Nachhaltig

Für eine lebenswerte Zukunft

Wo stehen wir?

Wir stehen einer Sprachlosigkeit gegenüber und wissen nicht, wie sie überwinden, um die Realität begreifbar zu machen, den Ernst der Lage angemessen zu beschreiben.
Übersetzt von: George Marshall. Buch: Don't Even Think About It - Why Our Brains Are Wired to Ignore Climate Change. 2014

Eine ganze Gesellschaft hängt fest zwischen dem Gefühl von drohender Katastrophe und der Unfähigkeit, sich dieses Gefühl einzugestehen.
Zitat von: Joanna Macy (1929 - 2025), Ökophilosophin, Aktivistin und Systemwissenschaftlerin.

Wir können nicht länger so tun, als würden wir schlafwandlerisch in eine Klimakatastrophe hineinstolpern. Wir tun dies bewusst, mit offenen Augen und ohne Rücksicht auf die Folgen.

Entweder wir reduzieren jetzt die Emissionen drastisch oder wir geraten in grosse Schwierigkeiten.
Übersetzt von und gemäss: Bill McGuire. Our world is hurtling into climate disaster and what do politicians give us? Oilfields and new runways. The Guardian 30.09.2025

Die hoch-industrialisierte moderne Welt ist mit ihrer Weisheit ziemlich am Ende - seien es die spürbaren klimatischen Veränderungen, die schleichend zunehmende ökologische Zerstörung, die Auseinandersetzung zwischen Arm und Reich, die kollabierenden Sozial- und Gesundheitssysteme, die leeren Staatskassen, die scheinbar nicht zu bewältigende Zunahme der Arbeitslosigkeit, das rasante Wachstum psychischer und allergischer Erkrankungen.

Wir erfahren immer mehr am eigenen Leib, am eigenen Geldbeutel, an der eigenen Lebensqualität, dass wir an einem Wendepunkt stehen.
Gemäss Geseko von Lüpke. Buch: Politik des Herzens. Nachhaltige Konzepte für das 21. Jahrhundert. Gespräche mit den Weisen unserer Zeit. 2015

Hintergrundbild © ittipon | Shutterstock, Inc. [US] 2018

Die vergangenen Jahrzehnte haben vielen Menschen einen beispiellosen Wohlstand beschert. Dafür zahlt unser Planet und mit ihm eine unvorstellbar grosse Zahl von Menschen aber einen hohen Preis.

Dies ist das historisch Neue an der gegenwärtigen Situation. Während wir immer näher an den Rand der ökologischen Grenzen rücken - der Bedingungen, unter denen unsere Spezies gedeihen kann - untergräbt die Entwicklung der reichen Welt systematisch die Überlebensbedingungen von Milliarden von Menschen in der klimatischen Gefahrenzone.

Sie werden nicht so sehr ausgebeutet oder umgangen, sondern sind Opfer der klimatischen Auswirkungen des Wirtschaftswachstums, das anderswo stattfindet. Diese gewaltsame und indirekte Verstrickung ist in ihrer Qualität und ihrem Ausmass neu.
Übersetzt von:
Adam Tooze. The Climate emergency really is a new type of crisis - consider the the 'triple inequality' at the heart of it. The Guardian 23.11.2023

Der Druck der globalen Mittel- und Oberschichten auf lebenswichtige ökologische Systeme unseres Planeten ist inzwischen so stark geworden, dass eine klimatische und ökologische Destabilisierung der Erde begonnen hat. Diese Destabilisierung gefährdet die ökologischen Lebensgrundlagen, zu denen unter anderem ein stabiles Klima, eine funktionsfähige Biosphäre, die ausreichende Verfügbarkeit von sauberem Wasser, gesunde Böden und saubere Luft gehören.

Wir brauchen eine Diskussion über Suffizienz als «Strategie des Genug» - eine bis anhin vernachlässigte Dimension von Zukunftspolitik.
Suffizienz als «Strategie des Genug» - Diskussionspapier. Sachverständigenrat für Umweltfragen. 2024. PDF 

Von «Mehr» zu «Genug»: In den letzten fünfzig Jahren hat sich der weltweite Ressourcenverbrauch mehr als verdreifacht. Ohne dringende Massnahmen wird er sich bis 2060 noch einmal verdoppeln. Diese Entwicklung wird uns weit über die planetarischen Grenzen hinaus treiben - sie untergräbt die Klimaziele, zerstört Ökosysteme, beschleunigt die Ungleichheit und bedroht das zukünftige Wohlergehen aller Menschen.

Was wir brauchen, ist eine Abkehr von extraktiven, wachstumsorientierten Wirtschaftsmodellen hin zu Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und intelligenten und gerechten Versorgungssystemen.
Übersetzt von: Monika Dittrich and Peter Hennicke. Beyond efficiency: why sufficiency must lead the resource policy agenda. Earth4All. 29 July 2025

Hintergrundbild © Mr.Nikon | Shutterstock, Inc. [US] 2024

Es stellt sich uns wohlhabenden Menschen die Frage: Welche Lebensphilosophie steht eigentlich hinter der Unersättlichkeit von uns, die wir so hartnäckig und dabei so leidenschaftslos und missmutig auf Kosten anderer und der Umwelt leben?
Gabriela Simon. Mehr Genuss! Mehr Faulheit! Mehr Schlendrian! Die Zeit Nr. 42/1992

Die reichsten 10 % der Welt sind für zwei Drittel der seit 1990 beobachteten globalen Erwärmung und die daraus resultierende Zunahme von Klimaxtremen wie Hitzewellen und Dürren verantwortlich.
Übersetzt von:
International Institute for Applied Systems Analysis. The world's wealthiest 10 % caused two thirds of gloabal warming since 1990. 07 May 2025

Mehr als zweihundert Jahre lang von den fossilen Ablagerungen des Karbons zu leben, hat uns in dem falschen Glauben gewiegt, eine ebenso grenzen- wie endlose Zukunft zu haben - eine Zukunft, in der alles möglich ist, ohne dass wir dafür eine allzu grosse Rechnung präsentiert bekommen.

Wir haben diese Ära «Zeitalter des Fortschritts» getauft. Der Klimawandel ist nun die Rechnung, die heute fällig ist. 
Jeremy Rifkin, Ökonom und Publizist. Buch: Der globale Green New Deal. Warum die fossil befeuerte Zivilisation um 2028 kollabiert - und ein kühner ökonomischer Plan das Leben auf der Erde retten kann. 2019

© studiostoks | Shutterstock, Inc. [US] 2023

Unsere Wirtschafts- und Lebensweise haben weltweit grosse Umweltbelastungen zur Folge und gefährden zunehmend unsere Lebensgrundlage und das Zusammenleben auf der Erde.

Sogar im Global Risk Report 2022 des Weltwirtschaftsforums WEF sind fünf der sechs grössten globalen Risiken ökologische - Klimakrise, Verlust der biologischen Vielfalt, Wasserknappheit, Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen - und das sechste die Massenvernichtungswaffen.

  • Extreme Wetterereignisse mit grossen Schäden an Eigentum, Infrastruktur und Menschenleben.
  • Versagen von Regierungen und Unternehmen bei der Eindämmung des Klimawandels und der Anpassung an den Klimawandel.
  • Grosser Verlust an biologischer Vielfalt und Zusammenbruch von Ökosystemen an Land oder im Meer mit irreversiblen Folgen für die Umwelt, was zu einer starken Erschöpfung der Ressourcen für die Menschheit und die Industrie führt.

Wir wissen nicht, wie viel Treibhausgase in der Atmosphäre der Zukunft enthalten sein werden, wir wissen nicht, welche Kipppunkte es sein werden oder wann die Schwellenwerte überschritten werden. Aber der Hauptgrund, warum wir die Zukunft nicht kennen, ist schlicht und einfach: Wir haben keine Ahnung, was die Menschen tun werden. Wenn wir weiterhin Treibhausgase in die Atmosphäre pusten, steigen die Risiken. Wenn wir das nicht tun, wird die Welt sicherer sein.

Es sieht nicht so aus, als würden wir jemals damit aufhören. Aber die Wissenschaft ist eindeutig: Der Mensch ist für den Klimawandel verantwortlich, und der Mensch kann sich entscheiden, ihn zu stoppen. Wir sind die Ersten in der Geschichte der Erde, die vor dieser Entscheidung stehen.
Übersetzt von: Kate Marvel. Buch: Human Nature. Nine ways to feel about our changing planet. 2025

Die Unumkehrbarkeit der Veränderung ökologischer Systeme hinsichtlich einer Wiederherstellung ist einfach noch nicht begriffen worden:

Wenn wir diese Kipppunkte erreichen, wo das Klima kippt, wo die Biodiversität kippt, wo die Ozeane kippen, dann haben wir komplett veränderte Lebensbedingungen für die Menschheit, für die nächsten Generationen.
Gemäss: Maja Göpel. Pressekonferenz Scientists for Future zu den Protesten für mehr Klimaschutz. 12. März 2019

© Andrey_Kuzmin | Shutterstock, [US] 2023

Keine kommende Katastrophe wurde je so gründlich untersucht wie die Erderwärmung. Und keine wurde je so gründlich ignoriert

Die erste Weltklimakonferenz fand in Genf bereits im Jahr 1979 statt. Seit 1995 finden jährlich Weltklimakonferenzen statt und doch nehmen die globalen Treibhausgas-Emissionen jedes Jahr weiterhin zu. Noch nie war der Anstieg der globalen CO- Konzentration seit dem Beginn der modernen Messungen 1957 so gross wie von 2023 bis 2024.

Am Klimagipfel 2021 in Glasgow hatten die Staaten festgehalten, die globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2030 im Vergleich zum Stand 2010 um 45 % zu senken. Damit sollte die Erderwärmung unter 2°C begrenzt werden.

Untersuchungen zur Wirksamkeit der bisherigen Verpflichtungen der Staaten zur Reduktion ihrer Emissionen zeigen jetzt aber: würden sie in diesem Umfang umgesetzt, dann wären die globalen Emissionen 2030 nicht niedriger, sondern rund 9 % höher als im Jahre 2010.
Übersetzt von: United Nations – Climate Change. New Analysis of National Climate Plans: Insufficient Progress Made, COP28 Must Set Stage for Immediate Action. 14. November 2023.

Die Kluft zwischen Klimaherausforderung und Klimahandeln, zwischen Anspruch und Engagement wächst rasant. Diese Entwicklung rechtfertigt es, von einer planetaren Notlage zu sprechen.
Hans Joachim Schellnhuber - Gründungsdirektor und langjähriger Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung PIK. Kurze wissenschaftliche Stellungnahme zur sich verschärfenden Klimakrise. WissenLeben 14.02.25

Für die jungen Leute, die in den Statistiken als besorgt oder extrem besorgt auftauchen, sind die Meldungen über die Klimakrise nicht annähernd so deprimierend wie die Tatsache, dass diese Meldungen ignoriert werden.
Daniel Graf. Ja, Zukunftslust, verdammt! REPUBLIK 14.02.2023

Bei einer grossen internationalen Umfrage im Jahr 2021 wurden 10,000 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren in aller Welt zu ihrer Einstellung zum Klimawandel befragt:

Mehr als die Hälfte der jungen Menschen glaubt, dass die Menschheit aufgrund des Klimawandels dem Untergang geweiht ist. 

Mehr als ein Drittel der jungen Menschen zögert wegen des Klimawandels, Kinder zu bekommen. 

Klimaangst und Leidensdruck korrelieren mit einer als unzureichend empfundenen Reaktion der Regierungen und dem damit verbundenen Gefühl des Verrats.
Übersetzt aus Quelle:
Caroline Hickman et al. 2021. The Lancet Planetary Health. Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change: a global survey.

© klublu | Shutterstock, [US] 2023

Die Ungleichheit bei Vermögen, Ressourcenverbrauch, CO2-Ausstoss usw. zwischen den Ländern und auch innerhalb der Gesellschaften ist enorm.

Ungleichheit ist ein Problem von der Grössenordnung des Klimawandels.

Über 600 Ökonomen und Wissenschaftler fordern in einem offenen Brief die Einrichtung eines neuen «Internationalen Gremiums für Ungleichheit», einer Organisation ähnlich dem Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC) der Vereinten Nationen, um Massnahmen gegen die ihrer Meinung nach katastrophalen Auswirkungen auf die moderne Gesellschaft zu koordinieren.
Open letter. Economists and inequality experts support call for new International Panel on Inequality. November 2025

Die Ungleichheit der globalen Arbeitsteilung führt zu einer unfassbaren Verlogenheit in der Klimadebatte, bei der die Länder des globalen Südens für den Raubbau an ihrer Natur verantwortlich gemacht werden, obwohl der Nutzen davon zu grossen Teilen dem globalen Norden zugutekommt, der zudem den Raubbau mit seiner Technologie und seinem Finanzkapital erst ermöglicht.
Beckert Jens. Buch: Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. 2024

Das reichste 1 % der Menschheit ist für mehr Kohlendioxidemissionen verantwortlich als die ärmsten 66 %, was schwerwiegende Folgen für schutzbedürftige Gemeinschaften und die globalen Bemühungen zur Bewältigung der Klimakrise hat.

Ein Bericht zeigt, dass 2019 Afrika, wo etwa ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt, für nur 4 % der Emissionen verantwortlich war.  
Übersetzt von: Jonathan Watts. Richest 1% account for more carbon emissions than poorest 66%, report says. The Guardian, 20.11.2023.
Data based on the report of Oxfam International. Climate Equality: A planet for the 99%. PDF

Es ist verständlich, warum eine Politik zur Reduzierung der CO2-Emissionen, die diese enormen Ungleichheiten ignoriert, wahrscheinlich keine breite Unterstützung findet und auf starken Widerstand stossen könnte.
Übersetzt von: Richard Wilkinson and Kate Pickett. From inequality to sustainability. EarthforAll. 2022. PDF 
Ohne entschlossene Massnahmen zum drastischen Abbau sozio-ökonomischer Ungleichheiten gibt es keine Lösung der Umwelt- und Klimakrise.
Piketty Thomas. Buch: Eine kurze Geschichte der Gleichheit. 2022

Wenn man den Kampf gegen den Klimawandel ernst nehmen möchte, dann folgt daraus sicherlich, dass gerade die Reichen ihren Konsum drastisch reduzieren müssten. Zu den global Reichen gehören auch die Mittelschichten der Industrieländer. Die Klimafrage ist eine Klassenfrage.

Sie ist aber auch eine Frage ökonomischer Ungleichheit zwischen Ländern: den alten und den neuen Industrieländern sowie jenen, die es noch werden wollen. Insofern sind Klimawandel und der Prozess einer Neuordnung der Weltordnung miteinander verknüpft.
Daniel Marwecki. Buch: Die Welt nach dem Westen. Über die Neuordnung der Macht im 21. Jahrhundert. 2025

Die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung stehen fest [UNO Agenda 2030 mit 17 Zielen]. Wir wissen aber aktuell nicht, unter welchen Bedingungen es der Menschheit gelingen kann, die Massnahmen zur Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele global auch wirklich umzusetzen.
Christian Berg. Buch: Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln. 2020
Nachhaltigkeit ist in aller Munde, sowohl in Politik, Wirtschaft und im Privaten. Jeder kann sich unter dem Begriff etwas vorstellen und setzt dabei andere Schwerpunkte. Der Begriff läuft somit Gefahr, «Alles und Nichts» zu bedeuten.
Agentur für Forschung. 2019. Wahrnehmung von "Nachhaltigkeit" - Bericht zur qualitativen Studie. Mannheim, 05. September 2019
Greenwashing: Ein von der Europäischen Union finanziertes Forschungsprojekt (2023) hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der für Produkte und Dienstleistungen gemachten Umweltaussagen - genauer gesagt 53 % - entweder zweideutig, irreführend oder unbegründet sind. 40 % der Aussagen entbehren jeglicher Grundlage.
Übersetzt von: Alexandra Walker and Hélène Gaudin. Paint it Green: Strategies for Detecting and Combatting Greenwashing in ESG Ratings. ERM Sustainability Institute. 2024
Der Fortschrittsbericht der Agenda 2030 zeigt zur Halbzeit, dass nur 12 Prozent der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) auf dem richtigen Weg sind. Die Fortschritte bei 50 Prozent sind schwach und unzureichend. Am schlimmsten ist jedoch, dass wir bei mehr als 30 Prozent der SDGs ins Stocken geraten sind oder den Rückwärtsgang eingelegt haben.
Übersetzt von Antonio Guterres. Secretary-General's remark to launch the Special Edition of the Sustainable Development Goals Progress Report. 25. April 2023.

© PX Media | Shutterstock, [US] 2023

Solange der Mensch zahlenmässig klein und technologisch begrenzt war, konnte er die Erde realistischerweise als ein unendliches Reservoir, eine unendliche Quelle für Inputs und eine unendliche Senkgrube für Outputs betrachten. Heute können wir nicht mehr von dieser Annahme ausgehen.
Übersetzt von: K.E. Boulding. Earth as a Space Ship. Washington State University Committee on Space Sciences. 1965

Die heutigen Glaubens- und Denkmuster stammen alle aus der Zeit einer mit Menschen fast leeren Welt und eignen sich nicht für die mit Menschen volle Welt von heute.

Heute, eigentlich seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, lebt die Menschheit in einer vollen Welt. Vor hundert Jahren lebten ca. 1'700, im Jahr 1950 ca. 2'500 und heute leben ca. 8'000 Millionen Menschen auf unserer Erde.

Die Grenzen sind sichtbar, fühlbar in allem was wir tun. Und doch verfolgt die Welt weiterhin eine Wachtsumspolitik, als ob wir immer noch in der leeren Welt von damals lebten, als die Fülle an natürlichen Ressourcen auf dieser Erde endlos schien.
Gemäss: Weizsäcker v. Ernst Ulrich und Anders Wijkman. Buch: Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. 2018

Unsere Institutionen und unser Regierungshandeln sind für eine Welt konzipiert, die von relativer Stabilität und Fortschritt geprägt ist. Sie sind jedoch nicht dafür ausgelegt, unsere Gesellschaft in Zeiten des raschen Wandels zu steuern, wenn weit verbreitete Prämissen wie das Streben nach Wachstum sich gegen uns wenden.

Die politischen Entscheidungsträger müssen mutige und ehrgeizige Massnahmen ergreifen, die der Dringlichkeit und dem Zusammenspiel sich überschneidender Krisen Rechnung tragen und gleichzeitig einen wirklich gerechten und integrativen Übergang gewährleisten.
Übersetzt von: Katy Wiese, Senior Policy Officer at the EEB in: Andreas Budiman. The tricky path to financing our way out of the climate crisis. Meta from European Environmental Bureau EEB. April 5, 2023.

Gesucht wird nach einer grossen Erzählung, die die gegenwärtige Düsternis überwinden soll. Dabei wird vergessen, dass so manche grosse Erzählung aus der Vergangenheit ins Desaster geführt hat.

Für den Moment gilt es zu akzeptieren, dass es noch keine gute Antwort auf die grossen Herausforderungen unserer Zeit gibt, vielleicht noch gar nicht geben kann.

Wir wissen nicht, ob und wie sich grosse Verwerfungen durch den Klimawandel vermeiden lassen; wir können für den Moment nur mit lauter kleinen Zwischenlösungen experimentieren.
Jürgen Wiebicke. Buch: Erste Hilfe für Demokratie-Retter. 2024

© andriano.cz | Shutterstock, [US] 2019

Wir alle scheinen schlafwandelnd auf eine Katastrophe zuzusteuern, ohne dass sich unsere Gewohnheiten oder unser Lebensstil ändern. Die Unternehmen ziehen sich von ihren Verpflichtungen zurück und werden dabei von ihren Aktionären lautstark bejubelt. Die Klimagipfel greifen zu kurz.

Das Tragische daran ist, dass wir so viele Ideen, Lösungen, Technologien und sogar die Ressourcen haben, um den Klimawandel grundlegend anzugehen. Was uns fehlt, ist die Führung und der kollektive Wille, sie in grossem Umfang und schnell umzusetzen.
Übersetzt von: Ravi Venkatesan. Sozialunternehmer und Autor. Post auf LinkedIn. 30.12.2024

Mit Blick auf den Kampf gegen den Klimawandel ist das Dilemma offensichtlich.

Einerseits erhöht Konsum in einer durch fossile Energieträger beherrschten Wirtschaft den CO- Ausstoss und verursacht darüber hinaus andere Umweltschäden, die etwa die Artenvielfalt beeinträchtigen. Je mehr konsumiert wird, desto stärker wird die Umwelt belastet.

Andrerseits basiert das Gesellschaftssystem sowohl wirtschaftlich als auch politisch und kulturell genau auf diesem Konsum und seiner weiteren Steigerung.
Beckert Jens. Buch: Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. 2024

Moderne Gesellschaften verfügen über mehr und detaillierteres Wissen über den Zustand und die Veränderung der Umwelt sowie über die Ursachen, Konsequenzen, Zusammenhänge und Wechselwirkungen dieser Veränderungen denn je.

Ihr politischer Wille und ihre politische Fähigkeit, diese Veränderungen zu stoppen und möglicherweise rückgängig zu machen, ist durch dieses Wissen aber nicht gewachsen, sondern vielleicht sogar geschrumpft.
Ingolfur Blühdorn. Die Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit. Skizze einer umweltsoziologischen Gegenwartsdiagnose. In Buch: Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. 2020. Seiten 83-160

Als der Klimawandel von einem bequemen Zukunftsthema in den 1990er Jahren zu einem Thema wurde, gegen das wir jetzt etwas unternehmen müssen, begann die politische Polarisierung.

Wenn die Wissenschaft gesellschaftliches Handeln nahelegt, beginnen die Menschen, die Wissenschaft abzulehnen, um den Handlungsbedarf zu vermeiden.
Übersetzt von: Amanda Buckiewicz. Prominent scientist argues it's time to ditch the 'myth neutrality'. CBC News posted Jan 17. 2025

© Danilo_Designer | Shutterstock, [US] 2024

Bleibt die berechtigte Frage:

Wollen wir die Klimaschutzziele wirklich erreichen oder reichen uns die Klimaschutzziele?