Nachhaltig

Für eine lebenswerte Zukunft

FAQs


Nachhaltigkeit

Nachhaltig leben - wie denn?

"Wie kann ich nachhaltig leben?" ist eine Frage, die viele Menschen umtreibt. Es gibt mindestens zwei Hauptgründe, warum diese scheinbar einfache Frage so schwer zu beantworten ist:

Wie lebe ich nachhaltig?

Eine wichtige Rolle, die Menschen spielen können, besteht darin, sich selbst sowie ihren Freunden und Familien zu helfen, positiv zu bleiben und nicht in Verzweiflung zu verfallen.

Die grosse Herausforderung in der aktuellen Situation wird nämlich vor allem mentaler Natur sein. Es wird nicht einfach sein, angesichts so grosser Schwierigkeiten nicht den Mut zu verlieren. Optimistisch zu bleiben ist nicht leicht, wenn es so viel gibt, das uns Sorge bereitet, ob es nun Zugang zum Wasser, sinkende Lebensstandards oder beängstigende Wetterextreme sind.

Einzelpersonen können nur dann echte Veränderungen bewirken, wenn sie gemeinschaftlich agieren, als Aktivisten, Aktionäre und Wähler. Sie können auf Veränderungen in der Politik und im Bildungssystem drängen. Sie können verlangen, dass die Kosten der erforderlichen Wende gerecht aufgeteilt werden, sodass die Reichen mehr bezahlen als die Armen. Sie können sich zur Wahl stellen.

Wir brauchen sowohl eine Transformation des Systems als auch individuelle Verhaltensänderungen. Das eine ohne das andere wird uns nicht im erforderlichen Tempo zum notwendigen Umfang der Veränderungen führen.

Vielleicht können wir Einzelne am meisten bewirken,

  • wenn wir andere Menschen auf den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung mitnehmen,
  • wenn wir gemeinschaftlich agieren und uns lokal und weltweit vernetzen,
  • wenn wir auf grundlegende Veränderungen in der Politik drängen, damit sie wieder auf die Stimme der Menschen und nicht nur auf die Stimme der grossen Unternehmen und Banken hört.
  • wenn wir unseren kollektiven Konsum um nur zehn Prozent herunterfahren, denn das hätte bereits grosse Auswirkungen auch auf viele der umweltschädlichsten Aktivitäten unserer Wirtschaft.
    Auf unzähligen Websites gibt es zudem gute Tipps für den praktischen Alltag - hier drei Beispiele:

Will man mehr als nur in seinem praktischen Alltag etwas tun und aktiv werden, dann empfiehlt es sich, aus den unzähligen Möglichkeiten eine Sache zu wählen, voll und ganz und gemeinsam mit andern Menschen daran zu arbeiten - im Wissen darum, dass es auf der Welt viele Menschen gibt, die sich auch für diese Sache einsetzen. 

Was ist die Definition von Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, sowohl in Politik, Wirtschaft und im Privaten. Jeder kann sich unter dem Begriff etwas vorstellen und setzt dabei andere Schwerpunkte. Der Begriff läuft somit Gefahr, Alles und Nichts zu bedeuten.

Das kurze Animationsvideo von Stepscenter erklärt Nachhaltigkeit leicht verständlich und umfassend:

What are Pathways to Sustainability?

Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Nachhaltigkeit ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.

Nachhaltigkeit bedeutet - auf eine prägnante Formel gebracht - gutes Leben für rund zehn Milliarden Menschen innerhalb der ökologischen Grenzen auf unserem Planeten.

Nachhaltigkeit ist ein Leitkonzept, um humane Lebensbedingungen für alle Menschen weltweit heute und in Zukunft sicherzustellen und zu fördern sowie dazu beizutragen, dass die dafür notwendigen natürlichen Lebensgrundlagen wiederhergestellt und erhalten werden. 

So einfach diese Definitionen auch lauten, so schwer ist es noch immer, ein einheitliches, gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit zu erlangen. 

Aber ohne ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit ist die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft auf globaler Ebene kaum zu bewältigen.

Was sind die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung?

1) Es sind die 17 Ziele der UNO Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung, die von 193 Staaten im Jahr 2015 unterschrieben wurden:

  1. Armut überwinden
  2. Hunger beenden und gesunde Ernährung sichern
  3. Gesundheit und Wohlergehen steigern
  4. Hochwertige Bildung garantieren
  5. Geschlechtergerechtigkeit garantieren
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen garantieren
  7. Bezahlbare und saubere Energie bereitstellen
  8. Menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastrukturen nachhaltig erneuern
  10. Ungleichheit zwischen und in Ländern abbauen
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden entwickeln
  12. Nachhaltiger Konsum und Produktion
  13. Massnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser erhalten
  15. Leben an Land unterhalten
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Dabei ergeben sich drei grundsätzliche Fragen für eine gute Politikgestaltung im 21. Jahrhundert: Welche Bedürfnisse haben wir? Wie sehen die Umstände aus? Welche Ressourcen sind zentral?


2) Die Ziele des Pariser Klima-Übereinkommens von 2015. 195 Statten verpflichten sich, den Klimawandel einzudämmen und die Weltwirtschaft klimafreundlich umzugestalten.

Die drei Hauptziele des Abkommens sind:

1. Beschränkung des Anstiegs der weltweiten Durchschnittstemperatur auf 1,5°C oder deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten.

2. Beschränkung des weltweiten Treibhausgas-Ausstosses.

3. Anpassungen an den Klimawandel und Lenkung von Finanzmitteln im Einklang mit Klimaschutzzielen.


3) Die wegweisende Abschlusserklärung der 15. UN-Biodiversitätskonferenz 2022, unterzeichnet von 188 Staaten, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen sowie der Binnengewässer unter Schutz zu stellen.

Sind wir nachhaltig unterwegs?

Nein, wir sind noch nicht nachhaltig unterwegs. Innerhalb der Lebenszeit einer einzigen Generation ist die Weltbevölkerung um das 4-fache, der CO2-Ausstoss um das 7-fache, der Ressourcenverbrauch um das 8-fache und der Energieverbrauch um das 10-fache angestiegen.

Aktuell sind nur 12 % der 17 Ziele (SDGs) der UNO Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung auf dem richtigen Weg. Die Fortschritte bei 50 % sind schwach und unzureichend. Mehr als 30 % der SDGs sind ins Stocken geraten oder haben den Rückwärtsgang eingelegt.

Wir müssen also unsere Art zu wirtschaften und zu konsumieren dringend und grundlegend ändern, um zukünftig eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Eine solche ist wohl nur erreichbar mit

  • einer Transformation weg von der heutigen linearen Wirtschaft (produzieren - verbrauchen - wegwerfen) hin zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft (Materialien länger nutzen – Recycling fördern – Ressourcenverbrauch reduzieren),
  • dem gleichzeitigen Zurückfahren des Überkonsums,
  • der raschen Reduktion der Treibhausgas - Emissionen,
  • einer grundlegenden Änderung der Art und Weise, wie wir Land bewirtschaften.

Wir stehen vor der Herkulesaufgabe, die grundlegenden Bedürfnisse von bald 9 bis 10 Milliarden Menschen zu befriedigen und gleichzeitig die ökologischen Grenzen der Erde einzuhalten.

Warum fällt es uns so schwer, nachhaltig zu handeln - und was wären die Neuausrichtungen?

Die Ursachen sind vielfältig. Es sind z.B. psychologische Faktoren wie unsere Gewohnheiten, gesellschaftliche Dynamiken wie Normen und Konsumkultur, wirtschaftliche Barrieren wie Kosten und Preisdruck, strukturelle Hürden wie fehlende Infrastruktur und komplexe Umsetzung sowie Wahrnehmungen wie das Gefühl der Ohnmacht und die erst viel später sichtbaren Erfolge.

Es braucht eine Ressourcen-, Energie- und Wohlstandswende - Eckpunkte einer nachhaltigen Entwicklung innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde.

Das Ersetzen des Verbrenner-Auto mit elektrischem Auto und des Kohlekraftwerks mit Windrad und Solarpanel oder das Einkaufen von saisonalem Bio-Gemüse, so wirksam und unerlässlich diese Massnahmen auch sind, reichen sie alleine nicht aus. Es braucht mehr als das Reduzieren der CO2-Emissionen.

Um die Risiken in Zukunft grundlegend zu reduzieren, sind ausserordentliche Kehrtwenden und Neuausrichtungen in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft notwendig - was es uns so schwer macht, auch weil diese Herausforderungen uns schier unlösbar erscheinen.

Die Kehrtwenden sind aber kein Versuch, eine unmöglich realisierbare Utopie zu schaffen. Sie bilden die unverzichtbare Grundlage für eine widerstandsfähigere Zivilisation, die aktuell unter ausserordentlichem Druck steht:

  • Beendigung der Armut
  • Beseitigung der eklatanten Ungleichheit
  • Stärkung der Rolle der Frau
  • Aufbau eines für Menschen und Ökosystem gesunden Nahrungsmittelsystems
  • Übergang zum Einsatz von sauberer Energie

Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung sind zur Hauptsache folgende Neuausrichtungen, die alle eng miteinander verknüpft sind:

  • Wohlstands- und Konsumwende
    Die Frage ist, wie eine «Kultur des Genug» möglich ist und wie die Ausbildung einer solchen Kultur mit Rahmenbedingen von der Politik unterstützt werden kann.
  • Energiewende
    Das Ziel der Energiewende ist nur dann zu erreichen, wenn die Umstellung auf erneuerbare Energie zusammengeht mit Energieeinsparung und grösserer Energieeffizienz.
  • Ressourcenwende
    Nur wenn der Ressourcenverbrauch pro Kopf der Wohlhabenden um den Faktor 4 bis 5 reduziert wird, bleibt die Menschheit langfristig innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen.
  • Mobilitätswende
    Die Mobilitätswende ist eng mit der Energiewende und der Ressourcenwende verknüpft und braucht damit mehr als nur technologische Entwicklungen. Es gilt die Mobilität neu zu denken.
  • Ernährungswende
    Die heutige Nahrungsmittelproduktion ist für einen wichtigen Anteil der globalen Ressourcen- und CO2 - Belastungen verantwortlich. 30 % der konsumbedingten Umweltbelastungen in Europa werden durch unser Essverhalten verursacht. Vordringlich ist, den Konsum von Fleisch und Fisch markant zu reduzieren.
  • Urbane Wende
    Mitte dieses Jahrhunderts werden rund 80 % aller Menschen weltweit in Städten leben. Für die nachhaltige Entwicklung insgesamt ist die Art und Weise der Stadtentwicklung deshalb von zentraler Bedeutung.
  • Industrielle Wende
    Zwei Ziele sind hier vorrangig: Die Decarbonisierung (CO2-Ausstoss reduzieren) und die Kreislaufwirtschaft. Dazu braucht es technologische Innovation, Kooperation und eine innovative politische Rahmensetzung.

Planet Erde

Wie hoch ist die aktuelle Erderwärmung?

Global ist die durchschnittliche Temperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits um rund 1.5 °C angestiegen. Zu beachten ist, dass der Temperaturanstieg über den Landflächen  höher ist als über den Ozeanen, die rund 70 % der Erdoberfläche ausmachen. So beträgt der Temperaturanstieg z.B in der Schweiz bereits 2.9 °C. 

Der Temperaturwandel seit 1850 bis heute wird auf der Website der University of Reading in anschaulichen Grafiken illustriert. Man kann nach Land und Region auswählen:

#ShowYourStripes

Kann der Klimawandel noch aufgehalten werden?

Nein - denn der globale Ausstoss von Treibhausgasen steigt seit Jahrzehnten bis heute jedes Jahr weiter an. Einmal ausgestossen, bleiben diese Treibhausgase für sehr lange Zeit in der Atmosphäre erhalten. Jede zusätzliche Tonne Treibhausgas trägt zu den in den vergangenen Jahrzehnten emittierten Treibhausgasen bei und erhöht die Konzentration in der Atmosphäre weiter.

Darum ist der Schaden, den wir dem Klima zufügen - anders als z.B. bei Finanzkrisen oder Pandemien - nicht umkehrbar. Was wir jetzt versäumen bei der Reduktion des CO2-Ausstosses, kann später nicht mehr aufgeholt werden. Das heisst, auch wenn wir in den kommenden Jahren die Treibhausgas-Emissionen radikal reduzieren würden, steigt die Konzentration in der Atmosphäre trotzdem weiter an und verursacht zusätzliche Erderwärmung.

Wir können den Klimawandel also nicht mehr aufhalten, aber wir können den Anstieg der globalen Erderwärmung bremsen. 

Die Welt befindet sich auf einem etwas weniger gefährlichen Klimapfad als noch vor dem Pariser Klimaabkommen von 2015. Wenn wir jedoch so weitermachen wie bisher, könnte die globale Erwärmung auf 3 °C oder mehr ansteigen, was für Milliarden von Menschen schwerwiegende bis katastrophale Folgen hätte. 

Umso mehr ist entschiedenes Handeln angesagt, den globalen Treibhausgas-Ausstoss in den kommenden Jahren markant zu reduzieren.

Denn jedes Zehntel Grad Celsius weniger Erderwärmung verringert das Leid und Elend der vom Klimawandel betroffenen Menschen erheblich.

Haben wir die Grenzen der Belastung unserer Erde überschritten?

Durch den hohen Energie- und Rohstoffverbrauch und die dadurch verursachten Auswirkungen in der Umwelt, hat unser Planet die Grenzen der Belastbarkeit weitgehend überschritten. Grenzen, die eingehalten werden müssten, damit die Lebensgrundlagen für den Menschen gewahrt bleiben: 

Sieben von neun planetaren Grenzen sind bereits überschritten

Die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen ist für 90 % des weltweiten Verlusts an biologischer Vielfalt, für 50 % der weltweiten Treibhausgasemissionen und für über 30 % der durch Luftverschmutzung verursachten Gesundheitsschäden verantwortlich.

Trotz Bestrebungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft, ist der Anteil wiederverwerteter Materialien am Gesamtverbrauch aller Materialien in den Jahren 2019 bis 2023 global von 9 % auf 7 % gesunken. 

Die dreifache planetarische Krise aus Klimawandel, Naturverlust und Umweltverschmutzung wird durch den nicht nachhaltigen Konsum und die nicht nachhaltige Produktion verursacht. 

Die Reduzierung der Ressourcenintensität von Ernährung, Mobilität, Wohnen und Energiesystemen ist wohl der einzige Weg, um die Nachhaltigkeitsziele, die Klimaziele und letztlich einen gerechten und lebenswerten Planeten für alle zu erreichen. 

Wie steht es um die Biodiversität, die Vielfalt des Lebens auf der Erde?

Biodiversität, die Vielfalt der Gene, der Arten und der Lebensräume, erbringt unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Wirtschaft, sogenannte Ökosystemleistungen. Diese liefern Nahrung, beeinflussen das Klima, erhalten die Wasser- und Luftqualität, sind Bestandteil der Bodenbildung und bieten nicht zuletzt dem Menschen Raum für Erholung.

Aufzeichnungen zeigen, dass das Aussterben von Arten auf natürliche Weise erfolgt. Aber die heutigen Aussterberaten sind schätzungsweise 100 bis 1000 Mal höher. Nicht nur die Anzahl der Arten, auch die Anzahl der Lebewesen gehen erschreckend zurück. Die globalen Wildtierpopulationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien haben sich seit 1970 um durchschnittlich 73 % reduziert.

Auch der Verlust der Vielfalt in der Landwirtschaft ist gross. Wurden bis ins letzte Jahrhundert etwa 7'000 Pflanzen zwecks Ernährung angebaut, tragen heute nur noch etwa 80 Sorten massgeblich zur globalen Nahrungsversorgung bei.

Und die Biodiversität der Meere, die schätzungsweise eine Million Tier- und Pflanzenarten beherbergen, befindet sich in einem noch grösseren Wandel als auf dem Lande.

Der rasch voranschreitende Rückgang der Biodiversität auf dem Lande und im Meer ist somit ein ernsthaftes Risiko für die Ernährungssicherheit der Menschheit. Deshalb einigte man sich an der 15. UN-Biodiversitätskonferenz 2022 darauf, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen sowie der Binnengewässer unter Schutz zu stellen.

Der Erhalt der Biodiversität gilt als einer der stärksten Hebel zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung weltweit.

Der Bericht des WWF zur Biodiversität bietet einen aktuellen Überblick und legt den Fokus auf die Jahre 2025 - 2030 - ausschlaggebend für den Klimaschutz und den Artenerhalt: 

2024 Living Planet Report – Kurzfassung – pdf

Gesellschaft & Wirtschaft

Wie wirkt sich die gesellschaftliche Ungleichheit auf den Klimawandel aus?

Die Ungleichheit bei Vermögen, Einkommen, Ressourcenverbrauch, Konsum, CO2-Ausstoss zwischen den Ländern und auch innerhalb der Gesellschaften ist enorm.

Grosse Teile der Bevölkerung weltweit haben kaum Anteil am Wirtschaftswachstum, während die wirtschaftliche Wertschöpfung hauptsächlich einer kleinen Gesellschaftsschicht zugutekommt. Noch nie waren deren Vermögen so gross wie heute und sie steigen aktuell rasant an.

Und eben diese Gesellschaftsschicht, das reichste 1 Prozent der Menschheit ist für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als die 66 Prozent ärmeren und ärmsten Menschen auf der Welt.

Zudem sind die reichsten 10 Prozent der Welt für zwei Drittel der seit 1990 beobachteten globalen Erderwärmung und die daraus resultierende starke Zunahme von Wetterextremen verantwortlich.

Zu diesen Fakten passt auch die Beobachtung, dass die Regierung der grössten Wirtschaftsmacht weltweit, befördert von einflussreichen Milliardären, eine Verantwortung für den von den reichen Industrieländern verursachten Klimawandel rundweg ablehnt und weiterhin auf fossile Energien setzt.

Es ist leicht nachvollziehbar, warum die Politik der Staaten zur Reduzierung der CO2-Emissionen, die die enormen Ungleichheiten ignoriert, sich mehr auf die wohlhabendere Bevölkerung konzentriert und den Bedürfnissen und Nöten der ärmeren Menschen wenig Beachtung schenkt, wahrscheinlich keine breite Unterstützung finden und auf starken Widerstand stossen wird.

Es ist zudem völlig nachvollziehbar, warum ein grosser Teil der Weltbevölkerung, der ums tägliche Überleben kämpfen muss, ein Wirtschaftswachstum, das ihnen Wohlstand verspricht, viel wichtiger findet als ernsthafte Klimaschutzmassmahmen, deren Kosten ihnen jetzt auch noch aufgebürdet werden soll.

Das hat zu Folge, dass Milliarden von ärmeren und die weltweit ärmsten Menschen, die kaum etwas zum Klimawandel und Ansteigen der Erderwärmung beigetragen haben, den Auswirkungen des Klimawandels durch Dürre, Überschwemmungen und Hitze schutzlos ausgeliefert und existentiell bedroht sind.

Die grosse Ungleichheit hat also neben vielen anderen gesellschaftlichen Auswirkungen auch schwerwiegende Folgen für die globalen Bemühungen zur Bewältigung des Klimawandels, der Umweltverschmutzung und des Verlustes der Biodiversität.

Ohne entschlossene Massnahmen zum drastischen Abbau der sozio-ökonomischen Ungleichheiten wird es wohl keine Lösung der Klima- und Umweltkrise geben.

Braucht unsere Gesellschaft eine Strategie des Genug?

Der Druck der globalen Mittel- und Oberschichten auf lebenswichtige ökologische Systeme unseres Planeten ist inzwischen so stark geworden, dass eine klimatische und ökologische Destabilisierung der Erde begonnen hat.

Diese Destabilisierung gefährdet die ökologischen Lebensgrundlagen, zu denen unter anderem ein stabiles Klima, eine funktionsfähige Biosphäre, die ausreichende Verfügbarkeit von sauberem Wasser, gesunden Böden und sauberer Luft gehören.

Die vergangenen Jahrzehnte haben vielen Menschen einen beispiellosen Wohlstand beschert. Dafür zahlt unser Planet und mit ihm eine unvorstellbar grosse Zahl von Menschen aber einen hohen Preis.

Dies ist das historisch Neue an der gegenwärtigen Situation. Während wir immer näher an den Rand der ökologischen Grenzen rücken - der Bedingungen, unter denen unsere Spezies gedeihen kann - untergräbt die Entwicklung der reichen Welt systematisch die Überlebensbedingungen von Milliarden von Menschen in der klimatischen Gefahrenzone.

Was wir brauchen, ist ein Wandel weg von extraktiven, wachstumsorientierten Wirtschaftsmodellen hin zu Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und intelligenten und gerechten Versorgungssystemen.

Wir brauchen dringend eine Diskussion über Suffizienz als Strategie des Genug - eine bis anhin vernachlässigte Dimension von Zukunftspolitik: 
Suffizienz als Strategie des Genug. - pdf

Was macht die Umweltverschmutzung mit uns Menschen?

Die Verschmutzung ist heute ein erhebliches Problem, das die Gesundheit von Milliarden Menschen bedroht, die Ökosysteme der Erde schädigt, die wirtschaftliche Sicherheit der Nationen untergräbt und für eine enorme Belastung durch Krankheiten, Behinderungen und vorzeitigen Tod verantwortlich ist:

  • In den am stärksten betroffenen Ländern sind durch Umweltverschmutzung bedingte Krankheiten für mehr als jeden vierten Todesfall verantwortlich.
  • Im Jahr 2022 hatten 2,4 Milliarden Menschen, darunter relativ viele Frauen und Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, nicht das ganze Jahr über Zugang zu nahrhaften, sicheren und ausreichenden Lebensmitteln.
  • Gemäss einer neuen Studie wird geschätzt, dass weltweit über vier Milliarden Menschen keine angemessene Trinkwasserversorgung haben. Das ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung.

Es braucht also ein neues Denken in Politik und Gesellschaft, das anerkennt, wie stark die Gesundheit von Mensch und Umwelt miteinander verbunden sind. 

Gesundheits- und Umweltrisiken durch Emissionen, Abfälle und Chemikalien in Luft, Boden und Wasser sollten durch eine kontrollierte Kreislaufwirtschaft und Emissionsregulierungen verhindert werden.

Wie ist die Digitalisierung mit einer nachhaltigen Entwicklung verlinkt?

Die Digitalisierungsprozesse wirken heute als «Brandbeschleuniger» bestehender, nicht nachhaltiger Trends, also der Übernutzung natürlicher Ressourcen und wachsender sozialer Ungleichheit.

Trotz innovativer kleinerer Initiativen ist festzustellen, dass in keinem der Schlüsselsektoren - Verkehr, Energie, Landwirtschaft, Wohnen, Konsumgüter - die Einführung digitaler Werkzeuge bisher einen Wandel hin zu nachhaltigen Alternativen bewirkt hat.

Andrerseits offeriert die Digitalisierung ein ungeheures Spektrum an Möglichkeiten zur Unterstützung der Transformation zur Nachhaltigkeit.

Die Digitalisierung kommt in den 17 Zielen (SDGs) der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung kaum vor, doch sie wird deren Umsetzung stark beeinflussen.

Die grossen Durchbrüche von Künstlicher Intelligenz (KI) liegen nicht darin, dass ChatGPT einen Aufsatz schreiben kann, sondern dass KI die personalisierte Medizin verbessern kann oder als Technologie dazu führt, Massnahmen gegen den Klimawandel ergreifen zu können. Deswegen ist es nötig, die künstliche Intelligenz nachhaltig zu gestalten.

Wir haben verschiedene Stufen der Industrialisierung: die Mechanisierung, die Elektrifizierung, die Computerisierung, und jetzt befinden wir uns in der Digitalisierung. Die 5. Stufe ist die Ökologisierung und Personalisierung unserer Systeme - und zu dieser Industrie 5.0 müssen wir rasch kommen.

Tatsächlich werden wir KI für eine lebenswerte Welt benötigen. Denn um Überflutungen vorherzusehen, Dürren besser handhaben zu können, das Schmelzen der Gletscher nachvollziehen zu können oder die Landwirtschaft an die veränderten Begebenheiten anzupassen, wird es ohne IT und KI nicht gehen.

Dazu braucht es eine Wirtschaftstransformation. Wir werden vom Konzept der Effizienz zum Konzept der Suffizienz übergehen und uns fragen, was und wieviel digitalisiert werden muss, um ein balanciertes Leben für die Menschen auszubauen.

Unsere gemeinsame digitale Zukunft - pdf

Die Quellennachweise sind weggelassen, um die FAQ-Seite leicht lesbar zu halten. Sie sind aber an anderer Stelle auf dieser Website detailliert aufgeführt.