Nachhaltig - unser Dilemma?

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Solange der Mensch zahlenmässig klein und technologisch begrenzt war, konnte er die Erde realistischerweise als ein unendliches Reservoir, eine unendliche Quelle für Inputs und eine unendliche Senkgrube für Outputs betrachten. Heute können wir nicht mehr von dieser Annahme ausgehen.
Übersetzt von: K.E. Boulding. Earth as a Space Ship. Washington State University Committee on Space Sciences.1965

Während der Menschheit lange sehr viel Planet für wenig Menschen gegenüberstand, gibt es heute für immer mehr Menschen immer weniger Planet.

Will die Menschheit nicht ihren eigenen Zusammenbruch herbeiführen, muss sie lernen, in einer vollen Welt zu wirtschaften, auf einem einzigen Planeten, mit begrenzten Ressourcen. Das ist eine neue Realität.

Maja Göpel. 2020. Buch: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung.

Die heutigen Glaubens- und Denkmuster stammen alle aus der Zeit einer mit Menschen fast leeren Welt und eignen sich nicht für die mit Menschen volle Welt von heute.

Heute, eigentlich seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, lebt die Menschheit in einer vollen Welt. Vor hundert Jahren lebten ca. 1'700, um 1950 ca. 2'500 und heute leben ca. 8'000 Millionen Menschen auf unserer Erde.

Die Grenzen sind sichtbar, fühlbar in allem was wir tun. Und doch verfolgt die Welt weiterhin eine Wachstumspolitik, als ob wir immer noch in der leeren Welt von damals lebten, als die Fülle an natürlichen Ressourcen auf dieser Erde endlos schien.

Gemäss: Weizsäcker v. Ernst Ulrich und Anders Wijkman. Buch: Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. 2018

Unsere Institutionen und unser Regierungshandeln sind für eine Welt konzipiert, die von relativer Stabilität und Fortschritt geprägt ist. Sie sind jedoch nicht dafür ausgelegt, unsere Gesellschaft in Zeiten des raschen Wandels zu steuern, wenn weit verbreitete Prämissen wie das Streben nach Wachstum sich gegen uns wenden.
Übersetzt von: Katy Wiese, Senior Policy Officer at the EEB in: Andreas Budiman. The tricky path to financing our way out of the climate crisis. Meta from European Environmental Bureau EEB. April 5, 2023.

© Danilo_Designer | Shutterstock, [US] 2024

Wir alle scheinen schlafwandelnd auf eine Katastrophe zuzusteuern, ohne dass sich unsere Gewohnheiten oder unser Lebensstil ändern. Die Unternehmen ziehen sich von ihren Verpflichtungen zurück und werden dabei von ihren Aktionären lautstark bejubelt. Die Klimagipfel greifen zu kurz.

Das Tragische daran ist, dass wir so viele Ideen, Lösungen, Technologien und sogar die Ressourcen haben, um den Klimawandel grundlegend anzugehen. Was uns fehlt, ist die Führung und der kollektive Wille, sie in grossem Umfang und schnell umzusetzen.

Übersetzt von: Ravi Venkatesan. Sozialunternehmer und Autor. Post auf LinkedIn. 30.12.2024

Viele Menschen im globalen Norden ziehen bisher den falschen Vergleich. Sie blicken auf ihr jetziges, vergleichsweise entspanntes Leben in Wohlstand und Freiheit und vergleichen es mit einer aufwendigen Transformation, die, wie es scheint, mit viel Verzicht, Umstellung und Unsicherheit verbunden wäre.

Der Vergleich ist deswegen falsch, weil er auf die Utopie des Weiter-so zurückgreift, die gar keine tatsächlich wählbare Alternative ist.

Der ehrlichere Vergleich wäre der zwischen einer Gesellschaft, die die heutigen exponentiellen Trends*) stabilisiert und dem katastrophalen gesellschaftlichenZusammenbruch, der eintritt, wenn diese Trends nicht rechtzeitig gestoppt werden.
Emanuel Deutschmann. Buch. Die Exponentialgesellschaft. Vom Ende des Wachstums zur Stabilisierung der Welt. 2025.

*) z.B. Primärenergieverbrauch, globale Wirtschaftskraft, Weltbevölkerung, Kohlendioxid, Wasserverbrauch, Düngerverbrauch, Versauerung der Meere, Plastikproduktion, städtische Bevölkerung, internationaler Tourismus und viele mehr.

Mit Blick auf den Kampf gegen den Klimawandel ist das Dilemma offensichtlich:

Einerseits erhöht Konsum in einer durch fossile Energieträger beherrschten Wirtschaft den CO2 - Ausstoss und verursacht darüber hinaus andere Umweltschäden, die etwa die Artenvielfalt beeinträchtigen. Je mehr konsumiert wird, desto stärker wird die Umwelt belastet.

Andrerseits basiert das Gesellschaftssystem sowohl wirtschaftlich als auch politisch und kulturell genau auf diesem Konsum und seiner weiteren Steigerung.

Beckert Jens. Buch: Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. 2024

Im Run auf immer «mehr» verlieren wir den Blick, dass «besser» eine ganz andere Zielsetzung ist.
Maja Göpel. Buch: Werte. Ein Kompass für die Zukunft. 2025


Titelbild: Nachhaltig - unser Dilemma?
© PX Media | Shutterstock, [US] 2023