Nachhaltig leben

Wann, wenn nicht jetzt?

Was können wir tun?

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Eine erfolgreiche Klimapolitik gelingt nur dann, wenn die Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung an den Klimawandel gleichzeitig und rasch erfolgen.


1. CO2 - Ausstoss stoppen


Der Klimawandel sollte allen ein Anliegen sein, die sich um die Gesundheit kümmern, die sich um wirtschaftliche Stabilität und Investitionswerte sorgen und denen die Gerechtigkeit zwischen den Generationen am Herzen liegt - und das sollte jeder von uns sein. 
Übersetzt von: Christiana Figueres and Tom Rivett-Carnac. 2020. The Future We Choose - Surviving the Climate Crisis.

Die Begrenzung der globalen Erwärmung erfordert eine rapide Dekarbonisierung der Weltwirtschaft. 

«Bis 2070 werden voraussichtlich etwa 2 Milliarden Menschen in extrem heissen Gebieten leben. Derzeit leben nur 30 Millionen Menschen in heissen Gebieten [...].» 
Übersetzt von: Luke Kemp etal. 2022. Climate Endgame: Exploring catastrophic climate change scenarios. Proc.Natl.Acad.Sci.U.S.A.119

Die vergangenen Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und gleichzeitig steigen die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen weiter an.

Es ist Zeit, endlich der jungen Generation und der Wissenschaft zuzuhören und zu handeln.


2. Wirtschaft nachhaltig ausrichten


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Das globale Wirtschaftssystem mit ungebremstem Wachstum und einer von uns Menschen kaum noch kontrollierbaren Eigendynamik gefährdet zunehmend unsere natürliche Lebensgrundlage und das Zusammenleben auf der Erde.

Wir müssen den Weg hin zu nachhaltigem Wirtschaften einschlagen und unser zukünftiges Wirtschaften auf einer mit Menschen vollen Erde neu denken.

Die Abkehr von der überwiegend linearen Wirtschaft hin zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft ist das Gebot der Stunde.

3. Überkonsum zurückfahren 


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Immer mehr Menschen in den reichen Ländern realisieren, wie unverantwortlich und egoistisch wir uns verhalten und welch grosse, unbezahlte Rechnung wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen.  

Der Verschleiss der Natur durch die konsumorientierte Lebensweise ist zu gross und gefährdet unsere Lebensgrundlage. Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und den masslosen Konsum zurückfahren. 

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Mächtige Statussymbole bestimmen seit je unser Konsumverhalten wie zum Beispiel:

Grosses Auto
Früher waren es die Prunk-Kutschen von wenigen, dann der Rolls-Royce von einigen, der Chevrolet von vielen und heute die immer grösseren Autos von fast allen Leuten. Seit 1980 hat sich das durchschnittliche Gewicht eines Autos verdoppelt.

Grosser Konsum von Fleisch
Zuerst waren es die Gelage in den Palästen von wenigen  - vor 200 Jahren hatten in Europa über 90 % aller Menschen in der Regel kein Fleisch zum Essen - dann das Fleischessen in Restaurants von vielen und heute das tägliche Fleischessen von fast allen Leuten. 

Die Produktion von Fleisch und Milchprodukten beansprucht bereits über 70 Prozent des globalen Agrarlands, obwohl damit nur 18 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit gedeckt werden.

Grosser Wohnraum
Früher waren es die Prunk-Schlösser von wenigen, dann die grossen Villen von einigen, das Eigenheim von vielen und heute die grossen Wohnungen von fast allen Leuten.

In der Schweiz z.B. beansprucht jeder Einwohner im Durchschnitt eine Wohnfläche von 42 Quadratmeter - doppelt so viel wie noch 1965. 

Das bedeutet ein grosser Ressourcenverbrauch beim Bau des Wohnraums, eine grosse Zunahme an Energieverbrauch beim Heizen und ein grosser Folgekonsum wie dem Kauf von Möbeln und vielen zusätzlichen Wohnungseinrichtungen. 

«Bauen steht weltweit für ein Drittel der CO₂-Emissionen, für 40 Prozent des Endenergiebedarfs und 50 Prozent des Materialverbrauchs.»
Interview von Christine Mattauch mit Lamia Messari-Becker. Ökologisches Wohnen darf kein Eliteprojekt bleiben. Süddeutsche Zeitung. 23. April 2022.


Alle drei Statussymbole haben grosse Auswirkungen auf unsere Umwelt und das Klima. 

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4. Saubere Technologie anwenden 


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Veraltete, umweltschädliche und ineffiziente Produktionen müssen rasch mit neuen Technologien ersetzt werden.

Wir unterliegen aber einem grossen Trugschluss, wenn wir denken, mit zunehmender technologischer Effizienzsteigerung unseren gewohnten Lebensstil unverändert weiterführen zu können. 

Denn die grossen Auswirkungen auf unsere Umwelt durch unseren überbordenden Konsum und das rasante Bevölkerungswachstum können nur teilweise mit technologischen Verbesserungen kompensiert werden. 

Es dürfen zudem umweltschädliche Aktivitäten nicht mehr länger mit dem Argument der Arbeitsplatzerhaltung am Leben erhalten bleiben. 

5. Digitalisierung auf eine nachhaltige Entwicklung ausrichten


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Es fehlen bisher - bildlich gesprochen - ein Algorithmus zum Wohl von uns Menschen und ein Algorithmus zum Schutz der Natur.

Die drei Hauptziele der ökologischen Nachhaltigkeit sind CO2- und Ressourcen-Reduktion sowie Renaturierung.

Zumindest in der Theorie kann das Wachstum digitaler Anwendungen mit den Zielen der ökologischen Nachhaltigkeit vereinbar sein. Doch die heutige Realität ist von diesem Ideal weit entfernt.

Der Energie- und Materialverbrauch steigt mit zunehmender Digitalisierung sogar an. An dieser Situation wird sich nichts ändern, wenn die Mehrheit der betroffenen Unternehmen die drei ökologischen Ziele nicht als verbindliche Grundsätze übernimmt.
Übersetzt von: Ortwin Renn, et al. The opportunities and risks of digitalisation for sustainable development: a systemic perspective. GAIA 30/1(2021): 23-28

In allen zentralen Handlungsbereichen von Wirtschaft und Gesellschaft - den sogenannten Transformationsarenen - steht ein tiefgreifender ökologischer Systemwandel an. Digitalisierung ist eine Erfolgsvoraussetzung für den ökologischen Wandel.

Die enormen Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung als prägende Kraft des 21. Jahrhunderts müssen in den Dienst einer nachhaltigen Entwicklung als drängendste Gestaltungsaufgabe des 21. Jahrhunderts gestellt werden.
Wuppertal Institut (2021): Digitalisierung gestalten - Transformation zur Nachhaltigkeit ermöglichen: Studie im Rahmen des Projekts «Shaping the Digital Transformation».

6. Nahrungssystem neu ausrichten


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Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend ändert, können die Klimaschutzziele erreicht, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ernährungssystem nachhaltig gestaltet werden.
WBGU Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. 2020. Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration.

Es gilt also:

  • Ernährungsgewohnheiten ändern
    Die globale Ernährung muss auf mehr pflanzliche Ernährung umgestellt werden.
  • Land für die biologische Vielfalt reservieren
    Mehr Land muss geschützt und für die Natur reserviert werden. Dies ist der effektivste Weg, um die biologische Vielfalt zu erhalten.
  • Art und Weise wie wir Land bewirtschaften ändern
    Die Landwirtschaft muss naturfreundlicher und biodiversitätsfördernder ausgerichtet werden.
    Gemäss: Tim G. Benton, etal. Food system impacts on biodiversity loss. Three levers for food system transformation in support of nature. 2021.


Wir müssen rasch handeln, dabei aber einen kühlen Kopf bewahren. Wir brauchen eine besonnene Politik ohne Untergangsszenarien, ohne Ideologien und ohne Einzelinteressen

7. Bausteine einer nachhaltigen Entwicklung


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Die Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung sind zur Hauptsache folgende Neuausrichtungen, die alle eng miteinander verknüpft sind: 
Quelle: Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschafter. Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2018

  • Wohlstands- und Konsumwende
    Die Frage ist, wie Suffizienz - eine «Kultur des Genug» - möglich ist und wie die Ausbildung einer solchen Kultur mit Rahmenbedingen von der Politik unterstützt werden kann.
  • Energiewende
    Das Ziel der Energiewende ist nur dann zu erreichen, wenn die Umstellung auf erneuerbare Energie zusammengeht mit einer Energiesuffizienz und einer Energieeffizienz. 
  • Ressourcenwende
    Nur wenn der Ressourcenverbrauch pro Kopf um den Faktor 4 bis 5 reduziert wird, bleibt die Menschheit langfristig innerhalb der planetaren Grenzen.
  • Mobilitätswende
    Die Mobilitätswende ist eng mit der Energiewende und der Ressourcenwende verknüpft und braucht damit mehr als nur technologische Entwicklungen.
  • Ernährungswende
    Die heutige Nahrungsmittelproduktion ist für einen wichtigen Anteil der globalen Ressourcen- und CO2 - Belastungen verantwortlich. 30 % der konsumbedingten Umweltbelastungen in Europa werden durch unser Essverhalten verursacht. 
    Der Konsum von Fleisch und Fisch muss markant reduziert werden.
  • Urbane Wende 
    Mitte dieses Jahrhunderts werden rund 80 % aller Menschen weltweit in Städten leben. Für die nachhaltige Entwicklung insgesamt ist die Art und Weise der Stadtentwicklung deshalb von zentraler Bedeutung.
  • Industrielle Wende
    Zwei Ziele sind hier vorrangig: Die Decarbonisierung [CO2 - Ausstoss stoppen] und die Kreislaufwirtschaft. Dazu braucht es technologische Innovation, Kooperation und eine innovative politische Rahmensetzung.

8. Wie dringend ist es?


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Es eilt sehr. Ein Systemkollaps ist eine reale Gefahr. [..] Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen bedingt durch das rasante Bevölkerungswachstum, die Übernutzung der Ressourcen und die damit einhergehende Verschmutzung, den Verlust der Biodiversität, und insgesamt erleben wir einen schleichenden Verlust der Lebensgrundlagen.
Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman - Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. 2017

Der Bericht Grenzen des Wachstums an den Club of Rome befasste sich bereits 1972 mit der Zukunft der Weltwirtschaft und äusserte damals die düstere Prognose, wonach  

die absolute Wachstumsgrenze auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht wird, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält.  

Die Zeit drängt. 

Aber vermutlich erst dann, wenn der Druck von unten - von uns Bürgern und Bürgerinnen - auf die Politik und Entscheidungsträger wächst, wird der Umwelt- und Klimaschutz den Durchbruch schaffen.


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