschätzte 10 - 12'000 Millionen Menschen auf unserer Erde leben. 

© Arthimedes | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

  • Das globale Wirtschaftssystem mit kaum noch kontrollierbarer Eigendynamik und ungebremstem Wachstum gefährdet die natürliche Lebensgrundlage und unser Zusammenleben auf der Erde. 
    Die heutigen Anreize fördern immer noch einseitig die Ausbeutung von Natur und Mensch. 

© underworld | Shutterstock, Inc. [US] 2019

  • Die Ausbeutung wertvoller Bodenschätze schreitet ungebremst voran, ohne Rücksicht auf den berechtigten Bedarf kommender Generationen.
    Die Gewinnung der Rohstoffe verursacht zudem grosse Umweltverschmutzungen.

  • In den vergangenen 150 Jahren ist fast die Hälfte des fruchtbaren Bodens auf der Erde verschwunden.
    Geschätzte 24 Milliarden Tonnen Boden gehen weltweit jedes Jahr durch Erosion verloren. Das sind rund 3 Tonnen je Erdbewohner.

Unsere Erde - Verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche
Quelle: UN - World Prospects: The 2015 Revision



  • Jeden Tag sterben auf unserer Erde etwa 100 Arten von Lebewesen aus.
    Die FAO [Food and Agriculture Organization of the United Nations] veröffentlicht 2019 den allerersten globalen Bericht zum Stand der Biodiversität, die die Grundlage für unsere Nahrungsproduktion ist. State of the World's Biodiversity for Food and Agriculture

  • Abfälle wie Plastik, pharmazeutische Produkte, Pestizide u.v.a. breiten sich weltweit in der Natur aus und gelangen zunehmend in die Nahrung auch von uns Menschen.
    Tausende von neuen Substanzen werden jährlich synthetisiert und viele davon gelangen in die Umwelt, mit meist unbekannter Wirkung auf Pflanzen, Tiere und Mensch.

© Roman Mikhailiuk | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

  • Wir verschmutzen das Trinkwasser weltweit mit schweren Folgen für Millionen von Menschen.
    Die Oberfläche unseres Planeten ist zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckt. Aber mehr als 97 Prozent ist Salzwasser. 

Unsere Erde - Prozentualer Anteil Salzwasser, Süsswasser und Trinkwasser



  • Unser Schutzschild gegen schädigende Sonnenstrahlung - die Ozonschicht - ist bereits geschwächt.

  • Wir sind daran das Klima zu verändern, mit ungewissen Folgen für uns Menschen und die Natur.

  • Global ist der Anteil der Nutztiere auf 65 % und der von uns Menschen auf 32 % angestiegen. Der Anteil aller Wildtiere hingegen ist auf 3 % gesunken.
    [Prozentualer Anteil der Biomasse aller Wirbeltiere].

© Peter Hermes Furian | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Würde man den globalen Nutztier-Bestand an alle Menschen auf der Welt verteilen, dann hätte jeder einzelne von uns in etwa 8 Hühner, Gänse oder Enten und 2 Rinder, Schafe oder Ziegen bei sich zu Hause. Fünf Menschen würden sich ein Schwein teilen.


Ein vieldiskutiertes Konzept in der Wissenschaft benennt 9 Planetary Boundaries - neun rote Linien.

  • Überschreiten wir diese roten Linien, könnten abrupte oder irreversible Umweltveränderungen eintreten.
  • Überschreiten wir sie nicht, kann sich die Menschheit weiterentwickeln und gut gedeihen über Generationen hinweg.  

Vier der neun roten Linien haben wir bereits überschritten - [rot markiert]

  1. Klimawandel
  2. Veränderung der Integrität von Biosphären [Verlust an Biodiversität und Artensterben]
  3. Abbau der Ozonschicht
  4. Versauerung der Meere
  5. Biogeochemische Kreisläufe [Phosphor- und Stickstoff]
  6. Veränderung von Ökosystemen [z.B. Abholzung]
  7. Nutzung von Süsswasser
  8. Belastung der Atmosphäre mit mikroskopisch kleinen Teilchen [Aerosole, beeinflussen Klima + Lebewesen]
  9. Eintrag neuartiger Substanzen in die Umwelt [organische Schadstoffe, radioaktive Stoffe, Nanoteilchen und Mikroplastik]

Wir wissen zudem nicht, ob die durch unsere Umweltverschmutzung verursachten Veränderungen auf der Erde weiterhin allmählich voranschreiten oder ob einzelne Systeme wie z.B. das Klima oder der Golfstrom im Atlantik plötzlich und unvorhergesehen kippen


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Erstens

Wirtschaft nachhaltig ausrichten 

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Das globale Wirtschaftssystem mit ungebremstem Wachstum und einer von uns Menschen kaum noch kontrollierbaren Eigendynamik gefährdet zunehmend unsere natürliche Lebensgrundlage und das Zusammenleben auf der Erde.

Wir müssen den Weg hin zu nachhaltigem Wirtschaften einschlagen und unser zukünftiges Wirtschaften auf einer mit Menschen vollen Erde neu denken.
© Lightspring | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Green Economy, Zukunftsstadt, Energiewende sind zentrale Systeme menschlichen Zusammenlebens, deren Transformationen von fundamentaler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise sind. 

Forschung für Nachhaltige Entwicklung FONA, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutschland.  

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Rat für nachhaltige Entwicklung - Deutschland 
Nachhaltige Wirtschaft - Nationales Forschungsprogramm, Schweiz

Zweitens

Ungleichgewicht zwischen armen und reichen Ländern verkleinern 

© Waldemarus | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Wir müssen Denkmuster entwickeln, wie wir das grosse Ungleichgewicht zwischen den reichen und den armen Ländern verkleinern können. 

Erst dann, wenn die Menschen in den ärmeren Ländern auch einen guten Lebensstandard erreichen, kann das grosse Bevölkerungswachstum gestoppt werden.


D
rittens
  

Wachstum der globalen Bevölkerung stoppen 

© Photobank gallery | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Jeden Monat leben derzeit rund 7 Millionen mehr Menschen auf unserer Erde.

In wenigen Jahrzehnten werden wir schätzungsweise 10 bis 12'000 Millionen Menschen auf unserer Erde sein. Vor zweihundert Jahren waren es noch 900 Millionen Menschen.


Viertens

Konsum zurückfahren 

© Ljupco Smokovski | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Immer mehr Menschen in den reichen Ländern realisieren, wie unverantwortlich und egoistisch wir uns verhalten und welch grosse, unbezahlte Rechnung wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen. 

  • Ältere Menschen staunen, wie rasch und umwälzend sich die Welt seit ihrer Kindheit verändert hat und dies nicht nur zum Guten. 
  • Jüngere Menschen staunen, welch hohen Preis wir für unseren wachstumsorientierten Lebensstil bereits bezahlt haben und noch zu zahlen haben, sollte es unverändert so weitergehen.

Der überbordende Konsum ist möglich, weil wir den Preis dafür nur zu einem kleinen Teil selber zahlen.

Der Hauptanteil geht auf Kosten der Natur, ein weiterer Teil zahlen Menschen in andern Regionen der Welt und zukünftig zahlen unsere Kinder und Enkelkinder dafür.

Der stetig wachsende Konsum von uns allen ist der Motor, der das stetige Wachstum unserer Wirtschaft antreibt. 

Der damit verbundene grosse Verschleiss der Natur bedroht jetzt aber die Lebensgrundlage von uns Menschen auf der Erde. Das bedeutet, wir müssen so rasch als möglich den Konsum zurückfahren. 
 studioworkstock | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Fünftens

Saubere und effiziente Technologie anwenden 

© alexwhite | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Veraltete, umweltschädliche und ineffiziente Produktionen müssen rasch mit neuen Technologien ersetzt werden.

Wir unterliegen aber einem grossen Trugschluss, wenn wir denken, mit zunehmender technologischer Effizienzsteigerung unseren gewohnten Lebensstil unverändert weiterführen zu können. 

Denn die grossen Auswirkungen auf unsere Umwelt durch unseren überbordenden Konsum und das rasante Bevölkerungswachstum können nur teilweise mit technologischen Verbesserungen kompensiert werden. 


Sechstens

Digitalisierung in den Dienst der globalen Nachhaltigkeit stellen 

© Mopic | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Es ist zu befürchten, dass mit der digitalen Technologie vorerst Natur und Mensch noch effizienter ausgebeutet werden - jedenfalls solange die Politik im Abseits steht.

Es fehlen bisher - bildlich gesprochen - ein 'Algorithmus zum Wohl von uns Menschen' und ein 'Algorithmus zum Schutz der Natur'.

Der Schulterschluss von digitalem Fortschritt und kapitalistischer Ideologie in einer durchmonetarisierten Gesellschaft führt offensichtlich zu einer Konzentration von Macht bei einigen wenigen, meist privaten, Akteuren [..].

Zur Lösung der richtig grossen Probleme [..] hat die Digitalisierung aber so viel wie noch nichts beigetragen. Weil normalerweise nur Ideen auf den Markt kommen, die auch zu Geld gemacht werden können. Die meisten dringlichen Probleme aber sind Probleme, die die Armen betreffen.
Jonas Lüscher, Schriftsteller -
Interview Tages-Anzeiger, 2017

Dazu ein Beispiel einer Entwicklung mit schwerwiegenden Folgen auch für unsere Demokratien:

*****
Wir müssen rasch handeln, dabei aber einen kühlen Kopf bewahren. Wir brauchen eine besonnene Politik ohne Untergangsszenarien, ohne Ideologien und ohne Einzelinteressen. 

© Dirk Ercken | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Die konkreten Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung sind zur Hauptsache folgende Neuausrichtungen, die alle eng miteinander verknüpft sind:
Quelle: Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschafter. Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

  • Wohlstands- und Konsumwende
    Die Frage ist, wie Suffizienz - eine «Kultur des Genug» - möglich ist und wie die Ausbildung einer solchen Kultur mit Rahmenbedingen von der Politik unterstützt werden kann.

  • Energiewende
    Das Ziel der Energiewende ist nur dann zu erreichen, wenn die Umstellung auf erneuerbare Energie zusammengeht mit einer Energiesuffizienz und einer Energieeffizienz. 
  • Ressourcenwende
    Nur wenn der Ressourcenverbrauch pro Kopf um den Faktor 4 bis 5 reduziert wird, bleibt die Menschheit langfristig innerhalb der planetaren Grenzen.
  • Mobilitätswende
    Die Mobilitätswende ist eng mit der Energiewende und der Ressourcenwende verknüpft und braucht damit mehr als nur technologische Entwicklungen.
  • Ernährungswende
    Die heutige Nahrungsmittelproduktion ist für einen wichtigen Anteil der globalen Ressourcen- und CO2 - Belastungen verantwortlich. 30 % der konsumbedingten Umweltbelastungen in Europa werden durch unser Essverhalten verursacht. 
    Der Konsum von Fleisch und Fisch muss markant reduziert werden.
  • Urbane Wende
    Mitte dieses Jahrhunderts werden rund 80 % aller Menschen weltweit in Städten leben. Für die nachhaltige Entwicklung insgesamt ist die Art und Weise der Stadtentwicklung deshalb von zentraler Bedeutung.*)
  • Industrielle Wende
    Zwei Ziele sind hier vorrangig: Die Decarbonisierung [CO2 - Ausstoss stoppen] und die Kreislaufwirtschaft. Dazu braucht es technologische Innovation, Kooperation und eine innovative politische Rahmensetzung.

*) Kopenhagen: Die Hauptstadt Dänemarks will im Jahr 2025 die erste klimaneutrale [CO2-neutrale] Stadt der Welt sein.

*) Zürich: Die Bevölkerung der grössten Stadt der Schweiz hat in einer Volksabstimmung beschlossen, den Weg hin zu einer «2'000-Watt-Gesellschaft» zu gehen. Ziel ist es, den Energieverbrauch pro Kopf allmählich von heute 4'200 auf 2'000 Watt Dauerleistung zu senken sowie pro Person und Jahr höchstens eine Tonne CO2 zu verursachen.


© Jane0606 | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Es eilt sehr. Ein Systemkollaps ist eine reale Gefahr. [..] Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen bedingt durch das rasante Bevölkerungswachstum, die Übernutzung der Ressourcen und die damit einhergehende Verschmutzung, den Verlust der Biodiversität, und insgesamt erleben wir einen schleichenden Verlust der Lebensgrundlagen.
Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman - 
Wir sind dran. 2017

Der Bericht Grenzen des Wachstums an den Club of Rome befasste sich bereits 1972 mit der Zukunft der Weltwirtschaft und äusserte damals die düstere Prognose, wonach 

die absolute Wachstumsgrenze auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht wird, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält. 

© ittipon | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

Einige Verwerfungen auf unserer Erde nehmen ein bedrohliches Ausmass an. 


«Notsituation» Klima 

30 Jahre lang haben wir die Forschungsergebnisse der Wissenschaft und ihre Prognosen zum Klimawandel ignoriert.

Jetzt haben wir die Gewissheit, dass der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auch auf uns Menschen nicht mehr aufzuhalten ist.

Wenn wir heute handeln und bis 2050 den CO- Ausstoss durch fossile Brennstoffe weltweit gegen null reduzieren, können wir das Schlimmste noch verhindern.

Voraussichtlich schon bald werden wir mit einem feindlichen Klima konfrontiert sein. Millionen von Menschen weltweit werden ihre Heimat verlassen müssen, weil diese überflutet oder durch lang andauernde Trockenheit nicht mehr bewohnbar ist.

© Avivi Aharon | Shutterstock, Inc. [US] 2018    

Der neueste Bericht an den Club of Rome 'Wir sind dran' von 2017 beschreibt den Status quo und ist gleichsam eine Agenda für gesellschaftlich relevante und mögliche Schritte der nächsten Jahre. 

Es wird davon ausgegangen, dass wir heute genügend neues Wissen für die erforderlichen Veränderungen zum Erhalt unserer Welt haben. 

Wir hören immer wieder den Einwand: 'Alles halb so schlimm. Die Natur wird es richten und eine wie auch immer geartete 'Sintflut' über die Menschheit bringen und damit das Problem der grossen Weltbevölkerung erledigen.

Auch wenn ein solches Szenario nicht auszuschliessen ist, diese Haltung ist lediglich ein kläglicher Versuch, sich aus der heutigen Verantwortung zu stehlen. 


Die Zeit drängt. 

Erst dann vermutlich, wenn der Druck von unten - von uns Bürgern und Bürgerinnen - auf die Politik und Entscheidungsträger wächst, wird der Umwelt- und Klimaschutz den Durchbruch schaffen.


1. CO2 - Ausstoss stoppen
Umbau des globalen Energiesektors
Sofortiger Schutz des Klimas 

© Ranglen | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die Erderwärmung und damit der Klimawandel schreiten sehr schnell voran.

Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2  °C erfordert eine rapide Dekarbonisierung der Weltwirtschaft.

Scheitert dieses Vorhaben, hat das schwerwiegende Folgen für die zukünftigen Generationen.

2. Konsum zurückfahren

© Ljupco Smokovski | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und den masslosen Konsum zurückfahren. 

Der Verschleiss der Natur durch unsere konsumorientierte Lebensweise ist zu gross und gefährdet unsere Lebensgrundlage. 

Sehr oft konsumieren wir gar nicht, was wir wirklich brauchen.

Vier von fünf Menschen richten den Konsum weniger nach ihren eigenen Bedürfnissen aus, sondern kaufen vielmehr, was ihre Freunde, Verwandten, Nachbarn oder Arbeitskollegen haben. 

In Europa hat sich schon früh in der Geschichte eine Konsumkultur herausgebildet, die den Lebensstil mit dem größten Naturverbrauch gesellschaftlich am meisten honoriert.

Drei mächtige Statussymbole bestimmen noch immer unser Konsumverhalten.

© Thomas Soellner | Shutterstock, Inc. [US] 2018

  • Grosses Auto
    Seit jeher gilt ein grosses Vehikel als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Kutschen von wenigen, dann der Rolls-Royce von einigen, der amerikanische Chevrolet von vielen und heute die immer grösseren Auto von fast allen Leuten.

    In der Schweiz z.B. fahren immer mehr Leute - sogar in den Städten - mit einem grossen Off-Road-Auto [SUV] zur Arbeit und zum Einkaufen. Mit grossem Mehrverbrauch an Benzin.

  • Grosser Konsum von Fleisch und Fisch
    Seit jeher gilt grosser Fleischkonsum als mächtiges Statussymbol. Zuerst waren es die Gelage in den Palästen von wenigen [vor 200 Jahren hatten in Europa über 90 % aller Menschen in der Regel kein Fleisch zum Essen], dann das häufige Fleischessen in teuren Restaurants von vielen und heute das tägliche Fleischessen von fast allen Leuten.

    Zudem essen wir heute fast nur noch die besseren Stücke der geschlachteten Tiere, der andere Teil wird weggeworfen.

    Für 1 kg Rindfleisch braucht es rund 33 Quadratmeter landwirtschaftliche Bodenfläche, für 1 kg Kartoffeln dagegen nur 0.3 Quadratmeter. 

    Der Fischkonsum pro Kopf hat sich weltweit seit 1960 verdoppelt und schätzungsweise ein Drittel aller gefangenen Fische gelangt in den Abfall.

  • Grosser Wohnraum
    Seit jeher gilt grosser Wohnraum als mächtiges Statussymbol. Früher waren es die Prunk-Schlösser von wenigen, dann die grossen Villen von einigen, das Eigenheim von vielen und heute die grossen Wohnungen von fast allen Leuten.

    Die Wohnfläche pro Einwohner z.B. in Deutschland hat sich in weniger als 50 Jahren von 26 auf 46 Quadratmeter im Jahr 2014 fast verdoppelt.

    Das bedeutet eine grosse Zunahme an Energieverbrauch beim Heizen und ein grosser Folgekonsum wie dem Kauf von Möbeln und vielen zusätzlichen Wohnungseinrichtungen.

Alle drei Statussymbole haben grosse Auswirkungen auf unsere Umwelt.

© Dariusz Jarzabek | Shutterstock, Inc. [US] 2018   © puhhha | Shutterstock, Inc. [US] 2018   © Jenny Sturm | Shutterstock, Inc. [US] 2018

3. Saubere und effiziente Technologien einsetzen

© art4all | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Die Auswirkungen durch unseren stetig wachsenden Konsum und das Wachstum der Weltbevölkerung können nur teilweise mit technologischen Lösungen kompensiert werden.

Wir brauchen jetzt beides: die rasche Umsetzung von sauberer Technologie und die nachhaltige Lebensweise von uns in den reichen Ländern. Nur so können wir die Schieflage unseres Planeten korrigieren.

© Macrovector | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Die Politik ist gefordert.

Sie muss die Rahmenbedingungen für die zukünftig nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft sehr bald festlegen und durchsetzen.

Wir Politiker wissen, was zu tun ist. Aber wenn wir es tun, wissen wir nicht, wie wir wiedergewählt werden. 
EU-Kommissionspräsident Juncker.

Die Politik kann ihre Verantwortung oft kaum noch wahrnehmen, da sie den immer rascheren technologischen Entwicklungen wie z.B. der Digitalisierung und der Eigendynamik der Wirtschaft mit dem immer mächtigeren Finanzsektor weit hinterher hinkt.

Zudem sind noch viele Politiker der Ansicht, der freie Wettbewerb und der freie Markt seien die besten Instrumente für die Wirtschaft und zur Lösung der grossen Probleme unserer weltweiten - ökologischen und sozialen - Krise.

Das massive Lobbying von mächtigen Wirtschaftsvertretern mit ihren Einzelinteressen in unseren Parlamenten verhindert noch allzu oft, Massnahmen für ein nachhaltiges Wirtschaften einzuleiten. Es wird dann auf Freiwilligkeit der Akteure gesetzt und damit viel wertvolle Zeit verloren - denn die Zeit drängt.

Es dürfen zudem umweltschädliche Aktivitäten unserer Wirtschaft nicht mehr länger mit dem Argument der Arbeitsplatzerhaltung am Leben erhalten bleiben.


© MaDedee | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Aus freien Stücken nachhaltig leben, ist neu für uns Menschen. 

In der Vergangenheit lebten die Menschen weitgehend nachhaltig. Und auch heute lebt ein grosser Teil der Menschheit nahezu nachhaltig. Aber sie taten und tun dies nicht freiwillig. Sie sind ganz einfach durch äussere Lebensumstände dazu gezwungen. Es besteht für diese Menschen keine Wahlfreiheit

Wir Menschen in den reichen Ländern hingegen können und müssen uns entscheiden: 
Wollen wir weitermachen wie bisher oder wollen wir unseren überbordenden Konsum drosseln?

Es braucht jetzt verantwortungsvolle und engagierte Menschen, die aus freien Stücken anfangen nachhaltig zu leben. Sie zeigen uns Anderen wie ein nachhaltiges Leben - ganz ohne Lebensqualität einzubüssen - auch in der modernen Gesellschaft möglich ist. 

Die Zeit wird knapp

Wir können nicht einfach zuwarten, bis wir in der Mehrheit unser Verhalten freiwillig ändern. Das dauert zu lange angesichts der bedrohten Lebensgrundlage von uns Menschen. 

Die Politik muss jetzt Rahmenbedingungen festlegen, damit unser Wirtschaftssystem sich von der reinen Wachstumsstrategie verabschiedet und prioritär auf eine Nachhaltigkeitsstrategie setzt.
Unsere heutige Wirtschaft benötigt Wachstum, unabhängig davon, ob es den Menschen nutzt. Wir brauchen aber eine Wirtschaft, die den Menschen nutzt, unabhängig davon, ob sie wächst oder nicht.
Kate Raworth. Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. 2017

  © Lisa S. | Shutterstock, Inc. [US] 2018 
© Spectral-Design | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Drei erste Sofortmassnahmen sind z.B.:

1. Griffige Gesetze erlassen, damit der CO2 - Ausstoss rasch und bis im Jahr 2050 gegen Null reduziert wird.

2. Staatliche Subventionen für Ressourcenverbrauch stoppen.

Die fossilen Brennstoffe z.B. werden weltweit mit dem unvorstellbaren Betrag in der Höhe von 6.5 % des globalen Bruttoinlandprodukts BIP [= gesamte globale Wirtschaftsleistung] subventioniert.
Quelle: Internationaler Währungsfond IWF, Studie 2015

Der Preis für Kerosin z.B. wird in fast jedem Land mit Subventionen in Milliardenhöhe künstlich verbilligt. Ohne diese und weitere Subventionen wäre aber kaum eine Fluggesellschaft auf der Welt - nach rein ökonomischen Kriterien bemessen - überlebensfähig. 

3. Verursacherprinzip generell anwenden. 

Das Verursacherprinzip ist ein umweltrechtlicher Grundsatz, welcher besagt, dass die Kosten von Massnahmen zum Schutz der Umwelt von den Verursachern zu tragen sind. Wer der Umwelt Schaden zuführt, muss dafür aufkommen. 

*****

«Nicht Gewinne müssen versteuert werden, sondern der Verbrauch von Ressourcen».
Pavan Sukhdev, Präsident des WWF. 


© Sasin Paraksa | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Wir wohlhabenden Menschen leben gerne nach dem Motto: 

Bio-Gemüse kaufen und um die Welt jetten. 

«Wenn im Mittelpunkt des Reisens kulturelle Begegnungen stehen, sollen alle Menschen gerne reisen. Dann aber in anderer Form. Länger am Ort bleiben, um wirklich mit einer Kultur in Kontakt zu kommen. 

Das Schlimme ist der kurze Flug für einen Tag nach Paris, dann drei Wochen nach Thailand. Das sind in erster Linie Konsumerlebnisse und damit Teile einer wirtschaftlichen und nicht einer kulturellen Globalisierung. 

Diese Konsumreisen werden wir uns aus ökologischen Gründen auf Dauer nicht leisten können...» 
Aus dem Interview mit Umweltpsychologe Marcel Hunecke. Tages-Anzeiger, 05.02.2019.


Beispiel 1
Ressourcenverbrauch

Der Ressourcenverbrauch von Menschen mit hohem Umweltbewusstsein und guter Bildung liegt oft weit über dem Durchschnitt. Der Grund ist wohl ein meist höheres Einkommen. 


Beispiel 2
CO2 - Ausstoss global

Wie sieht es aus beim aktuellen Klimaschutz - bei der angestrebten globalen Reduktion des CO2-Ausstosses zur Verhinderung einer grossen Erderwärmung? 

Eine Reduktion findet [noch] nicht statt, die globalen Treibhausgas-Emissionen steigen weiter an.

Quelle: International Energy Agency/Global Carbon Project 2018 

Auch in der Europäischen Union ist der Treibhausgas-Ausstoss aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas das dritte Jahr in Folge gestiegen - 2017 um 1.8 Prozent.

Welche Kräfte sind aktuell im Spiel? - Die Heuchelei der fossilen Industrie. 2018


Beispiel 3
CO2 - Ausstoss der Schweiz

Der CO2 - Ausstoss in der Schweiz beträgt 4.5 Tonnen pro Kopf und Jahr. Wird aber der im Ausland verursachte CO2 - Ausstoss dazugerechnet, sind es dreimal mehr, nämlich 14 Tonnen pro Kopf und Jahr. 

© Daniilantiq | Shutterstock, Inc. [US] 2019   

Das Schweizerische Bundesamtes für Umwelt zeigt in «Kohlenstoffrisiken: Erste Studie für den Finanzplatz Schweiz» [2015] auf, dass zum heutigen Zeitpunkt der Schweizer Aktienfondsmarkt Emissionen von gut 52 Millionen Tonnen CO2 - Äquivalente im Ausland finanziert. Dies entspricht in etwa dem gesamten CO2 - Ausstoss in der Schweiz von einem Jahr.


Beispiel 4
Autoverkehr

Wir kaufen ein «umweltfreundliches» Auto, das weniger Benzin verbraucht. Das ist gut so! Aber: Mit dem Kauf eines immer grösseren Autos und dem vermehrten Autofahren wird der gute Effekt für unsere Natur gleich wieder zunichte gemacht. 

© Grisha Bruev | Shutterstock, Inc. [US] 2019  

Hier spricht man vom sog. Rebound-Effekt. Dieser bezeichnet das unerwünschte Phänomen, dass Einsparungen durch Effizienzsteigerung nicht wie erwartet eintreten: Die geplante Einsparung wird nur zum Teil oder gar nicht wirksam. Die Ursache des Rebound ist ein verändertes Nutzerverhalten:

Beispiel 1: Wenn eine Energiesparlampe weniger Energie als eine herkömmliche Glühbirne verbraucht, lasse ich sie länger brennen oder nehme zusätzliche Leuchten in Betrieb. 

Beispiel 2: Wenn ich ein Auto mit geringem Spritverbrauch kaufe, habe ich ein gutes «ökologisches Gefühl» und stelle nach einer gewissen Zeit fest, dass ich mit diesem Auto mehr fahre.

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Beispiel 5
Flugverkehr

Wir steigen immer mehr ins Flugzeug. Global betrachtet war das Jahr 2017 ein Rekordjahr. Erstmals sind über 4 Milliarden Passagiere transportiert worden. Tendenz steigend. In nur 10 Jahren - seit 2006 - hat sich die Anzahl Flugpassagiere damit beinahe verdoppelt. 

Die Prognosen der Europäischen Union gehen davon aus, dass der internationale Flugverkehr bis ins Jahr 2050 ums Siebenfache zunehmen wird und die Emissionen sollen um den Faktor 4 ansteigen.

Laut WWF ist die Schweizer Luftfahrt bereits heute zu über 18 Prozent für den Klimaeffekt unseres Landes verantwortlich.

Vergessen wir aber nicht:
Rund 90 Prozent aller Menschen auf der Welt sind noch nie in ein Flugzeug gestiegen.

© Pixabay 2018  


Beispiel 6
Abfall

Wir in der Schweiz z.B. recyceln gut 50 Prozent unseres Abfalls. Das ist gut so! Aber: Gleichzeitig ist der gesamte Abfall [der rezyklierte und in die Müllverbrennung/Deponie gelangende Abfall] aus dem Haushalt von uns allen stetig angestiegen.

© Paperboat | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Die ersten beiden Zielsetzungen, nämlich Abfall vermeiden und die Dinge wiederverwenden sind wir bisher kaum angegangen. 

Denn nur die drittbeste Massnahme - das Recycling - erlaubt uns, wie bisher und ungebremst weiter zu konsumieren.

Nicht der Abfall, sondern das Konsumverhalten ist unser Hauptproblem.


Beispiel 7
Landwirtschaft

Die Bauern in der Schweiz zum Beispiel - ursprünglich naturnah und nachhaltig wirtschaftend - setzen heute mit der intensiven, industriellen Produktionsweise die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und 
die Fruchtbarkeit der Ackerböden 
mittelfristig und leichtfertig aufs Spiel. Einher geht in den vergangenen Jahren ein rasanter 
Abbau der Artenvielfalt.

© oticki | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Nicht genug: Um den riesigen Viehbestand in der Schweiz mästen zu können, wird im Ausland für den Import von Futtermitteln zusätzlich eine Ackerfläche 2/3 mal so gross wie die Ackerfläche im Inland beansprucht! 

Dessen ungeachtet: Die staatlichen Subventionen an die Schweizer Landwirtschaft gehören weiterhin zu den höchsten weltweit. 

Greenpeace Schweiz - Vision für die Schweizer Landwirtschaft.


© Kevin_Hsieh | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Die Frage, was denn jeder Einzelne von uns tun kann, um für eine nachhaltigere Welt zu sorgen, ist nicht einfach zu beantworten.

Vielleicht können wir Einzelne am meisten bewirken,

  • wenn wir andere Menschen auf den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung mitnehmen,
  • wenn wir gemeinschaftlich agieren und uns lokal und weltweit vernetzen,
  • wenn wir auf grundlegende Veränderungen in der Politik drängen, damit sie wieder auf die Stimme der Menschen und nicht nur auf die Stimme der grossen Unternehmen und Banken hört.
  • wenn wir unseren kollektiven Konsum um nur zehn Prozent herunterfahren, denn das hätte bereits grosse Auswirkungen auch auf viele der umweltschädlichsten Aktivitäten unserer Wirtschaft.

Wir müssen unser Leben nicht völlig umkrempeln, aber unseren Lebensstil geschickt den neuen Umständen anpassen und auch lieb gewonnene Verhaltensweisen überdenken.

Wir werden beim Umwelt- und Klimaschutz oft nicht aktiv, weil wir folgende Tatsache weit unterschätzen:

Mein ganz persönlicher Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, und sei er noch so klein, erzielt zusammen mit dem Beitrag aller anderen aktiven Menschen eine grosse Wirkung.

Wenn beispielsweise jeder Schweizer und jede Schweizerin [ = 8 Millionen Menschen] an einem Tag pro Woche kein Fleisch essen, müssen im Jahr mindestens 300'000 Schweine, 8'000'000 Hühner und 25'000 Rinder weniger gemästet und geschlachtet werden.

Wenn beispielsweise jeder Haushalt in Grossbritannien nur eine einzige alte Glühbirne durch eine LED ersetzt, dann kann ein Kohlekraftwerk stillgelegt werden.

Jeder von uns kann sofort vier Massnahmen ergreifen und leistet damit einen hoch wirksamen Beitrag zum Schutze der Umwelt.

© laymanzoom | Shutterstock, Inc. [US] 2018   

1. Nur das und nur so viel konsumieren, wie ich wirklich brauche. 


© ra2studio | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

2. Weniger ins Auto und ins Flugzeug sitzen.


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3. Weniger Fleisch essen.


© StockLite | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

4. Weniger heizen und weniger Wohnraum beanspruchen.

Weniger konsumieren, weniger Autofahren, weniger Fliegen, weniger Fleisch essen und weniger Heizen - damit können wir gleich heute anfangen, nur unseren Wohnraum können wir in der Regel nicht sofort anpassen. 

© Aquir | Shutterstock, Inc. [US] 2019

Der Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft kann für die Menschen z.B. in der Schweiz bedeuten:

  1. Den CO2 - Ausstoss von heute durchschnittlich 14 Tonnen bis spätestens im Jahr 2050 auf 1 - 2 Tonnen pro Kopf und Jahr reduzieren.
    Hier mit dem CO2 - Sparometer meinen CO2-Austoss berechnen.

  2. Den Ressourcen - Verbrauch von heute durchschnittlich 30 Tonnen längerfristig auf rund 8 Tonnen pro Kopf und Jahr reduzieren.
    Hier mit dem Ressourcen - Rechner meinen ökologischen Rucksack berechnen.

  3. Den Energie - Verbrauch von heute durchschnittlich 6'000 Watt Dauerleistung längerfristig auf rund 2'000 Watt pro Kopf und Jahr reduzieren. 


 © Wision | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Erstens

Meinen Konsum im Alltag, auf Reisen, in den Ferien und in der Freizeihinterfragen. 

Zusätzlich zu meinem täglichen Grundbedarf nur das konsumieren, was mir einen echten Mehrwert bringt. 

Mir die hochaktuelle Frage stellen: 


Im gleichnamigen Buch beschreibt Erich Fromm die Voraussetzungen für einen fundamentalen Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um die gegenwärtige Krise zu überwinden und von einer Orientierung am Haben zu einer am Sein zu gelangen. 
Erich Fromm. 
Haben oder Sein? 1976. 


Zweitens 

Meinen Lebensstil auf eine gute Balance zwischen Qualität und Quantität ausrichten. 

© docstockmedia | Shutterstock, Inc. [US] 2018 

Der konsumorientierte Lebensstil in den reichen Ländern wird zwar von sehr vielen Menschen weltweit angestrebt, ist vermutlich aber doch keine attraktive Option für unsere Kinder und Enkelkinder:

  • erstens, weil wir dadurch der Natur grosse und teilweise irreversible Schäden zufügen und davon viele Menschen in andern Regionen der Welt zuallererst betroffen sind. 
  • zweitens, weil der Preis, den wir in unserem Leben dafür zahlen, im Vergleich zum gewonnenen Nutzen unverhältnismässig hoch ist, was sich am Leiden so vieler wohlhabender Menschen in den Industrieländern zunehmend bemerkbar macht. 

Es stellt sich uns in diesem Zusammenhang die Frage:

Welche Lebensphilosophie steht eigentlich hinter der Unersättlichkeit von uns, die wir so hartnäckig und dabei so leidenschaftslos und missmutig auf Kosten anderer und der Umwelt leben?
Gabriela Simon. Mehr Genuss! Mehr Faulheit! Mehr Schlendrian!  Die Zeit Nr. 42/1992

Drittens

Mehr auf die Umwelt achten. 

© pathdoc | Shutterstock, Inc. [US] 2018  

Zum Beispiel mit 


Viertens

Den Reichtum der Natur erleben. 

Echte Naturverbundenheit ist wohl die beste Voraussetzung, mein Leben nachhaltig zu gestalten.

Melinda in Firiteaz, Rumänien 2018 

Es reicht bei weitem nicht aus, am TV gute Naturfilme anzuschauen, mit dem Auto durch schöne Landschaften zu fahren oder mich über Ökologie zu informieren. 

Die Meldungen von irgendwelchen Umweltkatastrophen irgendwo auf der Welt, wie wir sie täglich lesen oder hören, machen uns kaum noch betroffen. 

Betroffensein ist aber wesentlich für uns Menschen, damit wir Veränderungen im Leben angehen.

Wir alle - und vor allem unsere Kinder - brauchen deshalb draussen in der «reichen» Natur ganz persönliche Erlebnisse. 

Wenn ich das vollendete Zusammenspiel der Lebewesen und ihre Schönheit entdecke, erfahre ich mich als Teil der grossen Natur und trage spontan Sorge zur Umwelt. 

© Pure Sight lab | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Konrad Adenauer Stiftung, Analysen & Argumente Nr. 315 / September 2018.


Fünftens

Nachhaltig leben
Mein dreifacher Nutzen. 

1. Ich richte das Leben besser auf meinen Bedarf aus.
2. Ich belaste unsere Umwelt weniger.
3. Ich spare Geld und gewinne Zeit zu leben.

© Vjom | Shutterstock, Inc. [US] 2018  


Ganz allgemein

Es herrscht die weit verbreitete Meinung, nachhaltig leben bedeute bitterer Verzicht und Verlust an Lebensfreude. Das Gegenteil trifft zu.

Wir brauchen keine Kultur des Verzichts, wir brauchen eine Kultur des Geniessens dank weniger Konsum. 

© Rawpixel.com | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Nachhaltig leben heisst nicht, dass ich mir jeden Tag und überall den Kopf über Umweltprobleme zerbreche.

Nachhaltig leben ist ein Lernprozess, der all unsere Kreativität fordert und uns neue Chancen eröffnet.

Unsere Kinder und Enkelkinder sind dankbar, wenn wir ihnen eine intakte Welt hinterlassen, damit auch sie ihr Leben eigenverantwortlich und frei gestalten können.


© Sunny studio | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Zuletzt und nicht ganz ernst gemeint 

Erst wenn der letzte Baum gerodet, 
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden wir merken, dass man Geld nicht essen kann.
Quelle: Unbekannt

Schliesslich und endlich


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